Versorgungssicherheit: Österreich ist in vielen Bereichen Vorreiter
Bei Windkraft ist Österreich international ein großer Player.
Eine konstante und stetige Versorgung mit Energie und Wasser, aber auch die Entsorgung von Abfällen, ist die Basis für den gesellschaftlichen Alltag und wirtschaftliche Stabilität. Krisen wie jene rund um Erdgas in den vergangenen vier Jahren oder die aktuellen Sorgen um Treibstoffpreise wegen des Iran-Kriegs zeigen jedoch auf, dass Versorgungssicherheit nicht als selbstverständlich betrachtet werden sollte. Österreichs Infrastruktur steht aber auf stabilen Beinen und zahlreiche heimische Unternehmen können mit ihrer Expertise zu dem Thema rund um den Globus punkten.
Strom
Besonders deutlich sieht man das im Bereich Strom. "Österreichs Stromversorgung ist sehr sicher", sagt Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. "Wir haben eine sehr hohe Eigenerzeugungsquote und eine hohe Quote an Erneuerbarer Energie." Letztere ist nicht nur wegen der Erreichung der Klimaziele wichtig, sondern auch, weil sie die Abhängigkeit von Importen reduziert und die Energiepreise senkt. Neben Verfügbarkeit und Verlässlichkeit ist auch Leistbarkeit eine der zentralen Dimensionen der Versorgungssicherheit.
Ein großer Vorteil Österreichs bei Strom ist die leistungsfähige Verbindung zu allen Nachbarstaaten. Bei Bedarf könne das Land laut Angerer sehr viel Strom importieren, aber auch exportieren. Bei der Preisbildung kann das hie und da auch ein Nachteil sein, "etwa wenn billiger Strom aus Österreich abgekauft wird."
Weltweit vertreten
Gerade bei Technologien für die Energiewende gibt es einige Weltmarktführer aus Österreich. Andritz exportiert seine Technologien für Wasserkraftwerke in alle Welt. Transformatoren und Generatoren aus Weiz von Siemens Energy und ELIN Motoren stecken in vielen Windkraftanlagen, genauso wie Kugel- und Gleitlager von SKF oder Miba, Kupplungen von Geislinger oder Steuersysteme von Bachmann Electronic oder Schneider Electric.
"In der Zulieferindustrie bei Windkraft hat Österreich hohe Anteile", sagt Angerer. Bei Photovoltaik hat Österreich mit Fronius einen großen Wechselrichter-Hersteller. Module kämen großteils aus China. "Die Montage einer PV-Anlage spielt bei den Kosten aber eine viel größere Rolle, also auch hier gibt es viel heimische Wertschöpfung."
Mit seiner Expertise für Wasserkraftwerke ist Andritz weltweit gefragt.
Wärme
Im Bereich Wärme spielt die Gasversorgung immer noch eine große Rolle. Nach dem Ausstieg aus russischem Gas sei es aber gelungen, bei Lieferanten stark zu diversifizieren. "Diversität bedeutet immer auch mehr Sicherheit", so Angerer. Die Versorgungssicherheit bei Erdgas sei gegeben. Österreich habe auch den Vorteil riesiger unterirdischer Gasspeicher. Der Preis sei durch geopolitische Konflikte wie den aktuellen Iran-Krieg aber nicht kalkulierbar.
Der Umstieg auf alternative Technologien für Heizung und Warmwasseraufbereitung schreitet aber rasch voran. Mit Ökofen hat Österreich den Weltmarktführer bei Pelletsheizungen. Bei Wärmepumpen ist Ochsner ein großer Player. Dazu kommen Unternehmen wie Syncraft, die international Biomassekraftwerke errichten.
Wasser
Bei Wasser sei Österreich "in der glücklichen Lage, grundsätzlich viel davon zu haben", sagt Daniel Resch, Geschäftsführer des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbands (ÖWAV). Das bedeute aber nicht, damit verschwenderisch umgehen zu können. Durch den Klimawandel komme es dazu, dass einige Regionen phasenweise an Wasserknappheit leiden. Darauf werde auch reagiert, etwa indem Trinkwasserregionen zusammengeschaltet werden.
An vielen Orten sei ein großes Umdenken notwendig. Während früher der Fokus darauf lag, Niederschläge möglichst schnell abzuleiten, müsse Wasser verstärkt vor Ort zur Versickerung gebracht und gespeichert werden. Die heimische Wasserwirtschaft sei laut Resch sehr kleinteilig strukturiert. Es gibt aber auch international erfolgreiche Unternehmen wie den Rohrhersteller Pipelife, den Beregnungstechnik-Spezialisten Bauer, den Wassernetzausrüster Hawle oder den Wasseraufbereiter BWT.
Recycling
Zur Versorgung gehört in gewissem Sinn auch die Entsorgung. Auch hier ist Österreich gut aufgestellt, sagt Resch. Kreislaufwirtschaft, bei der Rohstoffe gesammelt und wiederverwertet werden, sei in Österreich schon lange gelebte Praxis. Das Land liegt europaweit unter den Top 3, wenn es um Patente im Umweltbereich geht. Heimische Recyclingunternehmen wie ARA, Saubermacher oder Brantner zählen zu den weltweit innovativsten in ihrer Branche. Auch heimische Forschungsinstitute finden international viel Beachtung.
In Zukunft wird Recycling noch viel wichtiger werden, es sei auch noch viel zu tun. "Wir müssen Produkte anders entwickeln." Ein Beispiel seien Textilien, die derzeit noch meist aus Verbundmaterialien bestehen. Sie können nicht sortenrein getrennt und so wiederverwertet werden. Hier Verbesserungen zu erzielen, sei laut Resch "die Aufgabe vieler Sektoren, nicht nur der Abfallwirtschaft."
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