Star der Woche: Kylie Minogue

Star der Woche: Kylie Minogue
Gefeiert, belächelt, vergessen – und jetzt endlich wieder da. Kylie Minogue kennt alle Seiten des Show-Business. Und was einen nicht umbringt, macht einen stärker. Mit Giorgio Moroder produzierte sie eben die Single „Your Body“, demnächst folgt ein Weihnachts-Album. Zeit für einen Rückblick auf 30 außergewöhnliche Jahre.

Zufällig Popstar – dafür umso nachhaltiger. Kaum eine Sängerin hat in den vergangenen drei Jahrzehnten eine Karriere hingelegt wie die Australierin Kylie Ann Minogue. Dabei schien ein frühes Ende vorprogammiert, die Musikindustrie der 80er machte Popstars zu Wegwerfprodukten, robustere Kolleginnen gingen in ihren unbarmherzigen Mühlen unter (siehe PLAYLIST).

Und gleich zu Beginn hat sich das zarte Rotkäppchen auch noch mit dem bösen Wolf eingelassen ...

Bei der Charity-Veranstaltung einer Football-Mannschaft sang die 19-jährige Jungschauspielerin Kylie spaßhalber und spontan den alten Hadern „Loco-Motion“. Das brachte ihr einen Plattenvertrag ein – und Aufnahmen bei den Fließband-Hitproduzenten Stock/Aitken/Waterman in London. Das sind die Herren, die den späten 80ern ihren Stempel aufgedrückt haben und deren „Stars“ – Rick Astley? Dead or Alive? Sonia? Samantha Fox? – gut verdaut und schnell vergessen wie abgekaute Knochen auf der Strecke blieben. Alle, außer Kylie.

Wie sie das schaffte? Gehen wir einfach davon aus, dass sie besser war als die anderen. Gut sein war allerdings auch in den 80ern kein Kriterium für Erfolg – und, ganz ehrlich: Wenn man heute ihr Video zu „I Should Be So Lucky“ sieht, braucht’s einige Vorstellungskraft, um an mehr als eine hübsche Eintagsfliege zu denken...

Star der Woche: Kylie Minogue
Australian pop star Kylie Minogue appears on TV's 'Going Live!', 1989. (Photo by Tim Roney/Getty Images)

Aber: Miss Minogue ist härter als sie ausschaut und hat keine Angst vor Veränderungen. Vor allem aber hat sie ein Gespür, von dem sich Chamäleons wie Madonna und David Bowie noch eine Scheibe abschneiden könnten. Als sie mit 17 ihre Hauptrolle in einer australischen Soap nach Ärger mit den Produzenten verlor, kam sie ein Jahr später in einer größeren, beliebteren Serie zurück: „Neighbours“ (siehe auch Lebenslauf links). Als ihr nach zwei Jahren die Londoner Hit-Schmiede zu dröge wurde, brachte sie die Herren Stock/Aitken/Waterman dazu, ihr den Song „Better the Devil You Know“ zu schreiben. Ein Track, der Kritikerliebling Nick Cave zu Lobeshymnen inspirierte. Und ihn dazu brachte, mit Kylie den Hit „Where the Wild Roses Grow“ aufzunehmen, mit dem sie sich endgültig vom Image der High-School-Prinzessin distanzierte.

Star der Woche: Kylie Minogue
Australian singer Kylie Minogue on the set of the video for her duet with Nick Cave 'Where the Wild Roses Grow', Surrey, United Kingdom, July 1995. (Photo by David Tonge/Getty Images)

Als man sich daran gewöhnt hatte, tauchte sie zu Beginn des Jahrtausends plötzlich als reinkarnierte Disco-Queen neu auf: „Spinning Around“. Nur um ein Jahr später ihre Fans mit einem Minimal-Electronic-Song zu irritieren. Hat die Nummer überhaupt einen Refrain? Wie war das im Mittelteil? „La, la, la, la, lalalala ...“, genau, „Can’t Get You Out Of My Mind“, einer der massivsten Hits der Musikgeschichte.

Star der Woche: Kylie Minogue
NETHERLANDS - JUNE 12: ROTTERDAM Photo of Kylie MINOGUE, 12-6-2002 Rotterdam, Kylie Minoque (Photo by Paul Bergen/Redferns)

Dann kam der Brustkrebs. Aber es wäre nicht Kylie Minogue, wenn sie nicht auch nach einem derartigen Schicksalsschlag zurückgekommen wäre ...

Die ersten Schritte waren konventionell. Natürlich, man braucht erst wieder vertrauten Boden unter den Füßen. 2010 machte sie eine selbstauferlegte Pause. Im vergangenen Jahr testete sie mit Jay-Z ihre Zeitgemäßheit: „Kiss Me Once“ – sehr lässige CD. Gleich darauf lieferte sie mit „Right Here, Right Now“ den besten Track für Giorgio Moroders Comeback-Album „Déjà Vu“. Und mit dem Altmeister hat sie jetzt den Song „Your Body“ aufgenommen – beste 80er-Disco seit 27 Jahren. Womit sie praktisch wieder am Anfang ihrer Karriere angelangt ist. Aber mit Grandezza!

Ach ja, demnächst erscheint ihre CD „Kylie Christmas“. Ein Weihnachtslieder-Album. Süßer die Glocken nie klingen ...

Star der Woche: Kylie Minogue
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1968: Am 28. Mai wird Kylie Ann Minogue in Melbourne, Australien, geboren. Der Vater ist Buchhalter, die Mutter professionelle Tänzerin.
1979: Mit ihrer jüngeren Schwester Danii spielt sie kleine Rollen in TV-Serien.
1985: Danii Minogue ist als ständige Sängerin in der Show „Young Talent“ ein Star in Australien. Kylie bekommt eine Hauptrolle in der Serie „The Henderson Kids“. Nach einer Staffel wird ihre Rolle „hinausgeschrieben“, angeblich, weil sie zu oft die Texte nicht konnte. Kylies Versuch, in der Musik-Show ihrer Schwester unterzukommen, scheitert.
1986: Kylie bekommt eine Hauptrolle in der TV-Show „Neighbours“ und wird zum internationalen Fernsehstar. 20 Millionen Zuschauer verfolgen allein in England die Folge, in der sie Co-Star Jason Donovan das Ja-Wort gibt.
1987: Eine spontane Gesangseinlage bei einem Charity-Event bringt ihr überraschend einen Plattenvertrag ein. „Loco-Motion“ wird zur meistverkauften Single Australiens. Noch im selben Jahr nimmt sie in London ihren ersten internationalen Hit auf: „I Should Be So Lucky“
Seitdem verkaufte sie insgesamt 80 Millionen CDs ...

Star der Woche: Kylie Minogue
Kylie Minogue 1988 (Photo by Chris Walter/WireImage)

YAZZ: „The Only Way Is Up“ – Das Model aus Shepherd's Bush sang Hits für Coldcut, startete 1988 mit ihrem Solo-Debüt durch. Heute lebt Yasmin Evans (55) in Südspanien, hat die Religion für sich entdeckt und singt Gospels. Die Stimme dazu hat sie allemal.

NENEH CHERRY: „Buffalo Stance“ – dem Hit von Jazzer Don Cherrys Stieftochter konnte man 1988 nirgendwo entkommen. Heute lebt die 51-Jährige mit Familie zurückgezogen in Schweden und macht jazzy Club-Sounds für ein kleineres Publikum.

SALT ’N’ PEPPA: „Push It“ – Drei Mädels aus Queens nahmen sich 1987 kein Blatt vor den Mund. Und ebneten den Weg für heutige Rapperinnen. Mit „Let’s Talk About Sex“ und „Whatta Man“gelang ihnen 1992 ein Comeback. Heute sind die drei Damen (49/50/44) Boutique-Besitzerin, Hausfrau und Gelgenheits DJ.

BOW WOW WOW: „I Want Candy“ – Vivienne Westwood und Malcolm McLaren als Produzenten machten die junge Londoner Band zu potenziellen Superstars. Sängerin Annabella Lwin (49) ist heute Tierrechts-Aktivistin und singt nur noch selten. Dann aber sogar mit Kapazundern wie Billy Corgan (Smashing Pumpkins).

DEE-LITE: „Groove Is In The Heart“ – Hip, Camp und alles, was du jemals sein wolltest: 1990 zeigten Lady Miss Kier, ihre Elektronik-Jungs und der gute alte Bootsy Collins, wie man eine Party feiert. Fräulein Kier (52) war Fashion-Ikone, Style-Prinzessin, DJ, Universitäts-Lektorin. Letzteres ist sie heute noch – nun ohne Rampenlicht.

GABRIELLE: "Dreams" - Wir erinnern uns: Die Frau mit der Augenklappe. Sie litt an Ptosis, dem Herunterhängen eines oberen Augenlides. Deshalb. Mittlerweile trägt sie Sonnenbrille, an den Erfolg ihrer Debüt-Single kam sie nie wieder heran. Derzeit ist sie im Studio, um ihr siebtes Album aufzunehmen.

YA KID K: "Pump Up The Jam" - Im Video des Technotronic-Hits ist die Belgierin mit kongolesischen Wurzeln nicht zu sehen. Aber der Song und die Stimme sind von ihr. Sie rapt immer noch. Und erlebt gerade ein kleines Comeback. Aktuelles Album: "Stalled Constructions".

T'PAU: "Heart And Soul" - Carol Ann Decker hatte mit ihrer Band noch einen Hit: "China In Your Hands". Dann war's ziemlich vorbei. Die Britin war später Chefin eines Gasthaus in Stoke Row, Henley, das vor einigen Jahren schließen musste. Der Gitarrist der Band schaffte es in Ian Gillans Touring-Band.

WENDY & LISA: "Strung Out" - Wie alle Frauen aus dem Prince-Umfeld hatten die beiden es schwer, als Musikerinnen ernst genommen zu werden. Aus dem Rampenlicht zogen sie sich bald enttäuscht zurück, als Komponistinnen und Interpretinnen räumen sie noch heute ziemlich ab. Ein Emmy für die Musik zu "Nurse Jacky", ein ASCAP-Award für die zu "Heroes", die Musik für "Crossing Jordan", "Dirty Girl" und "Toys" ist auch von ihnen. Außerdem spielte Wendy Melvoin Gitarre für Madonna, Neil Finn, Glen Campbell u.v.a.

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