Lionel Messi zum fünften Mal Weltfußballer

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Foto: APA/AFP/FABRICE COFFRINI Lionel Messi stand einmal mehr im Rampenlicht

Der Argentinier setzt sich gegen Cristiano Ronaldo sowie Neymar durch.

Lionel Messi ist zum bereits fünften Mal als FIFA-Weltfußballer des Jahres ausgezeichnet worden. Der Argentinier setzte sich bei der unter Teamchefs, Nationalteamkapitänen und ausgewählten Journalisten durchgeführten Wahl gegen seinen Erzrivalen Cristiano Ronaldo sowie seinen Barcelona-Klubkollegen Neymar durch. In den vergangenen beiden Jahren hatte jeweils Ronaldo den begehrten Ballon d'Or in Empfang nehmen dürfen.

Jetzt ist aber Lionel Messi endlich wieder in der Form, in der er zwischen 2009 und 2012 vier Mal hintereinander zum Weltfußballer gewählt wurde. Messi war 2015 auf dem Weg zum spanischen Meistertitel mit 43 Treffern bester Torschütze des FC Barcelona und mit zehn Toren und sechs Vorlagen Top-Torjäger der Champions League. Auch diesen Wettbewerb konnte er mit Barça gewinnen, ebenso wie den spanischen Cup, den europäischen Supercup und die Klub-Weltmeisterschaft.

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Eintauschen würde Messi seinen fünften Ballon d'Or aber gerne gegen einen Weltmeistertitel mit Argentinien. "Natürlich wäre ich lieber Weltmeister", sagte er kurz vor der Gala. "Das ist ein Teamerfolg. Das ist immer besser, als individuelle Erfolge." Bei allen seinen drei WM-Starts scheiterte Messi mit Argentinien am deutschen Nationalteam - 2006 und 2010 jeweils im Viertelfinale, 2014 im Finale.

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Genie und finanzieller Einfaltspinsel

So groß seine Persönlichkeit auf dem Platz ist, so klein wird er im Privatleben. Der Vater zweier Söhne legt in seiner Steueraffäre einen alles andere als souveränen Auftritt hin. Der Fußballer hatte bei seiner Vernehmung ausgesagt: „Ich unterschreibe immer, was mir mein Vater hinlegt, ich schaue es mir nicht einmal an.“ Und: „Wenn mein Vater etwas sagt, unterschreibe ich mit geschlossenen Augen.“ Messi und seinem Vater wird zur Last gelegt, in den Jahren 2007, 2008 und 2009 das Finanzamt um 4,1 Millionen Euro an Steuern betrogen zu haben.

Erinnerungslücken

Vater Jorge, ein ehemaliger Fabriksarbeiter, den man nur selten ohne schwarze Sonnenbrille sieht, nahm alle Schuld auf sich. Der Junge, sagte er, habe mit Finanzen nichts zu tun. Aber der Junge wurde vorgeladen. Die Untersuchungsrichterin, die ihn anhörte, schrieb danach einen Bericht über 36 Seiten. „Ich weiß nicht.“ „Davon verstehe ich nichts.“ „Daran erinnere ich mich nicht.“ Diese Antworten gab er nicht bloß ein Mal. Einige Sätze aber hat er ausformuliert: „Ich wusste nur, wie viel ich Ende des Jahres verdiente, doch wo das Geld hinging, wusste ich nicht.“ Der zuständige Ermittlungsrichter in Gava bei Barcelona macht aber nicht nur dem Vater den Prozess, sondern auch dem Sohn. 22 Monate Haft fordert er, in Spanien muss man erst ab 24 ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft wollte überhaupt nur den Vater auf die Anklagebank setzen und das Verfahren gegen den Junior einstellen.

Kriminalität

Der Ermittlungsrichter aber meinte: „Es gibt Indizien von Kriminalität bei beiden Angeklagten.“ Auch die legale Interessenvertretung des Finanzamts wollte den Fußballer anklagen. Sie begründete dies damit, dass Messi nicht verborgen geblieben sein könne, dass er große Teile seiner Einkünfte über Tarnfirmen in Steuerparadiesen erhielt. In einer Firma mit Sitz in Uruguay, die offenbar der Hinterziehung diente, trat Messi junior als einziger Aktionär, Aufsichtsratsvorsitzender und Generaldirektor auf, in Personalunion. Wunderte er sich nie? Nach Erkenntnissen der Ermittler sollen Messi und sein Vater zur Umgehung der spanischen Steuer die Werberechte an ein Netz von Scheinfirmen abgetreten haben. Die Honorare sollen am Finanzamt vorbei in Steuerparadiese wie Uruguay oder Belize geflossen sein. In einem Fall, bei der Abmachung mit Adidas, schien es den Messis irgendwie vorteilhafter, dass das Geld auf ein Konto in der Schweiz überwiesen wurde.

Härtere Gangart

Solche Konstruktionen waren bei Fußballern in Spanien lange Zeit keine Seltenheit, denn die spanischen Finanzämter hatten im Profi-Fußball eine gewisse Großzügigkeit walten lassen: Dies änderte sich vor wenigen Jahren. Angesichts von Krise und Massenarbeitslosigkeit schlugen die Steuerbehörden und die Justiz eine härtere Gangart ein. Die Messis zahlten bald nach, samt Zinsen, 5,1 Millionen Euro insgesamt. Sie hofften, so erledige sich der Fall. Das tat er aber nicht. Daher wurde er von seinen Verteidigern als nicht sonderlich intelligent hingestellt. Sie sagten, der junge Mann spiele zwar ganz genial Fußball, habe aber halt ein „tiefes Bildungsniveau“. Wahrscheinlich stellten sie ihren Klienten für ihre Zwecke dümmer dar, als er in Wahrheit ist.

Die bisherigen Weltfußballer des Jahres der FIFA

1991: Lothar Matthäus (GER)

1992: Marco van Basten (NED)

1993: Roberto Baggio (ITA)

1994: Romario (BRA)

1995: George Weah (LBR)

1996: Ronaldo (BRA)

1997: Ronaldo (BRA)

1998: Zinedine Zidane (FRA)

1999: Rivaldo (BRA)

2000: Zinedine Zidane (FRA)

2001: Luis Figo (POR)

2002: Ronaldo (BRA)

2003: Zinedine Zidane (FRA)

2004: Ronaldinho (BRA)

2005: Ronaldinho (BRA)

2006: Fabio Cannavaro (ITA)

2007: Kaka (BRA)

2008: Cristiano Ronaldo (POR)

2009: Lionel Messi (ARG)

2010: Lionel Messi (ARG)

2011: Lionel Messi (ARG)

2012: Lionel Messi (ARG)

2013: Cristiano Ronaldo (POR)

2014: Cristiano Ronaldo (POR)

2015: Lionel Messi (ARG)

Alle Preisträger der FIFA-Wahl 2015

Spieler

1. Lionel Messi (ARG/FC Barcelona) 41,33 Prozent der Stimmen

2. Cristiano Ronaldo (POR/Real Madrid) 27,76%

3.  Neymar (BRA/FC Barcelona) 7,86%

Spielerin

1. Carli Lloyd (USA) 35,28%

2. Celia Sasic (GER) 12,60%

3.  Aya Miyama (JPN) 9,88%

Trainer

1. Luis Enrique (ESP/FC Barcelona) 31,08%

2. Josep Guardiola (ESP/Bayern) 22,97%

3.  Jorge Sampaoli (ARG/Teamchef Chile) 9,47%

Trainer einer Damenmannschaft

1. Jill Ellis (GBR/US-Nationalteam)

„Puskas-Preis“ (Schönstes Tor)

Wendell Lira (BRA/erzielt am 11. März 2015 für Goianesia gegen Atletico-GO)

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