Razzia auf der Großbaustelle

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Foto: Kurier/Franz Gruber Franz Kurz (mit Handy) und sein Team kontrollierten mehr als 150 Arbeiter und 52 Betriebe

Mit einem Großaufgebot von 50 Mann wurde auf dem künftigen Hauptbahnhof kontrolliert. Es gab nur neun Anzeigen.

Der Konvoi wollte kein Ende nehmen. Dutzende Autos der Finanzpolizei und der Sicherheitswache rollten Donnerstagfrüh auf die Großbau­stelle des ehemaligen Frachtenbahnhofes in Wien- Favoriten, wo gerade der neue Hauptbahnhof entsteht. Angeführt wurde der Zug von Finanzpolizist Franz Kurz. An seinem Ziel ließ der Beamte keine Zweifel: „Heute machen wir das Kontrollnetz dicht."

Anstatt der Routine-Kontrollen hat sich die Finanzpolizei das erste Mal für eine Großkontrolle der Baustelle entschieden. Besonders im Visier der rund 40 Finanzpolizisten und 10 Polizisten: die Eisenbieger. „Bei den Eisenbiegern ist die Schwarzarbeit besonders ausgeprägt", sagt Kurz und nennt die Gründe: „Man braucht keine Ausbildung und kaum Material, damit gibt es genug Möglichkeiten für ungelernte Arbeiter."

In einer riesigen Grube im Sektor C3, dort wo die Wohnhäuser des Sonnwendviertels entstehen, werden die Beamten schließlich fündig. Rund 30 Eisenbieger bauten im strömenden Regen an den stählernen Vorrichtungen. Den Arbeitern selbst schien die Kontrolle wie eine willkommene Arbeitspause. „Wir sind froh über die Razzia", sagt ein Arbeiter aus dem Kosovo. „Erst vor Kurzem hatte ein Kollege einen Arbeitsunfall und keiner wusste, wo der Chef ist." Wo der Chef ist, interessiert auch Finanzpolizisten Kurz und seine Kollegen: „Wir wollen nicht die Arbeitnehmer strafen, sondern die Arbeitgeber, die keine Abgaben zahlen."

 

Briefkastenfirmen

Ganz einfach ist diese Aufgabe nicht, da viele der Firmen nur auf dem Papier existieren. Kurz: „Viele Baufirmen haben nur eine Briefkastenadresse. Sie stellen ihre Arbeiter zwar an, sobald Abgaben fällig werden, löst sich die Firma auf." Um dem Firmeninhaber doch auf die Schliche zu kommen, werden die Arbeiter – neben der Kontrolle aller Papiere – intensiv einvernommen.

Insgesamt wurden 52 Betriebe unter die Lupe genommen, Baufirmen, aber auch Frächter und Zubringer, die mit ihren Lastern auf der Baustelle unterwegs sind. 62 inländische und 95 auslän­dische Arbeiter wurden kontrolliert. Die Ausbeute nach zwei Stunden: neun Anzeigen, weil Arbeiter nicht ordnungsgemäß angemeldet waren. Außerdem wurden für bestehende Steuerrückstände bei den Auftraggebern Pfändungen in Höhe von 50.000 Euro vorgenommen.

 

(kurier) Erstellt am
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