© Waldrappteam Conservation & Research

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09/04/2021

28 junge Waldrappen flogen 770 Kilometer weit in die Toskana

Großer Erfolg für europäisches Wiederansiedelungsprojekt. Der Waldrapp ist eine der am stärksten bedrohten Vogelarten weltweit.

Großer Erfolg für das österreichische Waldrappteam: Nach einer Reise von 14 Tagen sind 28 junge Waldrappen - geleitet von zwei Leichtfluggeräten - am Rande des WWF Schutzgebietes Oasi Laguna di Orbetello in der südlichen Toskana angekommen. Damit haben sie ihr Wintergebiet erreicht. Sie werden vorerst dort bleiben, bis sie nach zwei bis drei Jahren in ihr Brutgebiet in Österreich zurückkehren um dort Nachkommen aufzuziehen.

In fünf Flugetappen legten die Jungvögel hinter zwei Fluggeräten 770 Kilometer von Seekirchen am Wallersee bis in die südliche Toskana zurück. Das Pfitscher Joch (2.246 m) am Übergang vom Zillertal nach Südtirol konnte in einer Höhe von mehr als 2.800 Meter überflogen werden.

Die beiden Ziehmütter Helena Wehner und Katharina Huchler hatten vor dem Flug fünf Monate lang Tag für Tag mit den Waldrappen verbracht. In dieser Zeit hat sich nicht nur eine enge soziale Bindung der Jungvögel an die menschlichen Ersatzeltern entwickelt, diese Bindung ist beidseitig.

Ziehmutter Huchler: "Die jungen Waldrappe sind für uns zu Persönlichkeiten geworden, jeder Vogel hat seine ganz speziellen Eigenarten".

Der Waldrapp ist ein Zugvogel, der bis ins 17. Jahrhundert auch in Mitteleuropa heimisch war, aber durch Überjagung verschwand. Heute zählt er zu den am stärksten bedrohten Vogelarten weltweit. Im Rahmen eines EU-Projektes soll der Waldrapp in Europa wieder angesiedelt werden.

Die erfolgreiche Migration trägt zum Überleben der europäischen Waldrapp-Population bei, die inzwischen annähernd 200 Tiere umfasst. Begonnen hat die Wiederansiedlung dieser migrierenden Population 2014 im Rahmen eines europäischen Life-Projektes. Ab 2022 beginnt ein zweites, siebenjähriges Life-Projekt, in dessen Rahmen die Wiederansiedlung fortgeführt und abgeschlossen werden soll.

Projektleiter Johannes Fritz: "Diese erfolgreiche Migration ist ein Beispiel für die immer umfangreicheren Möglichkeiten des modernen Artenschutzes und ein Grund zur Hoffnung für das Überleben der Waldrappe. Wir wollen unsere Methode aber auch bei anderen Zugvogelarten zur Anwendung bringen, denn die Anzahl bedrohter Arten nimmt weltweit rasant zu und stellt den Artenschutz vor sehr große Herausforderungen."

Die illegale Jagd in Italien ist nach wie vor eine Hauptbedrohung für die Waldrappe. Das Risiko eines Abschusses betrifft auch diese 28 Jungvögel nach ihrer Freilassung. Ziehmutter Helena Wehner erinnert sich: "Als während des Flugtrainings ein Jungvogel verunglückt ist hat es sich angefühlt wie der Verlust eines Freundes. Die Vorstellung, dass einer unserer Vögel illegal abgeschossen wird und so sinnlos sterben muss, ist sehr schlimm für mich. Damit wird nicht nur das Überleben dieser Art gefährdet, sondern auch ein hoffnungsreiches Leben ausgelöscht."

Nähere Informationen über das Projekt gibt es hier.

 

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