Syrien nach 14 Jahren Krieg: CARE hilft 580.000 Menschen beim Neustart
14 Jahre Krieg haben Zerstörung und Not hinterlassen: Wohngebiete und lebenswichtige Infrastruktur liegen in Trümmern, der Zugang zur Grundversorgung ist vielerorts eingeschränkt, eine schwere Wirtschaftskrise und anhaltende Sicherheitsrisiken belasten den Alltag vieler Familien. Syrien zählt damit weiterhin zu den größten humanitären Krisen der Welt. Neunzig Prozent der Bevölkerung leben in Armut, sechs von zehn Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Gleichzeitig ist mit dem Ende des Assad-Regimes Bewegung in das Land gekommen: Über eine Million Syrer:innen sind aus dem Ausland zurückgekehrt, weitere zwei Millionen Binnenvertriebene leben wieder an ihren Herkunftsorten. Jene in Syrien, denen eine Rückkehr aufgrund zerstörter Wohnhäuser, fehlender Lebensgrundlagen oder anhaltender Unsicherheit derzeit nicht möglich ist – darunter mehrheitlich Frauen und Kinder –, leben weiterhin in Camps und informellen Unterkünften.
„Hilfe wichtiger denn je“
Fatma* lebt seit elf Jahren mit ihrer Familie in einem informellen Camp in Ar-Raqqa im Norden Syriens. Der Krieg hat ihr viel genommen: das Leben ihres Sohnes, ihrer Schwiegertochter und ihrer Enkelkinder, ihr Haus und ihre Viehzucht. „Alles hat sich verändert“, sagt Fatma. Neben dem Verlust kämpft sie mit gesundheitlichen Beschwerden, die ihre Beweglichkeit einschränken. Arztbesuche sind im Camp jedoch schwer zugänglich und für viele nicht leistbar.
Im Rahmen eines von der Europäischen Union finanzierten Projekts unterstützt CARE die Bewohner:innen im Camp mit Bargeldhilfe, damit sie ihre dringendsten Bedürfnisse decken können. Gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation Shafak sorgt CARE zudem für Hygieneversorgung und Abfallmanagement. Auch Fatma erhielt Bargeld und konnte damit einen Arzt aufsuchen sowie einen Teil ihrer medizinischen Kosten decken.
„Nach über einem Jahrzehnt Krieg versuchen Familien in Syrien ihr Leben neu aufzubauen. Vielen fehlt es aber an den grundlegendsten Voraussetzungen dafür: Sie haben oft keine sichere Unterkunft, keine Arbeit, keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung oder Bildung“, sagt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich. „Jetzt ist das Engagement der internationalen Gemeinschaft wichtiger denn je. Neben Nothilfe braucht es echte Perspektiven für Menschen in Syrien. CARE ist dank der finanziellen Unterstützung der Europäischen Union seit vielen Jahren vor Ort im Einsatz und begleitet Familien auf dem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft.“
Ein Neuanfang: Stärkung von Kleinunternehmen
Auch im Norden Aleppos ist die Zerstörung durch den Krieg allgegenwärtig. Familien sehen sich mit steigenden Lebenshaltungskosten und kaum vorhandenen Einkommensquellen konfrontiert. Hier setzt das Projekt von CARE an: Frauen und Männer erhalten Schulungen, Mentoring und Startkapital, um kleine Unternehmen aufzubauen und ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften.
Eine der Projektteilnehmer:innen ist Um Mohammad*. „Wir lebten in sehr schwierigen finanziellen Verhältnissen. Jeden Tag fragten wir uns: Wie sollen wir den nächsten Tag überstehen?“, erinnert sich die mehrfache Mutter und Bäckerin. Über CARE und Shafak absolvierte Um Mohammad eine Schulung, in der sie Grundlagen zu Unternehmertum, Marketing, Preisgestaltung und Lebensmittelhygiene lernte. „Als ich zum ersten Mal den Begriff ‚Businessplan‘ hörte, war mir das zu groß“, sagt sie. „Aber Schritt für Schritt erkannte ich: Ich bin dazu fähig.“
Mit dem erhaltenen Startkapital kaufte sie Geräte und Zutaten. Heute stellt sie traditionelle Gebäcksorten und Süßigkeiten her, die sie in der Nachbarschaft und über lokale Social-Media-Gruppen vermarktet. „Dieses Projekt hat eine echte Veränderung in meinem Leben bewirkt“, sagt sie. „Ich habe angefangen, wie eine Unternehmerin zu denken. Ich berechne Kosten und Gewinne, beobachte den Markt und frage meine Kundschaft, welche Produkte sie bevorzugt.“
So hilft CARE: Seit 2013 arbeitet CARE gemeinsam mit Partnerorganisationen in Syrien – seit zehn Jahren mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union. Im Norden Syriens leistet CARE Nothilfe und fördert den Wiederaufbau von Existenzen durch Schulungen und Startkapital für Kleinunternehmer:innen. Ein wesentlicher Teil des Projekts umfasst auch die verbesserte Wasser- und Sanitärversorgung sowie das Abwassermanagement in den Gemeinden. CARE baut und saniert Brunnen, Toiletten und Handwaschstationen. Außerdem erhalten Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen oder bedroht sind, Schutz und Unterstützung, u.a. durch mobile Hilfsangebote, psychosoziale Beratung sowie finanzielle Unterstützung. Ergänzend richten sich Aufklärungskampagnen an Männer und Buben, um Gewalt vorzubeugen.
Insgesamt profitieren von dem Projekt mehr als 580.000 Menschen, die Mehrheit davon sind Frauen.
*Namen zum Schutz der Person geändert.
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