Wie Bands auf ihren Namen kamen

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Foto: APA/rts

Ufo-Bekämpfer und "ultimativer Spinat": Die kuriosesten Bandnamen – und was sie bedeuten.

Man hat eine Band. Die erste Platte ist auch schon fertig. Morgen soll das Cover in Druck gehen. Aber die Band hat noch keinen Namen. Wie sie heißen soll, muss jetzt entschieden werden. Die Band Ohne Namen und No Use for A Name haben angesichts dieser Aufgabenstellung offensichtlich aufgegeben. Und die, die dranbleiben, kommen unter solchen Umständen mitunter zwangsläufig auf seltsame Wortschöpfungen. Wir haben die kuriosesten Bandnamen zusammengefasst – von kulinarisch über literarisch bis erotisch.

50 Cent: Curtis Jackson hat sein Pseudonym von einem bekannten Räuber aus dem New Yorker Bezirk Brooklyn. AC/DC: Nach der Abkürzung für Wechselstrom/Gleichstrom. Verschwörungstheoretiker behaupten, es bedeute: Antichrist/Dead Christ. Beastie Boys: BEASTIE steht für „boys entering anarchistic stages towards internal excellence“. Billy Talent: Die Kanadier benannten sich nach einem Charakter aus dem Film „Hard Core Logo“. Coldplay: Nach Philip Horkys Buch „Child’s Reflecitons, Cold Play“. Das war aber nicht die Idee von Chris Martin. Er bekam den Namen von einer Band „geschenkt“, die zuerst so hieß und sich dann umgetauft hat. Deichkind: Malte Pittner, ein  Gründungsmitglied, das 2006  wegen privater Streitigketen rausflog, lebte  im Hamburger Vorort Neuengamme am Neuengammer Hausdeich. Depeche Mode: Der Name eines französischen Trend-  und Mode-Magazins. The Doors: Nach Aldous Huxleys Buch „The Doors Of
Perception“. Huxley hatte den Titel von William Blake, der schrieb: „Wenn die Türen der Wahrnehmung gereinigt wären, könnte man die Dinge sehen, wie sie wirklich sind: Unbegrenzt!“ Eminem: Slang für M&M, die Initialen seines Namens Marshall Mathers. Franz Ferdinand: Von einem Rennpferd, dass „The Archduke Ferdinand“ hieß. Sänger Alex Kapranos sah es im Fernsehen und dachte, „The Archduke Franz Ferdinand“ nach dem 1914 in Sarajewo ermordeten Erzherzog Franz Ferdinand, wäre ein guter Bandname. Seine Kollegen kürzten ihn ein. Foo Fighters: Ein Synonym für UFOs. Der Begriff wurde  von Piloten geprägt, die im zweiten Weltkrieg fliegende Feuerbälle über Deutschland sahen. Foo ist die Amerikanisierung des französischen Wortes „feu“, das Feuer bedeutet. Gnarls  Barkley: Eine Parodie auf den Basketball-Star Charles Barkley. Green Day: Nach dem Titel eines Songs, in dem  Sänger Billie  Joe Armstrong beschreibt,  wie er in der Universität von Berkeley zum ersten Mal Haschisch geraucht hat. Hoobastank: Eine Story ist, dass ein alter Chinese ihnen das Wort nachgeschrien hat. Die andere, dass es der Mittelname von Bassist Markku Lappalainen ist. Jamiroquai: Iroquois ist der englisch/französische Name des Indianer-Stammes der Irokesen. Sänger Jay Kay liebt das Weltbild der Irokesen, das auf Verehrung der Erde aufgebaut ist. Jam, weil die Musik auf Jam-Sessions beruht. Kaiser Chiefs: Sänger Ricky Wilson ist Fan von „Leeds United“. Dessen Kapitän Lucas Radebe kickte einst beim „Kaizer Chiefs FC“ im südafrikanischen Johannesburg. Kasabian: Die Briten benannten sich nach Linda Kasabian, einem Mitglied der Charles Manson Family. The Killers: Nach dem New-Order-Video zum Song „Crystal“,   in dem eine Band diesen Namen auf der Bass-Drum hat. Besser als The Blush Response, dem Namen der ersten Band von Sänger  Brandon Flowers. Kings Of Leon: Die drei Followill-Brüder und ihr Cousin benannten sich nach Großvater  Ivan Leon Followill, einem Wanderprediger. Kosheen: Erfundene Wortkombination. Erst als die Band nach Japan reiste und sich Sängerin Sian Evans den Namen auf den Arm tätowieren ließ, erfuhren sie,dass auf Japanisch „ko“ alt und „sheen“ neu heißt. Limp Bizkit: Ein Freund von Fred Durst sagte bei einer Kiffer-Session: „Mein Hirn fühlt sich an wie limp biscuit – weiche Kekse.“ Macy Gray: Heißt bürgerlich Natalie McIntyre. Macy Gray hieß der Freund ihres Vaters, der ihr als Kind immer prophezeite: „Eines Tages wirst du berühmt sein!“ Moby: Richard Melville Hall hat den Spitznamen von seinem Ur-Ur-Großonkel Herman Melville, dem Autor  von „Moby Dick“. Nickelback: Bassist Mike Kroeger arbeitete bei Starbucks, wo der Kaffee entweder 2.95 oder 4.95 kostete. Weil die 5-Cent-Münze im Dialekt „nickel“ heißt, war sein Standardsatz: „Here’s your nickel back“.
Foto: Philipp Guelland/dapd Oasis: Von einem Poster in Liam Gallaghers Zimmer, das den Auftritt der Inspiral Carpets im „Oasis“-Club bewarb. Wurde der Bandname, weil die Beatles dort gespielt hatten. Pearl Jam: Pearl, die Tante von Sänger Eddie Vedder, kochte hervorragende Marmelade ein, die sie dem Neffen zum Frühstück servierte. Pink: Alecia Moore bekam den Spitznamen, als sie auf einem Sommer-Camp rot anlief,weil ihr ein Mitschüler eine heikle Frage stellte. Seeed: Das englische Slang-Wort für Haschisch haben die Berliner mit drei E geschrieben, weil sie das grafisch besser fanden. Erst danach gaben sich die drei Front-Leute „in Bierlaune“ jeder ein Pseudonym, das mit E beginnt.
Foto: Adam Berry/dapd Skrillex:  Sonny John Moore sagt, es stecke keine Bedeutung hinter seinem Pseudonym: „Es war ein dummer Benutzername, den ich vor Jahren für AOL hatte.“ Sportfreunde Stiller: Das Münchner Trio nannte sich nach  Hans Stiller, der sie trainierte, als sie  in der Bezirksliga beim SV Germering Fußball spielten. System Of A Down: Gitarrist Daron schrieb ein Gedicht, das „Victims Of A Down“ hieß. Davon abgewandelt soll der Name das System beschreiben, das unsere Gesellschaft in den Abgrund führt. The Tao Jones Index: Unter diesem Pseudonym veröffentlichte David Bowie eine Limited Edition Single des Songs „Pallas Athena“. Es ist ein Wortspiel mit  seinem Geburtsnamen David Jones, dem damals aufsehenerregenden Börsen-Deal mit seinem Backkatalog und seinem Hang zu Spiritualität und der Philosophie des Taoismus. U2: U2 war ein Spionage-Flugzeug der USA. Bono wählte den Namen, weil er ausgesprochen „you too“ („auch du“) heißt. The White Stripes: Nach einem Pefferminz-Bonbon, weil der Name Kindlichkeit und Unschuld symbolisiert. Wesentlich origineller als The Upholsterers (Die Polsterer), wie Jack White seine erste Band genannt hatte, weil er sich damals seine Brötchen noch als Polsterer verdienen musste. Erotik ist unerschöpfliches Thema für Bandnamen – einem, dem man edel und derb begegnen  kann. Mit dem Umweg über die Literatur machte es Lou Reed, der seine   Velvet Underground nach  einem Buch von Michael Leigh über sexuelle Perversitäten benannte. Aber auch  Steely Dan, die sich den Namen des Dildos aus der William Burroughs Novelle „Naked Lunch“ borgten,  den offensichtlich auch unsere Kärntner  Band gelesen hat. Derb gingen es  die US-Punkband The Butthole Surfers   an, oder Stefan Raab, der 2005   mit dem Komiker Rick Kavanian das Musikprojekt  Dicks On Fire gegründet hatte.  Vergleichsweise zahm benannten sich dagegen  The Nipple Erectors, die erste Band von Pogues-Boss Shane McGowan und  Scissor Sisters (ein Begriff der eine lesbische Sex-Stellung bezeichnet). Und dass eine US-Punkband gerne Gay For Johnny Depp geworden wäre, kann man verstehen. In der Küche waren  bei der Namensgebung  wohl  die Margarine-Hasser We Butter The Bread With Butter, die Kaiserschmarren-Fans Hot Cut-Up Pancake und die Grünzeug-Liebhaber Ultimate Spinach. Von Obst als potenziellem Namensspender haben sich nicht nur  Die Goldenen Zitronen inspirieren lassen.    Apples In Stereo sind eine amerikanische Indie-Rock Band, Bananarama eine britische Girlband. Und  die Deutschen Bananafishbones haben sich nach dem Roman „A Perfect Day For Bananafisch“ von Jerome D. Salinger getauft.

(KURIER) Erstellt am
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