Uni-Konferenz warnt vor weiterem Abstieg

Uni Wien nur mehr auf Platz 182. Uniko-Präsident Schmidinger: "Budgetmäßig stehenbleiben heißt zurückfallen."

Die Uni Wien fällt im Ranking weiter zurück. Sie dürfen sich über den großartigen Ruf ihrer Uni freuen: Jus-Absolventen der Harvard University in Cambridge, im US-Bundesstaat Massachusetts.

Nichts schönreden, aber auch die Kirche im Dorf lassen" will der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), Heinrich Schmidinger, angesichts der Ergebnisse des "Times Higher Education World University Ranking 2014". Eines sei aber klar, so Schmidinger am Donnerstag mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen über die Uni-Budgets 2016 bis 2018: "Budgetmäßig stehenbleiben heißt zurückfallen."

Beim am Mittwoch veröffentlichten Ranking war die beste heimische Hochschule, die Uni Wien, das dritte Jahr in Folge zurückgefallen und findet sich nun am Ende der Top 200 (Platz 182). Die Uni Linz flog aus den Top 400, alle anderen Unis stagnierten. Bei 20.000 Hochschulen weltweit seien die Top 200 immerhin das beste Prozent, so Schmidinger bei einer Pressekonferenz. "Man kann ein Glas als halbvoll oder halbleer interpretieren."

Schweiz als Vorbild

Natürlich seien auch die Uni-Budgets in Österreich in den vergangenen Jahren gestiegen, das müsse man auch anerkennen, betonte Schmidinger. "Aber wenn man sich ansieht, welche Unis regelmäßig auf den ersten Plätzen zu finden sind, dann sind die in Ländern, wo für Wissenschaft und Forschung mehr Geld aufgewendet wird als bei uns. Diese Relation ist evident. Jede einzelne Elite-Uni in den USA verfügt über so viel Geld wie alle österreichischen Unis zusammen. Und da ließen sich auch Beispiele aus unserer Nachbarschaft heranziehen."

Trotz nominell angestiegener Budgets habe Österreich in den vergangenen Jahren bzw. Jahrzehnten zu wenig in den Hochschulsektor investiert, so Schmidinger: "Diesen Rückstau holt man nur sehr schwer und langsam auf."

Für die anstehenden Budgetverhandlungen heiße das: Wenn die Unis die von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) zuletzt immer wieder genannten zusätzlichen 615 Mio. Euro bekämen, würde man in etwa den Status Quo absichern - "den wir nicht schlechtreden wollen": "Aber gegenüber Ländern, mit denen wir uns vergleichen wollen wie eben Deutschland und die Schweiz, werden wir zurückfallen. Und die Rankings werden bleiben, wie sie sind."

"Muss Besorgnis auslösen"

"Es muss ernsthafte Besorgnis auslösen, dass die Universität Wien mit ihrer starken und prestigereichen Geschichte immer näher in Richtung Ende der Top 200 abrutscht", kommentierte Ranking-Herausgeber Phil Baty. "Es wäre wahrlich ein trauriger Tag für solch eine Institution, aus der globalen Elite herauszufallen, umso mehr als Österreichs weniger prestigeträchtige Einrichtungen zu stagnieren scheinen."

Die anderen österreichischen Unis treten größtenteils auf der Stelle: Die Uni Innsbruck kam wie im Vorjahr auf die Plätzen zwischen 201 und 225 (ab Platz 201 wird nur mehr in 25-er-Gruppen, ab Platz 301 in 50-er-Gruppen gerankt, Anm.), die Technische Uni Wien blieb auf den Rängen 226 bis 250, die Medizin-Uni Wien auf 251 bis 275 und die Uni Graz auf 351 bis 400. Ganz aus den Top 400 verabschiedet hat sich die Uni Linz (2013: 351-400; 2012: 301-350).

Heinz Engl, Rektor der Universität Wien, zeigte sich im Ö1-Morgenjournal wenig überrascht. Für ihn ist es "bedenklich", dass alle österreichischen Unis seit Jahren in allen Rankings absinken. Seine Schlussfolgerung aus dem schlechten Ranking: In Österreich gebe es in vielen Fächern ein Missverhältnis zwischen Studierenden und Lehr- und Forschungspersonal. Engl plädiert für nachhaltige Investitionen.

2005 schafften es die Universitäten in Österreich zumindest noch in die Top 100. In einer Untersuchung der Jiao Tong University Shanghai  erreichte die Uni Wien Platz 85 (von 500).  Auf Platz 1 rangierte damals  die US-Uni Harvard, auf Platz 2 Cambridge (GB), danach Stanford (USA).

International führt Caltech vor Harvard

Auf Platz eins des Rankings landete wie im Vorjahr das California Institute of Technology (Caltech), gefolgt von der Harvard University (beide USA) und der University of Oxford (Großbritannien). Beste kontinentaleuropäische Universität ist erneut die Eidgenössisch-Technische Hochschule (ETH) Zürich auf Platz 13 (2013: 14). Die beste deutsche Hochschule, die Universität München, kletterte von Platz 55 auf 29.

Zu den Aufsteigern des heurigen Rankings zählen die Herausgeber die asiatischen Hochschulen, von denen es heuer 24 in die Top 200 schafften (2013: 20), Deutschland mit Ranggewinnen sowie mittlerweile zwölf Top-200-Plätzen (2013: zehn) sowie die Türkei. Die besten türkischen Unis haben bereits die besten österreichischen überholt: Als beste Einrichtung liegt die Middle East Technical University in Ankara auf Platz 85 (2013: 201-225), die Bogazici University Istanbul kommt auf Rang 139 (2013: 199), die Istanbul Technical University auf Platz 165 (2013: 201-225) und die Sabanci University (erstmals gerankt) in Istanbul ex aequo mit der Uni Wien auf Platz 182.

Reaktion

Uni-Wien-Rektor Engl: Entwicklung bedenklich

Heinz W. Engl, Rektor der UniversitätWien…
Foto: christandl jürg

Der Rektor der Universität Wien, Heinz Engl, sieht die Platzierung seiner Uni als Ergebnis langjähriger Unterfinanzierung. "Ein paar Plätze auf oder ab sind nicht das Problem", so Engl. "Aber wenn man den langjährigen Durchschnitt der Ergebnisse ansieht, ist das bedenklich. Wir verlieren ohne Zusatzinvestitionen an Boden."

"Wenn man sieht, wer an uns vorbeizieht, weiß man, wo das Problem liegt", so Engl. "Heuer haben uns die türkischen Unis überholt: Die werden seit einiger Zeit stark finanziert und entwickeln sich wirklich gut. Das sagt uns nicht nur das Ranking, das ist wirklich so." Auch der Sprung der Uni München von Platz 55 auf 29 überrasche ihn nicht: "Dieses Ergebnis ist der Erfolg jahrelanger Investitionen etwa durch die Exzellenzinitiativen des Bundes bzw. Mittel des Landes Bayern."

Ranking-Ergebnisse selber seien nicht das Ziel der Uni Wien: "Aber sie sind ein Anzeichen für eine Entwicklung", so Engl. Zwar kenne er die genauen Indikatoren für dieses Jahr noch nicht. Aber in der Forschung sei die Uni Wien höchst konkurrenzfähig - in den Rankings der vergangenen Jahre hätten vielmehr die schlechten Betreuungsverhältnisse die Ergebnisse nach unten gedrückt. "Unsere Budgetzahlen halten mit der Steigerung der Studentenzahlen nicht mit - und das seit Jahren."

"Die Betreuungsverhältnisse bei uns sind deutlich schlechter als an den Unis München oder Zürich. Das sieht man auch ohne Rankings", meinte Engl. "Wir haben einfach eine Unterfinanzierung." Ziel der Unis sei auch nicht unbedingt eine Rankingverbesserung, sondern eine Verbesserung der Betreuungsrelationen und der Forschungsinfrastruktur.

Für eine Trendumkehr sei einfach mehr Geld pro Studierendem - "mit der Betonung auf mehr Geld" - nötig, betonte Engl. Die Regierung habe mit dem Ziel einer Quote von zwei Prozent des BIP für den tertiären Sektor das richtige Ziel ausgegeben: "Man braucht das nur einzuhalten." Dann seien viele Probleme gelöst. Auf eine schnelle Verbesserung in Rankings dürfe man aber nicht hoffen: "Diese Prozesse wirken nicht unmittelbar, man macht nicht gleich im nächsten Jahr Riesensprünge. An der Uni München wird seit zehn Jahren investiert - und jetzt sieht man die Ergebnisse."

Hintergrund

Wie die Reihung zustande kommt

Black Widow team member Hassenbruck-Gudipati and C
Foto: REUTERS/DAVID MCNEW

Das Times-Ranking, das sich mittlerweile als wichtigste Uni-Rangliste etabliert hat, basiert auf 13 Indikatoren aus den Bereichen Forschung, Lehre, Zitierungen, Internationalisierung und Einwerbung von Drittmitteln aus der Wirtschaft. Die beiden wichtigsten Faktoren sind einerseits die Befragung von mehr als 10.000 Uni-Forschern zu den Themen Lehre und Forschung sowie andererseits bibliometrische Indikatoren wie Veröffentlichungen und Zitierungen - sie tragen zu rund je einem Drittel zum Gesamtergebnis bei.

Weitere Faktoren sind die Lernvoraussetzungen (ausgezeichnete Lehrende, Einkommen der Lehrenden etc.) mit insgesamt 15 Prozent, Umfang von und Einnahmen aus Forschung (10,5 Prozent), Internationalisierung (fünf Prozent) und anwendungsorientierte Forschung (2,5 Prozent).

Link: http://www.timeshighereducation.co.uk/world-university-rankings

(APA, KURIER / sho, la) Erstellt am
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