Stronach im Fußball: "Hire and Fire"
Mit großen Zielen war Frank Stronach angetreten. Österreich an die Spitze zu bringen war sein Vorhaben. Als der Milliardär das Feld wieder verließ, blieb wenig, worauf man aufbauen konnte. Die Rede ist vom Fußball, in den der unberechenbare Milliardär zwischen 1998 und 2011 geschätzt fast 200 Mio. Euro und damit noch deutlich mehr als in seine Partei gesteckt hat. Nicht wenige sehen darin Parallelen zum aktuellen Stand seiner politischen Ambitionen.
Stronach wollte hoch hinaus mit dem österreichischen Fußball. Sein Motto: "Wenn du mit den Adlern kreisen willst, kannst du nicht mit den Hühnern pecken." Sinnbildlich dafür stand sein Einstieg hoch über Wien. Von einer Geschäftsreise aus Russland kommend, überflogen Stronach und der ehemalige Verkehrsminister und Bundespräsidentschafts-Kandidat Rudolf Streicher (SPÖ), damals Präsident von Austria Wien, am 22. April 1998 das Wiener Happel-Stadion, in dem Österreich gerade gegen die USA spielte. In der zweiten Spielhälfte saß Stronach schon in der Arena und erlebte die 0:3-Schlappe mit.
Revolutionäre Gedanken
Frei nach seiner Prämisse "Wer das Gold hat, macht die Regeln" wollte sich Stronach aber mit einer Sponsortätigkeit alleine nicht zufriedengeben. Er hegte revolutionären Gedanken zur Neustrukturierung, aber auch skurrile Ideen, etwa eine Junioren-Auswahl (Tiger-Team), mit der er in der Bundesliga mitspielen wollte. Die Gründung einer Nachwuchs-Akademie sowie eine bessere und gemeinsame Vermarktung der Bundesliga über einen Sportwetten- und TV-Kanal waren seine zentralen Punkte, die er der Liga im November 1998 präsentierte. Ab dem Moment einer positiven Absichtserklärung stellte er pro Jahr jedem Klub 10 Mio. Schilling (726.728 Euro) in Aussicht.
Der Austro-Kanadier überzeugte den Großteil der Vereinspräsidenten, schon wenige Wochen später flossen die ersten Stronach-Millionen in diverse Klub-Kassen. Mit Salzburg, Tirol, GAK, Steyr und Admira/Mödling gab es die ersten Einigungen. Am 14. Februar 1999 folgte trotz Bedenken der Spitze des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) die Wahl zum Bundesliga-Präsidenten.
Im Oktober 1999 schloss die Austria mit Stronach eine Grundsatzvereinbarung, die dem Verein 40 Mio. Schilling (2,91 Mio. Euro) pro Jahr garantierte. Zudem wurde ein Betriebsführungsvertrag abgeschlossen, der als wesentlichsten Punkt die Übernahme des Managements der Kampfmannschaft beinhaltet. Zentraler Punkt seiner Pläne war der Bau eines neuen Stadions in Rothneusiedl.
Trainer am Fließband
Ruhe kehrte bei der Austria nicht ein. Als im November 2005 mehrere Austria-Mitglieder einen Misstrauensantrag stellten, kündigte Stronach das Ende des Betriebsführungsvertrags an, der schließlich im Juni 2007 auslief. Die sportliche Bilanz fiel gemessen am finanziellen Aufwand bescheiden aus. Zwei Meistertitel (2003 und 2006) stehen zu Buche, die Qualifikation für die Champions League gelang aber nie - erst im vergangenen Sommer, als die Nachwehen von Stronachs Engagement überwunden waren.
Stronach zog mit seinen Millionen nach Wr. Neustadt weiter. Seine SMI erwarb im Jänner 2008 die Lizenz des finanziell schwer angeschlagenen Zweitligisten Schwanenstadt und zog mit dem Verein nach Wr. Neustadt. 45 km südlich von Wien vollzog sich dieselbe Geschichte wie in der Bundeshauptstadt, allerdings in geringeren Dimensionen. Stronach holte teure Spieler und kündigte den Bau eines neuen Stadions an, das aber nicht gebaut wurde. Nach dem Aufstieg und einem Cup-Finale beendete Stronach im Frühjahr 2011 in Wr. Neustadt sein Engagement.
Verpufft
Danach wurde es ziemlich ruhig um den 81-Jährigen im Fußball. Aktuell unterstützt der Austro-Kanadier Sturm Graz im Nachwuchsbereich sowie mit der Finanzierung von Stürmer Robert Beric. Mitspracherecht, so wurde mehrmals - und auch glaubhaft - versichert, hat Stronach aber nicht.
Viel blieb von Stronachs Engagement nicht. Die unrealistisch hoch gesteckten Ziele konnten nicht erreicht werden, die angekündigten Investitionen in die Infrastruktur (Stadien) erfolgten nicht, die Ausgaben in dreistelliger Millionenhöhe verpufften ohne Nachhaltigkeit.
Mit Ausnahme einer Maßnahme: Stronach war mit seiner Nachwuchsakademie in Hollabrunn Vorreiter, sein Ausbildungszentrum fand viele Nachahmer und wirkt nachhaltig. Aus seiner Akademie ging etwa David Alaba hervor, mit 21 Jahren auch international schon eine Ausnahmeerscheinung. Ob sein Wirken in der Politik auch so ein Talent hervorbringt, muss sich erst zeigen.
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