© Harald Hoffmann

Buzz
12/05/2011

CD der Woche: Oldies mit einem Augenzwinkern

Keine Angst vor schwachen Stunden! Den Soundtrack dazu liefern Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys.

von Werner Rosenberger

Ulrich Tukur meldet sich am Telefon im Hamburger Hotel Maritim, witzelt im KURIER-Gespräch auf Wienerisch: "Hallo, Hotel Sacher ... Portier!" Wir sind sofort auf derselben Wellenlänge. Und obendrein derselbe Jahrgang. 1957. "Sie haben am 20. April Geburtstag? Ich bin am selben Tag wie Mussolini geboren", sagt der Film-Star, der gerade als Hitlers General Erwin Rommel vor der Kamera steht.

Auf seiner CD "Musik für schwache Stunden" (Trocadero) zelebriert Tukur Oldies but Goldies, neue und alte Lieder. Nach schrägen Platten und den Alben "Wunderbar, dabei zu sein" (2001), "Morphium" (2003) und "Mezzanotte - Lieder der Nacht" (2010) sollte es "wieder etwas Leichteres sein".

Was ist Tukur - singender Schauspieler oder schauspielender Sänger? "Ein leidenschaftlicher Musikant. Mit der Musik fing alles an. Erst über sie kam ich zum Theater. Musik macht mir mehr Spaß als die Schauspielerei. Aber ich beherrsche die Bühnenkunst besser als die Musik, in der ich ein gehobener Dilettant bin."

Greta Keller

Mit der ältesten Boy Group der Welt, den "Rhythmus Boys", ist er seit 1995 unterwegs. Vorbild war diesmal das Klangbild einer Greta-Keller-Platte der 50er- Jahre.
Tukur: "Wir standen alle rund um ein altes Röhrenmikrofon, damit dieser warme, analoge Klang entsteht."

Die Songs sind durchwegs Eisbrecher. Leicht, unterhaltsam, mitunter mit dunklem Grundton. Elegant schmalzt und schmeichelt's aus der Box: "Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt", von Peter Kreuder und Gunther Schwenn in den 1930er-Jahren für Greta Keller geschrieben, später auch von Hildegard Knef interpretiert.

Evergreens

Ohrenfutter für "schwache Momente, in denen man einfach nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll", so Tukur, sind auch Lieder wie "Liebling, was wird nun aus uns beiden", "Drei rote Rosen", "Über den Dächern der großen Stadt" und Ralph Benatzkys "Ich steh im Regen". "Stasera pago io" besingt die Trauer um einen geliebten Menschen.

Domenico Modugno ist für Tukur "ein großartiger Poet des italienischen Chansons, von dem die meisten leider nur ,Volare' kennen." Besonders berührend: Modugnos "Meraviglioso" über den versuchten Selbstmord eines Mannes, der nächtens auf einer Brücke steht und nicht mehr weiterweiß. Als er sich ins Wasser stürzen will, tippt ihm jemand von hinten auf die Schulter.
Er erkennt einen Engel in Gestalt eines Passanten. "Bist du wahnsinnig", sagt der, "siehst du denn nicht, wie schön diese Welt ist, wie herrlich dieses Leben? Alles ist doch nur für dich gemacht!"

KURIER-Wertung: ***** von *****

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