Wissen/Gesundheit

Leber auf der falschen Seite: Anomalie rettete Arzt das Leben

Eine Anomalie dürfte dem 64-jährigen Oberarzt das Leben gerettet haben: Seine Leber liegt laut KURIER-Informationen  auf der linken statt auf der rechten Körperseite. Dadurch wurde sie beim Angriff  nicht getroffen. Gefährlich an einem Leberstich: Eine Blutung ist im schwammartigen Organ ist in der Akutsituation schwer zu stoppen.

Seitenverkehrt im Körper angeordnete Organe kommen zwar selten, aber immer wieder vor: Einer von 10.000 bis 25.000 Menschen ist davon betroffen. Mediziner sprechen dann  von Situs inversus (lat. für „umgekehrte Lage“). Die falsche Anordnung kann alle asymmetrischen Organe betreffen, sagt Wolfgang Weniger, Leiter der Abteilung für Anatomie an der MedUni Wien. „Beim totalen Situs inversus, bei dem sämtliche Organe in Bauch und Brustkorb spiegelverkehrt angeordnet sind kommt es kaum zu gesundheitlichen Problemen. Es gibt es aber auch viele Fälle, wo nur einzelne Organe nicht richtig positioniert sind.“

Viele Varianten möglich

Die Varianten, die dabei auftreten können, sind vielfältig. So können Organe des Verdauungstrakts  komplett spiegelverkehrt angeordnet sein, etwa die Leber auf der linken Körperseite (statt rechts), der Magen rechts (statt links) usw. während etwa das Herz ganz normal links liegt.  Weninger: „Wenn zum Beispiel Bauchspeicheldrüse und Zwölffingerdarm falsch positioniert aber normal geformt sind, ist ihre Funktion nicht eingeschränkt.“

Herz: Schwere Defekte

Sind jedoch Organe wie das Herz betroffen, geht die abnormale Position oft mit zum Teil schweren und potentiell tödlichen Defekten einher. „Entscheidend ist, in welcher Phase der embryonalen Entwicklung ein Situs inversus angelegt wird und welche genetischen Faktoren dafür verantwortlich sind“, betont Weninger. Bereits in den ersten Wochen einer Schwangerschaft erfolgt die Definition der linken und rechten Körperseite und die Seitenpositionierung der sich entwickelnden Organe. Dies und die nachfolgenden Entwicklungsveränderungen sind genetisch gesteuert und können fehlgeleitet werden. 

 

„Das Herz beispielsweise entwickelt sich als Schlauch, der sich dann statt nach rechts nach links wölbt.“ Die Folge: Das Herz entwickelt sich auf der rechten Körperseite, statt links – es kann aber ganz normal funktionieren. Es kann allerdings, je nach zugrundeliegendem Gendefekt zusätzlich zu abnormalen Entwicklungsschritten und dadurch zu schweren Herzdefekten kommen.

Operation

Durch die heute üblichen Untersuchungen in der Schwangerschaft können viele Fehlentwicklungen bereits früh diagnostiziert werden. „Die meisten sind bereits im pränatalen Ultraschall gut erkennbar. Im Normalfall kann man daher eine nötige nachgeburtliche Betreuung gut planen. Das kann auch eine Operation sein“, sagt Anatomie-Experte Weninger.

Oft fallen die spiegelverkehrt angeordneten Organe ein Leben lang nicht auf und führen zu keinen Beeinträchtigungen. „Wir hatten 80- und 90-jährige Patienten, bei denen ein Situs inversus erst bei der anatomischen Sektion festgestellt wurde.“