Forschung im Fokus: Wie sich Demokratien weiterentwickeln lassen

Der neue Forschungsverbund Demokratie und Menschenrechte der Universität Wien.
Colorful interconnected paper chain of human figures forming a spiraling design symbolizing unity and diversity.

Während vor rund 20 Jahren die Hälfte der Weltbevölkerung in Demokratien gelebt hat, leben heute rund 74 Prozent in Autokratien. Das zeigt der aktuelle Bericht „Varieties of Democracy“. „Eine Demokratie ist keine ,g’mahte Wiese im Sinne von: Wenn man sie einmal hat, wird sie auch immer bleiben“, betont Prof. Sylvia Kritzinger vom Institut für Staatswissenschaft der Universität Wien. „Demokratie ist sehr komplex. Deswegen muss man sich ständig mit ihr auseinandersetzen und darüber nachdenken, wie man sie weiterentwickeln kann.“

Kräfte bündeln

Aus diesem Grund wurde an der Universität Wien der Forschungsverbund Demokratie und Menschenrechte ins Leben gerufen, der von Sylvia Kritzinger und dem Völkerrechtler Michael Lysander Fremuth geleitet wird. Sein Ziel ist es, das Zusammenspiel, aber auch die Reibungsflächen von Demokratie und Menschenrechten aus interdisziplinärer Perspektive zu erforschen. „Es geht nicht darum, eine Autorität zu etablieren, die sagt, wie es geht“, so die Politikwissenschaftlerin. „Es soll ein Netzwerk sein, wo diese Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert werden.“

Uni Wien / Juristenverband

Prof. Sylvia Kritzinger, Universität Wien.

Dabei wird auf interdisziplinäre Arbeit gesetzt. „Man kann sich Demokratie und Menschenrechte aus ganz unterschiedlichen Perspektiven anschauen“, so Kritzinger. „Ob Soziologie, Politikwissenschaft oder Psychologie: Alle bringen Daten und Kontexte mit, die wichtig sind, um Demokratie- und Menschenrechte zu analysieren.“ 

So können neue Modelle entwickelt werden, die ein besseres Verständnis von gegenwärtigen Entwicklung von Demokratien ermöglichen. Hier schließt sich ein weiterer Schwerpunkt des Forschungsverbunds nahtlos an: der Wissenstransfer. „Wir werden viele Möglichkeiten nutzen, um unsere Erkenntnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen – und dieses in unsere Forschung einzubeziehen“, sagt Kritzinger. „Und wir wollen Nachwuchsforscher*innen die Möglichkeit geben, sich stark zu beteiligen – denn es bedarf neuer, kreativer Zugänge.“

Für funktionierende Demokratien gäbe es keine einfachen Lösungen, da es immer Aushandlungsprozesse benötige, sagt die Politikwissenschaftlerin: „Daher müssen wir alles daran setzen, Tools auszuarbeiten, damit liberale Demokratien auch weiterhin bestehen und sich entwickeln können..“

Eine Frau mit Brille arbeitet an einem Computer mit Diagrammen.

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