© Soupshop

CROWDFUNDING
02/19/2013

"Wir wollen euer Geld!"

Der letzte Scheck ist weg, du bist nicht liquid, auf der Bank kriegst du sowieso keinen Kredit. Die Lösung: "Crowdfunding". Die Wiener Band Soupshop hat`s probiert.

Du willst einen Film über Wühlmäuse in deinem Hinterhof drehen, deinen mobilen Pferdefleisch-Detektor endlich zur Marktreife bringen, oder deine Musik in einem Studio aufnehmen und dann garantiert ohne Pony verwursten? Aber Vati hat kein Geld und außerdem Wirtschaftskrise und so? Was tun? Wo früher Endstation für Projekte war, die bei der Bank nur ein müdes Lächeln eingebracht hätten, eröffnet sich seit geraumer Zeit ein Weg für kreative Talente, die nach einer Finanzierungsmöglichkeit für ihre Ideen suchen.

Zugegeben,„Crowdfunding“hat seinen Zenit schon überschritten, aber weil es in den „Schwarmfinanzierungs“- Plattformen zur Zeit mehr österreichische Projekte gibt, als Erwin Pröll Haupthaare scheitelt, wollen wir wieder mal einen kurzen Blick darauf werfen. Was ist das überhaupt? Im Grunde ähnelt es dem Prinzip eines Börsenganges. Fremdes Kapital wird eingebracht, um ein Projekt zu finanzieren: Die Initiatoren präsentieren sich und ihre Idee auf einer Internet-Plattform und wer Gefallen an dieser Idee findet, kann einen kleinen Beitrag leisten, zumeist zwischen 10 und 100 Euro. Als Gegenleistung erhält man, je nach Zuwendung, ein Präsent, oder einen feuchten Händedruck.
Eine der bekanntesten „Crowdfunding“-Plattformen ist die US-SeiteKickstarter.com, wir wollen uns aber im deutschsprachigen Raum umsehen und haben uns zu diesem Behufe mit derWiener Ska-Punk-Band SoupshopaufStartnext.debegeben. Die Ska-Haudegen wollen mit Hilfe der Site ihr neues Album auf die Welt loslassen (siehe Video). 182 Projekte sind dort zur Zeit aktiv, das ansehnliche Sümmchen von 173.835 Euro spielten diese bislang ein. Und eines fällt sofort auf: Die Kreativen sind in der Überzahl! Jene, aus den Goldrausch-Zeiten des "Crowdfundings", die Geld für ihre Weltreise sammelten, sind verschwunden. Sie waren zu Anfang erfolgreich, als die Weite des Netzes hungrig nach neuen Ideen war. Heute dominieren Filmschaffende, Musiker, Designer, Theatergruppen, aber auch Tüftler und Erfinder.

Der Konkurrenzdruck ist groß, es fällt schwer aus der Masse herauszustechen. Dennoch ist es eine „wirklich leiwande Art, ein neues Album auch ohne Label zu finanzieren", finden die Jungs von Soupshop. Auch von Vorteil: "Die Seite Startnext.de ist gemeinnützig und trachtet uns nicht nach dem Gewinn, das unterscheidet sie von einigen anderen, die sich prozentuell am Gespendeten laben wollen. Dabei brauchen wir jeden Cent und Hosenknopf, um die Welt mit dem neuen Album aus der Umlaufbahn zu werfen!“, meint Frontmann Dino schmunzelnd.

Mitte März will die Band nach Berlin, um dort monatelang Geprobtes in einem professionellen Studio auf ein Masterband zu bannen. Die Produktion und Vermarktung übernehmen sie selbst: „Dank der Möglichkeiten, sich im Netz präsentieren und verkaufen zu können, ist ein Label nicht mehr unbedingt nötig. Mal sehen, wie das Album einschlägt.“, weiß Saxophonist Mini zu berichten und Frontmann Dino ist sicher, es „wird der Burner!“

Etwa 9.000 Euro wird die Albumproduktion verschlingen, davon 7000 Euro alleine das Studio und die Aufnahmen. Einen Teil zahlt die Band aus eigener Tasche, für den Rest kommt ihre Präsenz auf Startnext ins Spiel. Der Plan: Die Hälfte der Kosten soll von Gönnern, Freunden, Fans und solchen, die es noch werden wollen, eingespielt werden. Die bekommen als Gegenleistung zb. das neue Album, ein Essen mit der Band, eine Postkarte aus Berlin oder ein Konzert im eigenen Wohnzimmer, je nach finanziellem Liebesbeweis.

Und es läuft gut, nach nur 21 Tagen ist das Sparschwein schon recht prall gefüllt, die Hälfte der Zielsumme von 4.500 Euro ist am Bandkonto eingetrudelt. Ein Umstand, der optimistisch stimmt: „Damit konnte man in so kurzer Zeit nicht rechnen, wir haben das ja zuvor noch nie gemacht!“, freut sich Band-Urgestein Mini, der auch als Initiator und Blogger der Seite fungiert. „Trotzdem, jetzt heißt's weiter dranbleiben“, bleibt er realistisch, denn er weiß, „mit anlegen des Projektes auf Startnext und warten auf die Marie, ist es nicht getan“. Präsenz zeigen heißt das Zauberwort: In den letzten Wochen hat die Band in einer Wiener Bar zum Cocktail-Trinken eingeladen, eine Kinovorführung abgehalten, zudem kochen sie jeden Mittwoch Woche Suppe im28für die Crowd und halten Freitags Lesungen.Alles im Netz zu verfolgenundzu Gunsten des neuen Albums, versteht sich.

Soupshop ist Wiens bekannteste Ska-Punk-Band. Gegründet wurde sie Ende der 90er und erlebte seither zahlreiche Umbesetzungen. Sie selbst bezeichnen ihre Musik als „Skunkrock“ („Skunk“ englisch für „Stinktier“), einem Wortspiel aus Ska und Punk. Nach "Hate" (1997), „Tox on The Rocks“ (2005) und „The Skunkshow“ (2006/07) veröffentlichen sie 2013 ihr viertes Studioalbum.

www.soupshop.at

http://www.startnext.de/soupshop-new-album

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