Schauspieler Karlheinz Böhm gestorben

Der österreichische Schauspieler starb im Alter von 86 Jahren.

Böhm war nicht nur Schauspieler sondern auch Gründer der Hilfsorganisation "Menschen für Menschen"                                                                      Karlheinz Böhm in "Das Dreimäderlhaus"                                                                                                                                        

Als Schauspieler erreichte Karlheinz Böhm Mitte der 50er-Jahre als junger Kaiser Franz Joseph an der Seite von Romy Schneider den Höhepunkt seiner Popularität. Die Rolle seines Lebens fand er jedoch in Äthiopien, wo er sich drei Jahrzehnte lang mit seiner Hilfsaktion "Menschen für Menschen" (MfM) engagierte. Nach langer, schwerer Krankheit verstarb er nun 86-jährig in seinem Haus nahe Salzburg.

"Ich habe in Äthiopien meine Heimat gefunden und ich möchte am liebsten eines Tages dort in die Natur zurückkehren, aus der ich gekommen bin", sagte Böhm einmal. Der Wunsch, in Äthiopien zu sterben, ging nicht in Erfüllung. Jedoch der, "eines Tages nicht mehr gebraucht zu werden", wie MfM nach dem Tod ihres großen Gründers in einer Aussendung schrieb. In sechs Projektgebieten habe die äthiopische Bevölkerung bereits die Verantwortung übernommen, mehr als 5 Millionen Menschen würden mittlerweile von Böhms Lebenswerk profitieren.

Karlheinz Boehm kisses his wife Almaz in Zwentendo Foto: REUTERS/HERWIG PRAMMER Böhm mit seiner Frau Almaz Böhm war bereits seit langer Zeit krank, seine Stiftung führte seit einigen Jahren seine äthiopische Frau Almaz. Im vergangenen Dezember hatte sie den hauptamtlichen Vorstandsvorsitz abgegeben, um sich um ihren schwer kranken Mann zu kümmern. In einer Aussendung der Hilfsorganisation nannte sie ihn "Vorbild und Motivation". Er habe ihr den Glauben geschenkt, dass ein einzelner Mensch sehr viel Positives bewirken kann: "So schwer mich sein Verlust trifft, so sehr gibt mir der Glaube an seine Vision Kraft, sein Lebenswerk weiterzuführen."

Der Sohn eines Dirigenten und einer Sopranistin hatte nach seinem ersten Engagement an der Burg Auftritte am Theater in der Josefstadt sowie Bühnengastspiele in München, Frankfurt, Berlin und Zürich. Zeitgleich begann in den 50er-Jahren auch Böhms Filmkarriere als Star von unzähligen, meist kommerziellen Unterhaltungsproduktionen wie Ernst Marischkas "Sissi"-Trilogie (1955-1957). Das Image als Schwiegermutters Liebling versuchte er mit Filmen im Ausland zu konterkarieren, in den 1960er startete er noch einmal ein Comeback auf der Bühne und vor der Kamera u.a mit unter Rainer Werner Fassbinders Regie entstandenen Filmen "Martha" (1973), "Faustrecht der Freiheit" (1974) und "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel" (1975). Für "Menschen für Menschen" (MfM) gab er dann 1983 seine Schauspielkarriere gänzlich auf.

ORF ändert Programm

Wegen des Abblebens von Karlheinz Böhm ändert der ORF sein Programm der nächsten Tage. So zeigt ORF 2 zeigt am Freitag (30. Mai) um 22.40 Uhr die Dokumentation "Mister Karl. Karlheinz Böhm - Wut und Liebe", am Samstag folgen mit "Das Dreimäderlhaus" (31. Mai, 13.10 Uhr) und der "Sissi"-Trilogie (31. Mai, 14.45 Uhr, 1. Juni, 14.25 Uhr und 8. Juni, 14.10 Uhr) vier seiner größten Erfolge als Schauspieler. ORF III bringt in "Im Brennpunkt spezial" am Donnerstag, dem 5. Juni, um 21.55 Uhr "In memoriam Karlheinz Böhm: Afrika mon amour". Neben aktueller Berichterstattung in den heutigen "Zeit im Bild"-Ausgaben und in "Wien heute" (19.00 Uhr, ORF 2) würdigen heute auch die "Seitenblicke" (20.05 Uhr, ORF 2) den verstorbenen Karlheinz Böhm. Ö1 wiederholt heute Nachmittag um 15.00 Uhr eine Ausgabe von "Im Gespräch" mit Almaz und Karlheinz Böhm und bringt am 1. Juni eine Aufnahme aus dem Jahr 2001: Karlheinz Böhm liest Gedichte von Johann Gottfried Herder, Rainer Maria Rilke und Hermann Hesse.

Bilder

Das Leben von Karlheinz Böhm

Als Schauspieler erreichte Karlheinz Böhm Mitte der 50er-Jahre in der Rolle des jungen Kaiser Franz Joseph an der Seite von Romy Schneider den Höhepunkt seiner Popularität. Doch 25 Jahre später wurde eine Fernsehsendung zum Wendepunkt in seinem Leben: Nach einem als Wette verpackten Spendenaufruf in der Sendung "Wetten, dass...?" wurde er 1981 zum Entwicklungshelfer und widmet sich seither in Äthiopien der von ihm gegründeten Hilfsaktion "Menschen für Menschen" (MfM).
Bild: Romy Schneider und Böhm bei Dreharbeiten zur "Sissi"-Filmtrilogie (undatiertes Archivfoto). Der Sohn des legendären Dirigenten Karl Böhm hat einen langen, gewundenen Lebensweg hinter sich: Nach großen Erfolgen in Film, Fernsehen und auf der Bühne landete der materiell abgesicherte Publikumsliebling in der Sahelzone.
Bild: "Sissi, die junge Kaiserin" Wie er selbst sagt, habe er durch die vielen geografischen Stationen seines Lebens und drei gescheiterte Ehen nie zu sich gefunden. Eine Heimat fand er erst in Äthiopien mit seiner vierten Frau Almaz (48). Böhm hatte am 16. Mai 1981 im Fernsehen gewettet, dass nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling für Menschen in dieser Region spendet.
Bild: "Sissi - Schicksalsjahre einer Kaiserin" (1957) Er behielt zwar Recht, flog mit den eingenommenen umgerechnet 715.000 Euro jedoch nach diesem Auftritt das erste Mal nach Äthiopien und gründete am 13. November 1981 in München die Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" (MfM).
Bild: Karlheinz Böhm und seine Frau Almaz 2007 in Hamburg. Die Bilanz Böhms in dem ostafrikanischen Land kann sich sehen lassen: Rund 4,5 Millionen Menschen profitierten von den Hilfsprojekten der Stiftung. Im Rahmen von MfM wurden Hunderte Brunnen gebohrt, über 300 Schulen eröffnet, mittels Kleinstkrediten die Selbstständigkeit für Frauen ermöglicht und gegen die Beschneidung von Mädchen angegangen.
Im Bild: Karlheinz Böhm in dem äthiopischen Dorf Nagaya, aufgenommen am 11. März 1993. Dieses Engagement schien nicht vorgezeichnet, als Karlheinz Böhm am 16. März 1928 in Darmstadt als Sohn von Karl Böhm und der Sopranistin Thea Linhard geboren wurde. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Hamburg und Dresden, von wo aus er über Kufstein, Graz und Rom 1948 schließlich nach Wien kam. Hier arbeitete Böhm zunächst als Regieassistent bei Karl Hartl und besuchte die Schauspielschule des Burgtheaters.
Im Bild: Böhm in "Das Dreimäderlhaus" Auf sein erstes Engagement an der Burg folgten Auftritte am Theater in der Josefstadt sowie Bühnengastspiele in München, Frankfurt, Berlin und Zürich. Zeitgleich begann in den 50er-Jahren auch Böhms Filmkarriere als Star von unzähligen, meist kommerziellen Unterhaltungsproduktionen. In Erinnerung blieb der Schauspieler vor allem mit seiner Darstellung des jungen Kaiser Franz Joseph in Ernst Marischkas "Sissi"-Trilogie (1955-1957). Traumpaar des österreichischen Films: Karlheinz Böhm gemeinsam mit Romy Schneider posieren für ihren Film "Mädchenjahre einer Königin", Archivbild vom Mai 1955. Um diesem Image zu entkommen, drehte Böhm in der Folge mehrere Filme im Ausland. Anfang der 60er-Jahre konterkarierte er sein Image als Schwiegermutters Liebling unter der Regie des Engländers Michael Powell mit dem Psychothriller "Peeping Tom" ("Augen der Angst"). In dem Werk spielt er einen psychopathischen Mörder. Der Film, von der damaligen Kritik verrissen, gilt heute als Meisterwerk. Nach seiner Rückkehr aus dem angelsächsischen Raum 1963 gelangen Böhm erfolgreiche Comebacks auf Bühne und vor der Kamera. Trotzdem beendete er nach den unter Rainer Werner Fassbinders Regie entstandenen Filmen "Martha" (1973), "Faustrecht der Freiheit" (1974) und "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel" (1975) seine Filmlaufbahn und trat nur noch im Fernsehen und im Theater auf. Für MfM gab er dann 1983 seine Schauspielkarriere gänzlich auf.
Im Bild: Bei einer Spendengala in Berlin, 2005. 2002 wurde Böhm das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. 2008 bekam er die "Berlinale-Kamera" sowie den Hundertwasser-Preis. Ganz besonders dürfte Böhm jedoch eine Ehrung aus 2003 erfreut haben: In diesem Jahr wurde er zum Ehrenbürger Äthiopiens ernannt. "Abo" Karl, Vater Karl, nennen ihn die Äthiopier - und haben Plätze und Berge nach ihm benannt. Am "Karl Square" in Addis Abeba zeigt ihn eine Skulptur, die Böhm mit offenen Armen darstellt. Im Bild: Der stellvertretende Ministerpräsident in Äthiopien, Hailemariam Desalegn, Karlheinz Böhm, und der frühere deutsche Bundespräsident Horst Köhler 2011 bei der Einweihung des "Karl Square" in Addis Abeba in Äthiopien. Am Donnerstagabend starb Karlheinz Böhm nun im Alter von 86 Jahren in seinem Haus in Grödig bei Salzburg.
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"Menschen für Menschen"

Das brüchige Lebenswerk des Karlheinz Böhm

"Menschen für Menschen" war Böhms Lebensprojekt. Zuletzt hatte man jedoch mit üblen Vorwürfen zu tun.

PK KARLHEINZ BOEHM
Foto: APA/BARBARA GINDL

Begonnen hat die Initiative mit einer Wette, geworden ist aus „Menschen für Menschen“ das Lebenswerk eines Humanisten:  Ich wette, „… dass nicht einmal ein Drittel der Zuschauer, die uns jetzt in Österreich, der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland zusehen, bereit ist, nur eine Mark für die hungernden Menschen in der Sahelzone zu spenden. Und diese Wette möchte ich gern verlieren“, sagte Karlheinz Böhm im Jahr 1981.

Böhm behielt Recht, das Spendenziel wurde nicht erreicht. Dennoch, die Summe, die zusammenkam, war ordentlich; 1,2 Millionen Deutsche Mark wurden gespendet, umgerechnet etwa 600.000 Euro. Nur wenige Wochen später konnte sich Böhm damit in ein Flugzeug setzen und nach Afrika fliegen – von jenen Ländern, denen er seine Hilfe offerierte,  war Äthiopien am entgegenkommendsten. „Menschen für Menschen“ war geboren.

415 Millionen gesammelt

Gemeinsam mit seiner Frau Almaz, einer gebürtigen Äthiopierin, setzte sich Böhm vor allem dafür ein, den Menschen auf die Beine zu helfen – Hilfe zur Selbsthilfe, so das Credo des Schauspielers. Inspiriert hatte ihn dazu ein Flüchtlingslager, das neben einer brachliegenden Farm gelegen hatte – dieses Potential wolle Böhm nutzen.

Etwa 415 Millionen Euro hat die Initiative seither gesammelt und investiert - in Frauenförderung, Anti-Beschneidungsprojekte ebenso wie Bildungsinitiativen. Mehr als 300 Schulen wurden gebaut, zudem mehrere Krankenhäuser. Zuletzt setzte die Initiative auch auf Kleinkredite für Unternehmer.

„Zweifelhaftes Finanzgebaren“

In jüngerer Vergangenheit hatte „Menschen für Menschen“ aber weniger mit der Berichterstattung über die Erfolge der Initiative zu tun, sondern mit Negativschlagzeilen. Vorwürfe eines ehemaligen Großspenders waren aufgetaucht, die der Führung ein „zweifelhaftes Finanzgebaren“ zur Last legte. Die Gelder würden nicht immer dort ankommen, wo man sie hinzuschicken glaubte, so seine Kritik. Erst Anfang Mai tauchten erneut derartige Vorwürfe auf, wieder von Großspender Jürgen Wagentrotz.

Als Reaktion darauf legte Almaz Böhm, die die Geschäfte schon vor einigen Jahren von ihrem Mann übernommen hatte, ihr Amt als Chefin der Organisation nieder – Böhm galt seit längerem als gesundheitlich angeschlagen. Der offizielle Grund war, dass sie sich um ihren Mann kümmern wolle; im Hintergrund mehrten sich jedoch die Gerüchte, dass der Druck zu groß geworden war. „Menschen für Menschen“ wies die Vorwürfe jedoch immer vehement zurück.

Reaktionen

"Leuchtendes Beispiel für Humanität"

Der Tod Karlheinz Böhms hat in der politischen Landschaft Österreichs tiefe Betroffenheit ausgelöst. In Aussendungen wird er als "Vorbild in Sachen Menschlichkeit", "großer Mensch" und "leuchtendes Beispiel für Humanität" gewürdigt.

"Mit Karlheinz Böhm verlieren Österreich, Europa und die Welt eine Persönlichkeit, die sich Jahrzehnte hindurch mit aller Kraft für den afrikanischen Kontinent und die Verbesserung der Lebensumstände seiner Menschen, insbesonders in Äthiopien, eingesetzt hat", zeigte sich Bundespräsident Heinz Fischer "tief betroffen".

Als "Vorbild in Sachen Menschlichkeit, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein" würdigte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) den Schauspieler. "Mit Karlheinz Böhm verlieren wir einen großartigen Künstler und eine großartige Persönlichkeit, die den Menschen immer wieder in Erinnerung gerufen hat, wie wichtig es ist, Verantwortung für jene zu übernehmen, denen es nicht so gut ergeht."

"Sein Glaube an das Gute im Menschen war unerschütterlich", so Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP). "Ihm lag eine geeinte und gemeinsame Welt am Herzen, in der die Diskrepanz zwischen Armen und Reichen kleiner wird", würdigte er den Schauspieler.

"Er nutzte seine Popularität und setzte sie für Millionen Menschen ein", so Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ). "Er steht dafür, dass es keine erste, zweite oder dritte Welt geben sollte, sondern nur einen Planeten, auf dem wir alle für einander verantwortlich sind."

Auch Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) trauert um den in Salzburg Verstorbenen: "Der Wahl-Rödiger war zunächst einer der erfolgreichsten Schauspieler Europas und hat später als großer Mensch, der viel für andere Menschen - in seinem Fall vor allem in Äthiopien - getan hat, ein unauslöschliches Erbe hinterlassen."

"Sein Lebenswerk, das ihn zur Legende werden ließ, stand im Zeichen der Solidarität und eines tiefen Mitgefühls", schrieb der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) in seiner Aussendung. "Durch sein soziales Engagement für die Schwächsten in unserer Gesellschaft bleibt uns Böhm ein leuchtendes Beispiel für Humanität."

Caritas Präsident Michael Landau zeigte sich ebenfalls sehr betroffen: "Die Geschichte von Karlheinz Böhm zeigt, dass Veränderung möglich ist", betonte er in einer Aussendung. "Was im Fernsehen mit einer spielerischen Wette begann, wurde zu einem festen Versprechen der Solidarität und Nächstenliebe."

Überblick

Seine wichtigsten Filme

TITEL

REGIE

JAHR

Der Engel mit der Posaune

Karl Hartl

1948

Alraune

Arthur Maria Rabenalt

1952

Der Weibertausch

Karl Anton

1952

... und ewig bleibt die Liebe

Wolfgang Liebeneiner

1954

Trilogie: Sissi, Die junge Kaiserin, Schicksalsjahre einer Kaiserin

Ernst Marischka

1955-57

Das haut einen Seemann doch nicht um

Arthur Maria Rabenalt

1958

Das Dreimäderlhaus

Ernst Marischka

1958

Augen der Angst

Michael Powell

1960

Die Wunderwelt der Gebrüder Grimm

Henry Levin, George Pal

1962

Schloß Hubertus

Harald Reinl

1973

Martha

Rainer Werner Fassbinder

1974

Fontane Effi Briest

Rainer Werner Fassbinder

1974

Faustrecht der Freiheit

Rainer Werner Fassbinder

1975

Mutter Küsters Fahrt zum Himmel

Rainer Werner Fassbinder

1975

(red., APA, dpa / moe, kob, ep) Erstellt am
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