Radiologin übersah TBC bei Häftling

Nun müsssen 50 Beamte zum Lungenröntgen.
Eine Ärztin betrachtet eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs.

Ansteckungsgefahr in der Justizanstalt Wien-Josefstadt: Bei einem Häftling wurde laut Gratiszeitung heute TBC übersehen, er hat zumindest einen Mitgefangenen infiziert, nun wird großräumig nach weiteren Gefährdeten gesucht.

Im August 2012 war ein Neuzugang routinemäßig beim Lungenröntgen gewesen, ohne Befund. Nach seinem Prozess wurde er Anfang März nach Sonnberg verlegt und dort neuerlich untersucht: Verdacht auf TBC. Er kam sofort auf die Außenstelle für Lungenkranke Wilhelmshöhe. Primarius Friedrich Knechtel begann das Umfeld des Häftlings zu durchforsten, wo er sich angesteckt haben könnte, und wurde fündig: Im September 2012 war ein Häftling in der Josefstadt aufgenommen worden, bei seinem Lungenröntgen hatte die Radiologin erste Anzeichen auf TBC-Verdacht übersehen. Eine Nachbefundung durch Knechtel ergab: offene Tuberkulose. Auch dieser Häftling übersiedelte auf die Wilhelmshöhe.

Erfahrung

Knechtel sagt zum KURIER, in dem frühen Stadium könne man das übersehen. Er ist Lungenfacharzt und hat mehr Erfahrung. „Wäre das gleich richtig befundet worden, hätte es keine Ansteckung gegeben.“ Aber bei 10.000 Lungenröntgen pro Jahr (!) in der Justizanstalt Josefstadt könne er nicht jedes einzelne überprüfen.
Die Lehre daraus: Bei kleinsten Auffälligkeiten muss die Radiologin den Wilhelmshöhe-Chefarzt beiziehen. 50 Justizwachebeamte und 30 Häftlinge, die mit dem TBC-Überträger Kontakt hatten, müssen nun zum Lungenröntgen. Bisher wurde kein weiterer Ansteckungsfall entdeckt. Die beiden kranken Häftlinge bekommen eine Antibiotika-Behandlung und dürfen ihre Einzelzellen nur mit Mundmaske verlassen.

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