Casper: Rap auf den Spuren von Morrissey

Benjamin Griffey heißt Casper, weil er blass wie der Geist ist
Foto: Four Music

Newcomer Casper bringt mit emotionalen Texten frischen Wind in die deutsche Hip-Hop-Szene

Bis er elf Jahre alt war, sprach Benjamin "Casper" Griffey kein Wort Deutsch. Dass der Spross einer amerikanisch-deutschen Ehe mit seinem Album "XOXO" trotzdem gerade als Rettung des Deutsch-Rap gefeiert wird, hat er der Hartnäckigkeit seiner Mutter zu verdanken.

"Mein Vater ist Afro-Amerikaner. Wir haben, bis ich elf war, in Augusta/Georgia gelebt und immer nur Englisch gesprochen", erzählt der 28-Jährige im KURIER-Interview. "Als die Ehe aber in die Brüche ging, wollte meine Mutter weg und ganz schnell zurück nach Deutschland, weshalb wir uns sprachlich nicht vorbereiten konnten. Aber sie hat das sehr rigoros gemacht: Ab dem Zeitpunkt, als wir in Frankfurt gelandet sind, hat sie nur mehr Deutsch mit mir gesprochen."

Deshalb hat sich keine Spur US-Akzent in Caspers Deutsch festgesetzt. Deshalb kann er jetzt mit seinen Worten emotionale Bilder malen und dafür als Gegenentwurf zum Gangsta-Rap, als "EmoRapper", gehandelt werden.

Ein "bisschen doof" findet er diesen Begriff schon. Aber: "So bezeichnen sie mich nur in der Hip-Hop-Szene, weil es da so unüblich ist, sehr ausufernd über sein Innenleben zu schreiben. Aber ich persönlich halte ich Platten und Songs für einen Dialog und es deshalb für falsch, dass man über alles mögliche rappt, nur nicht über sich und das, was einen bewegt."

Melancholie

Die Kritik der Szene, dass sein Stil gar nicht mehr Rap ist, kann Casper aber nachvollziehen: "Ich weiß ja selbst nicht, wie ich meinen Stil bezeichnen soll. Rap ist es, weil ich durchgehend rappe. Aber natürlich bin ich im musikalischen Unterbau stark von Idolen wie Morrissey und The Smiths, Echo & The Bunnymen und Joy Division beeinflusst, die alle ähnliche Texte und diese neue Melancholie hatten."

Allerdings, beeilt sich Casper dazuzusagen, war Rap seine erste musikalische Liebe. "In Augusta gab es zwar keine Szene, aber weil mein Vater Afro-Amerikaner ist, lief bei uns selbstverständlich nur Hip-Hop. Ich hab auch schon als Siebenjähriger erste Raps geschrieben und sie Freunden vorgetragen. Das steckt mir schon im Blut."

Rapper zu werden, war für den ehemaligen Pädagogik-Studenten trotzdem nur der letzte Ausweg: "Ich habe meine Mutter angefleht, dass sie mir eine Gitarre oder einen Bass kauft. Weil ich aber so ein sprunghaftes Kind war, meinte sie: ,Ich gebe nicht 800 Mark für eine Gitarre aus, die du nach einer Woche in der Ecke stehen lässt.' Wenn du aber unbedingt Musik machen willst, aber weder ein Instrument noch singen kannst, bleibt dir halt nur das Rappen."

Edgar Allan Poe und Dirk Bernemann

So ist es jetzt Caspers größte Ambition, "die krassesten" Texte zu schreiben. Die Vorbilder dafür findet er auch in der Literatur. Er liebt die mystisch-bedrohliche Stimmung der Werke von Edgar Allan Poe und ganz besonders die detaillierten Beschreibungen von Dirk Bernemann. "Der erzeugt damit so eine wahnsinnig dichte Atmosphäre, dass man sich sofort wie mitten in der Szene fühlt. So was will ich auch mit meinen Songs schaffen."

INFO
Casper live: 22. Oktober Szene Wien
16. Dezember PPC Graz

(KURIER) Erstellt am
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