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05.12.2011

Der Wiener Money Boy ist YouTube-Star

Innerhalb von nur zwei Monaten sind die unfreiwillig komischen Songs von Money Boy zu YouTube-Hits avanciert. Auch Sido ist ein Fan des Wiener Rappers.

Der Neo-Rapper Money Boy hat im Sommer 2010 begonnen zu rappen und ist ein paar Monate später schon das neue YouTube-Wonder. Mehr als 1,5 Millionen Mal wurde sein amateurhafter, aber witziger Song "Dreh den Swag auf" bereits angeklickt. RTL will Interviews vom Rapper mit dem Plastikschmuck, der auf Ami-HipHopper macht, auch bei MTV Home war er schon zu Gast und am 10. Dezember tritt er im Wiener Volksgarten auf.

Sogar Rapper Sido stattete Money Boy einen Besuch ab, um den Wiener "Swagger" (die Bedeutung des Begriffs erklärt Money Boy in der letzten Frage) persönlich kennen zu lernen und nachzufragen, ob Money Boy es mit seinem etwas befremdlich wirkenden Proll-Gehabe und seiner Musik wirklich ernst meint.

Während böse Zungen alles für einen "riesigen Schwindel" halten, erschien der "Geldjunge" im KURIER.at-Interview erstaunlich "real"...

KURIER.at: Dein Song "Dreh den Swag auf" (Video links), der erst seit 6. Oktober auf YouTube zu sehen ist, wurde bereits unglaubliche 1,5 Millionen Mal angeklickt. Wie kannst du dir das erklären?
Money Boy: Gute Frage. Money Boy gibt es erst seit diesem Sommer, da habe ich angefangen Lieder aufzunehmen und die im Internet zu promoten. Ich wollte im kleinen Rahmen anfangen und dann langsam an meiner Popularität arbeiten. Aber alles ging viel schneller, als ich je gedacht hätte.

Schon nach kürzester Zeit, innerhalb von zwei Wochen nachdem ich mein erstes Mix-Tape zum Download auf meiner Homepage veröffentlicht habe, hat das Ganze in der deutschen Rap-Szene sehr viel Aufmerksamkeit bekommen.

Ein wichtiger Teil für den Erfolg waren auch meine Videobotschaften, in denen die Leute mich abseits der Musik kennengelernt haben. Ich habe jede Woche ein Video auf YouTube gestellt. In denen ich erzähle was es Neues von mir gibt und so weiter. Für das Video "Dreh den Swag auf" gab es dann noch viel mehr Klicks. Da hab ich mich an den US-Rap-Videos orientiert, mit fetten Autos, und viel Luxus und umgesetzt was eben machbar war.


Wie bist du zum Rap gekommen?

Mit 14 hab ich angefangen Rap zu hören. Auf Englisch habe ich dann versucht Texte zu reimen, hobbymäßig hab ich immer gerappt, aber nicht so, dass ich was veröffentlicht hätte. Ich bin mittlerweile 29, viele glauben mir das gar nicht, weil ich viel jünger aussehe. Aber ich habe alle Strömungen im HipHop mitbekommen habe ein gutes Gespür dafür entwickelt, was coole Trends sind.

Billigschmuck und Lil Wayne

Gibt es Vorbilder?
In den USA habe ich coole Rapper wie Lil Wayne verfolgt. Das ist der "Überrapper" in den USA, der Trends gesetzt hat. Aber auch Kanye West, der schon seit ein paar Jahren im Game ist. Es ist noch so viel möglich im Rap, bei uns wird das überhaupt noch nicht ausgeschöpft.

Würdest du dich also mit diesen Rappern vergleichen?
Ja, ich würde mich schon mit ihnen vergleichen und kann mich mit ihnen identifizieren. Allein vom Rap-Ding her und vom Swag her. Ich rede ja immer vom Swag. Wenn ich die mal persönlich treffen würde, könnten wir sicher auf einer Wellenlänge viben. Die sind auch mit HipHop aufgewachsen. Ich glaube die haben sich gar nicht so anders entwickelt als ich. Die haben die gleichen Sachen gehört, die gleiche Kleidung getragen. Nur sind die in den USA und ich eben hier.

Bevor du Money Boy geworden bist, hast du da auch schon solche Klunker getragen und dich so gekleidet bzw. verkleidet wie jetzt?
Nein, das nicht. Ich war schon immer ein Fan von der HipHop-Fashion, die sich ja auch verändert hat. Ich bin auch schon immer ein Fan von den großen Ketten und Diamanten in den Videos gewesen, die man sich zwar nicht leisten kann, aber es gibt ja sehr gute Imitate.

Ist dein Schmuck echt, den du gerade trägst?
Wenn das echte Diamanten wären, wären diese Ohrstecker schon sehr teuer. Mein Schmuck ist schon echt, es sind halt nur keine echten Diamanten, sondern eben ein anderes Material. Jeder weiß, dass es Modeschmuck ist, aber es ist trotzdem schön und kann stylisch sein. Mein Gucci-Tuch im Video ist aber schon ein Original.

Dass du auf BMWs und Gucci stehst, sieht und hört man ja in deinen Songs und Videos. Sind dir diese materiellen Dinge wichtig?
Es gibt viele Dinge die mir wichtiger sind, aber wenn es um Unterhaltung geht, die ich mit meiner Rapmusik mache und wenn es darum geht, coole Bilder zu zeichnen und den Leuten einen Lifestyle in meiner Musik vorzuleben, dann erwähne ich solche Sachen. Ich finde es schon echt cool einen BMW zu fahren und ein luxuriöses Leben zu führen. Das finden viele andere auch cool.

Sido und Eko unterstützen Money Boy

Du bist in Deutschland anscheinend bekannter als in Österreich, viele wissen gar nicht, dass du aus Wien kommst und denken du bist Deutscher.
Deutschrap spielt sich eben hauptsächlich in Deutschland ab. Und durch das Internet gibt es auch keine Grenzen mehr. Ob ich in Wien oder ein paar hundert Kilometer weiter weg wohne, das spielt eigentlich keine Rolle für die Leute, die meine Videos auf YouTube gucken. Viele Deutsche wissen eben gar nicht, dass ich aus Österreich komme, weil ich ja auch nicht auf Mundart rappe.

Wie sind die Rapper Sido und Eko auf dich aufmerksam geworden? Die reden ja ziemlich viel über dich.
Der Hype ist ja jetzt erst so riesig geworden. Gestern war zum Beispiel ein TV-Team da und hat mich begleitet, ich bin bei MTV Home in Berlin gewesen, es gibt jeden Tag neue Anfragen. Jetzt ist ein Mainstream-Interesse da, davor war das nur in der HipHop-Szene der Fall. Die Rapper schauen ja auch alle auf diverse HipHop-Seiten und wollen wissen, was es für neuen Stuff gibt. Ich wurde auf allen Seiten gepostet und das sieht natürlich ein Eko und ein Sido. Eko hat mich über Twitter kontaktiert und in einem Interview gesagt, er feiert mich, weil Money Boy ihm wieder richtig Bock auf's Rappen gemacht hat. Er ist mittlerweile schon fast sowas wie ein guter Kumpel geworden. Er gibt mir Tipps und so.

Und bei Sido wars so, dass er wegen der Sendung "Helden von Morgen" in Österreich war und mich angeschrieben hat, wo der Swag heute abgeht. Wir haben uns dann im Prater getroffen und er war echt super-nett und interessiert an der ganzen Sache.

Er wollte durch das Treffen mit dir erfahren, ob du, deine Musik und dein Styling ernst meinst, oder nicht?
Ja, mittlerweile wissen die Leute das aber, weil ich schon einige Interviews gegeben habe. Das hat ein bisschen Zeit gebraucht. Aber ich will nicht alles erklären, wie ich was meine, die sollen sich das alles von mir anschauen oder mich treffen und dann verstehen das die Leute.

Meint der Typ das wirklich ernst?

Viele waren im Hinblick auf die Ernsthaftigkeit deiner Musik und deiner Person sehr verunsichert, weil doch einige der Meinung sind, dass deine Songs richtig schlecht sind.
Es gibt immer Leute die etwas schlecht finden, selbst über Lil Wayne denken manche, er sei der schlechteste Rapper überhaupt. Aber die Kritik kann mir insofern nichts anhaben, weil ich weiß, dass es auch bei den besten Musikern Kritiker gibt. Wenn es um technische Details geht, dann lasse ich das schon zu. Ich hab ja die meisten Sachen nur einmal aufgenommen, ohne sie hinterher noch zu mischen oder so und trotzdem habe ich so viele Leute erreicht.

Ja gerade deswegen wahrscheinlich, oder?
Kann natürlich auch zum Teil sein, aber das würde ich nicht überbewerten. Es gab auch bessere Tracks, die die Leute auch gefeiert haben. Der Erfolg liegt glaube ich an den guten Instrumentals, die ich ausgesucht habe, an den unterhaltenden Texten und an meinem Charme, der in den Texten rüberkommt.

Was hältst du von Dialekt-Rappern wie Lukas Plöchl von "Helden von Morgen", der mit "Oida Taunz!" gerade in den Charts ist?
Das ist ein krasser Ohrwurm, ich hab mich schon öfter dabei ertappt, dass ich die Hook davon rappe. Gefällt mir gut, den Track finde ich echt dope.

Für dich würde Mundart-Rap nicht in Frage kommen?
Ich spreche nicht im Wiener Dialekt oder sonst einen und ich möchte möglichst viele Leute erreichen. Aber es gibt einige gute Dialekt-Rapper.

Und was ist jetzt eigentlich der Swag?!

Ich sage ich immer: hört euch meine Musik an und lasst euch vom Swag anstecken. Mir hat auch niemand beigebracht was der Swag ist, ich hab es selbst entdecken müssen. Das Wort gibt es in US-Raps, im Deutschrap wird es aber überhaupt nicht verwendet. Ich war der Erste, der dieses Wort in den deutschen Rap gebracht hat.

Swag ist ein souveränes, cooles Auftreten, das man Spaß an der Sache hat, die man macht, sich wohl in seiner Haut fühlt, ganz egal was andere über dich denken und das man positive Vibes ausstrahlt. Für jeden Hater gibt es drei Leute die einen bestätigen und sich deine Dinge gerne anhören. Auf den Punkt gebracht ist der Swag eine Aura um eine Person, eine Aura von positiven Vibes.

Money Boy kann man am 10. Dezember in der Wiener Diskothek Volksgarten live bewundern.