Pfarrer wegen Missbrauchs vor Gericht

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Foto: Sascha Trimmel Fabian Vordermayer (mi.) vor dem Prozess mit seinen Anwälten Michael Dohr und Amir Ahmed (li.)

Dem abgesetzten Traiskirchner Pfarrer wird Vergewaltigung und sexueller Missbrauch vorgeworfen. Er beteuert seine Unschuld.

Es geht um mein Schicksal. Ich glaube an die Gerechtigkeit und daran, dass dieses Verfahren gut ausgehen wird.“ Mit diesen Worten kommentierte am Landesgericht Wiener Neustadt der suspendierte Traiskirchner Pfarrer am Montag seinen Prozessauftakt im medialen Blitzlichtgewitter. Die Staatsanwaltschaft wirft Fabian Vordermayer (47) Vergewaltigung, geschlechtliche Nötigung, sexuellen Missbrauch einer willensunfähigen Person, Nötigung, Stalking und Körperverletzung vor. Der Strafrahmen: Bis zu zehn Jahre Haft. Ein Urteil wird frühestens Ende November erwartet, der Prozess findet unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die Geschichte des beliebten Traiskirchner Pfarrers hat lange vor dem Prozessbeginn für Schlagzeilen gesorgt. Der gebürtige Deutsche soll den eng befreundeten Benedikt F. (23) mit K.-o.-Tropfen betäubt und sich an ihm vergangen haben. Die Anklageschrift unterstellt dem Theologen „homosexuelle Neigungen“.

Rückblende: Pater Fabian lernte die Familie des jungen Mannes im Jahr 2007 kennen. Es entwickelte sich schnell eine „sehr, sehr enge Freundschaft“, wie Vordermayer im Juli 2013 dem KURIER beschrieb. Benedikt F. und der Geistliche verbrachten viel Zeit miteinander, schon 2011 besuchte der Angeklagte den jungen Mann bei einem Auslandspraktikum in Costa Rica. Dort soll Pater Fabian Benedikt F. nachts im Hotelzimmer erstmalig unsittlich berührt haben. „Während er schlief, wohlgemerkt. Wer würde bei so einem Akt nicht aufwachen?“, wundert sich der Geistliche. Wenige Monate später zog der Student in eine Gästewohnung im Traiskirchner Pfarrhof. Dort wohnte er bis Februar 2012. Brisant: Im Haushalt der Familie wurde ein „sehr eindeutiger Brief“ der Mutter an den Pfarrer gefunden.

Schlafmittel

In dieser Zeit soll Pater Fabian Vordermayer seinem Freund Schlafmittel verabreicht haben und ihn durch die Medikamente außer Gefecht gesetzt haben. Der Wirkstoff, Flunitrazepam, wurde durch die Ermittler auch in den sichergestellten Einschlaftropfen des Pfarrers sichergestellt. Für die Staatsanwältin ein Beweis in dem Verfahren. Rechtsanwalt Michael Dohr sieht das anders. „Die Haaranalyse hat ergeben, dass das Schlafmittel einmalig im Juni 2012 eingenommen wurde.“ – „Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gar keinem Kontakt mehr zu ihm“, ergänzt Fabian Vordermayer.

1500 Unterschriften

Pfarrgemeinde hielt zu ihrem Pater

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Foto: Thomas Lenger

Obwohl die Vorwürfe von Anfang an schwerwiegend waren, hielt ein großer Teil der Pfarrgemeinde eisern zu ihrem „Pater Fabian“. Viele konnten nicht glauben, was dem beliebten Seelsorger vorgeworfen wurde. Sogar eine Intrige und eine persönliche Fehde mit dem Abt wurde vermutet. Obwohl immer mehr belastende Details zutage kamen, wurden im Sommer dieses Jahres mehr als 1500 Unterschriften in Traiskirchen gesammelt. Das Stift Melk hatte den Pfarrer unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe abgezogen, doch die Pfarrgemeinde kämpfte für eine seine Wiederkehr.

Melk

Stift lässt Pfarrer nicht zurück

Geistlicher wird nie mehr nach Traiskirchen kommen

„Ich möchte mich nicht näher zum laufenden Verfahren äußern“, hält Pater Jeremia Eisenbauer aus dem Stift Melk fest. Er ist Pressesprecher und bemüht, vor dem Verfahrensende rund um Pater Fabian Vordermayer nicht allzu viele Informationen herauszulassen. In der kommenden Woche wird Eisenbauer selbst als Zeuge vor dem Schöffensenat in Wiener Neustadt aussagen.

Eines hält er jedoch fest. „Pater Fabian wird nie wieder als Pfarrer nach Traiskirchen zurückkehren.“ Ob er in einer anderen Pfarre als Seelsorger einkehrt, steht aktuell noch in den Sternen. „Die Vertrauensbasis ist zerrüttet“, hält man im Stift fest. Bis zum Prozess-Ende am 21. November sollen die Vorwürfe aufgerollt werden. In einer sogenannten Kapitelversammlung am 14. November werden die Vorwürfe aufgerollt, heißt es aus dem Stift Melk.

(KURIER) Erstellt am