"Da frage ich mich, wo ist mein Porsche?"

Seit 2006 ist Dobcak Besitzer des Studentenlokals "La Boule" im achten Bezirk: "Das hält mich jung."
Registrierkassenpflicht und Rauchverbot setzen der Branche zu. Der neue Wiener Gastronomie-Chef, Peter Dobcak, im Porträt.

Das Licht im "La Boule" ist gedimmt, der Geruch von Rauch liegt in der Luft. Inmitten von Barhockern und Wuzzeltischen steht Peter Dobcak, Inhaber des beliebten Studentenlokals in der Josefstadt – und seit dieser Woche neuer Obmann der Gastronomen in der Wiener Wirtschaftskammer (WKW).

"Da frage ich mich, wo ist mein Porsche?"
Seiner Aufgabe blickt der 54-Jährige gespannt entgegen, "obwohl die Gastronomie mehr denn je vor Herausforderungen steht". Ein Beispiel sei die Registrierkassenpflicht. "Viele meinen, dass die Gastronomie so viel schwarz macht und sich Gastronomen deshalb gegen die Registrierkasse wehren, weil sie ständig Geld unterschlagen", sagt Dobcak. "Da frage ich mich, wo ist mein Porsche?"

Durch das totale Rauchverbot befürchtet er einen temporären Umsatzrückgang. "Viele werden jetzt vom Paulus zum Saulus und bezeichnen die Gastronomie als Aschenbecher der Nation. Die Leute müssen die Kirche im Dorf lassen." Bei der momentanen Situation in der Gastronomie werden viele Gastronomen zusperren müssen, moniert er.

"Vollblutgastronom"

"Da frage ich mich, wo ist mein Porsche?"
BezR KommR, Peter DOBCAK, Portraits
Aus den eigenen Reihen erntet Dobcak Lob. Kammerpräsident Walter Ruck bezeichnet ihn als "Vollblutgastronom", der sich mit viel Einsatz für jeden einzelnen Wirt einsetzt. "Ich habe ein simples Studentenbeisl, deshalb wäre es anmaßend, zu sagen, ich sei ein Vollblutgastronom", gibt sich Dobcak bescheiden. "Aber ich setze mich mit allem Blut, das ich habe, für die Gastronomie ein."

Ebendiese wurde dem geborenen Wiener in die Wiege gelegt. Seine Kindheit verbrachte er in Salzburg, wo seine Eltern ein Hotel führten. Als Dobcak neun Jahre alt war, verunglückte sein Vater tödlich, die Mutter kehrte mit den vier Kindern zurück nach Wien. "Ich habe große Achtung vor meiner Mutter, das war nicht leicht", sagt Dobcak rückblickend. In Wien lernt er seine Frau kennen, die beiden haben zwei Kinder. 1991 zieht es die Familie nach Florida, wo Dobcak Immobilien an Europäer vermittelt. "Ich habe den 'American Way of Life' schon sehr genossen, aber die Heimat blieb immer im Gedächtnis verhaftet." Eine Sache vermisse er seither: "So ein gutes Steak wie in Amerika hab ich nirgends mehr gegessen."

"Ich glaube nicht, dass ich ein arroganter Mensch bin"

"Da frage ich mich, wo ist mein Porsche?"
BezR KommR, Peter DOBCAK, Portraits
2002 kehrt der jetzige Gastro-Chef mit seiner Familie in die Alpenrepublik zurück, damit die beiden Kinder – der Sohn ist heute 27, die Tochter 24 – "in beiden Hemisphären aufwachsen". Nach einem postgradualen Studium (Human Resource Management) arbeitet Dobcak als stadtpolitischer Trainer für die ÖVP, bevor er 2006 das "La Boule" übernimmt. "Das hält mich jung", erklärt er. "Ich begegne jüngeren Menschen gern auf Augenhöhe. Überhaupt glaube ich nicht, dass ich ein arroganter Mensch bin."

Der 54-Jährige tritt jugendlich auf. Er trägt ein Hemd ohne Krawatte, Jeans und ein grünes Samt-Sakko. Gesundheit spielt für Dobcak eine wichtige Rolle. Grüne Smoothies und Nüsse stehen auf dem täglichen Speiseplan. "Ich habe ja eine gewisse Vorbildwirkung." Wobei er sich drei Zigarren pro Woche und "hie und da ein rescher anpaniertes Schnitzel" gönnt. "Ich bin ein Genussmensch – sonst wäre ich in dieser Branche fehl am Platz."

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