"Obeme...Obamaj...Obamejang, oder so." Als Pierre-Emerick Aubameyang im Sommer 2013 aus St. Etienne zu Borussia Dortmund wechselte, wurde nicht nur auf Stammtischen und unter Fußball-Fans ein bisschen mehr gestottert als sonst. Auch in Sportredaktionen wollte der - so der erste Eindruck - unaussprechliche Name erstmal einstudiert werden.
Für den Boulevard schien der Gabuner ein gefundenes Fressen zu sein: Schrille Frisuren, mit Swarovski-Steinen besetzte Schuhe, ein neongrüner Aston Martin mit 517 PS, Torjubel mit Spiderman-Maske: So mancher BVB-Fan dürfte 2013 leichte Zweifel gehegt haben, ob ein Paradiesvogel wie Aubameyang, der rein äußerlich auch als Rapper durchgehen könnte, der richtige Mann für den Arbeiter-Klub aus dem Ruhrpott ist. Zwei Jahre später ist der Gabuner Publikumsliebling, die Zweifler sind verstummt.
Rekord-Start
Vollmundig hatte der extrovertierte Angreifer vor der Saison mindestens 20 Tore in der deutschen Bundesliga angekündigt. Und er ließ Taten folgen: In allen sieben Bundesliga-Spielen der noch jungen Saison hat Aubameyang zumindest einmal getroffen. Noch keinem anderen Spieler ist das in 52 Jahren Bundesliga gelungen. Neun Treffer hat er vor dem Top-Spiel gegen Bayern auf dem Konto. Hochgerechnet auf die ganze Saison wären das 44.
Überflügelt wird der Gabuner in der Torschützenliste derzeit nur von seinem Ex-BVB-Kollegen Robert Lewandowski (10 Tore). Wettbewerbsübergreifend hält Aubameyang 2015/16 bei 13 Toren in 13 Spielen.
Was ihm - auch im Vergleich zu Lewandowski - an Talent im Spiel auf engem Raum fehlt, macht er durch ungeheure Explosivität, Schnelligkeit und einen ausgeprägten Torinstinkt wieder wett.
Schon aus der völlig missratenen letzten Klopp-Saison war der Gabuner als der große Sieger hervorgegangen. Mit 16 Toren - um drei mehr als in seiner ersten Spielzeit - war er so etwas wie die Lebensversicherung innerhalb der sonst so schwachen Dortmunder Elf. Der Klub honorierte das mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2020.
"Bayern wird dieses Jahr nicht Meister"
Vollgepumpt mit Selbstvertrauen richtete er jüngst auch eine Kampfansage Richtung München. "Nach drei Meister-Titeln in Folge ist Bayern für die meisten natürlich Favorit. Aber wir wollen ihnen das Leben so schwer wie möglich machen und den vierten Titel verhindern", sagte Aubameyang vor rund zwei Wochen. "Wir haben einen richtig guten Start hingelegt, und die Euphorie ist riesengroß. Ich glaube, Bayern wird dieses Jahr nicht Meister."
Diesen großen Worten kann er schon am Sonntag in München wieder Taten folgen lassen. Beim Klassiker zwischen Bayern und Dortmund (17:30 Uhr), diesmal auch laut Tabellensituation wieder ein echtes Spitzenspiel, wollen die Schwarz-Gelben den bisher makellosen Münchnern die ersten Punkte stehlen.
Stammtisch-Besucher, Fußball-Fans und Journalisten werden im Vorfeld auch über Pierre-Emerick Aubameyang und seinen Startrekord sprechen. Schließlich weiß man mittlerweile auch, wie der Name auszusprechen ist.
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