Wissen 12.04.2018

Studie: Onlinespiele machen Kinder lernfähiger

© Bild: APA/dpa/Swen Pförtner

Bochumer Wissenschafter stellten Kinder eine Aufgabe - die Hälfte der Probanden spielte viel am Computer.

Eltern sind meist nicht sonderlich erquickt, wenn sie ihre Kinder beim Computerspielen beobachten. Forscher der Uni Bochum haben sich im Rahmen einer Studie nun die Frage gestellt, ob das Spielen vielleicht doch auch seine guten Seiten hat und die Kinder dadurch besser lernen. Sie untersuchten 17 Freiwillige, die über 15 Stunden pro Woche actionbasierte Videospiele spielten. Eine Kontrollgruppe mit ebenfalls 17 Teilnehmern, die nicht regelmäßig Computer- und Konsolenspiele spielten, nahm ebenso an der Studie teil.

Beide Versuchsgruppen absolvierten den sogenannten "Wettervorhersagetest", der das Lernen von Wahrscheinlichkeiten erfasst. Dabei zeichneten die Forscher die Hirnaktivität der Versuchsteilnehmer mit der Magnet-Resonanz-Tomografie ( MRT) auf.

In jedem Testdurchgang bekamen die Kinder eine Kombination aus drei Spielkarten gezeigt. Sie sollten einschätzen, ob die Karten Regen oder Sonnenschein vorhersagen. Anschließend gaben ihnen die Wissenschaftler die Feedback, ob ihre Antwort richtig war oder nicht. So sollten die Testpersonen mit der Zeit lernen, welche Symbolkombination für welche Wettervorhersage stand.

Die Kombinationen waren dabei mit unterschiedlich hohen oder niedrigen Wahrscheinlichkeiten für Regen und Sonnenschein verknüpft. Nach Abschluss der Aufgabe füllten die Probanden einen Fragebogen aus, mit dem das erlernte Wissen über die Spielkarten und ihre Bedeutung abgefragt wurde.

Gamer erfassen Situationen schneller

Ergebnis: Die Gamer schnitten bei dem Test deutlich besser ab und waren auch wesentlich besser darin, die Spielkarten mit den Wetterwahrscheinlichkeiten zu verknüpfen. Die Analyse der Fragebögen ergab außerdem, dass die Teilnehmer, die mindestens 15 Stunden pro Woche mit Videospielen verbrachten, mehr Einsicht über die Bedeutung der Karten gewonnen hatten.

"Unsere Studie zeigt, dass Videospieler besser darin sind, Situationen schnell zu erfassen, neues Wissen zu generieren und Wissen zu kategorisieren – und das vor allem in Situationen mit hoher Unsicherheit", sagt Erstautorin Sabrina Schenk von der Ruhr-Universität Bochum.

Diese Art des Lernens ging mit einer gesteigerten Aktivität im Hippocampus einher, einem Hirnbereich, der eine entscheidende Rolle für das Lernen und Gedächtnis spielt. "Wir glauben, dass Videospiele bestimmte Gehirnregionen wie den Hippocampus trainieren", Sabrina so Schenk, "Das ist nicht nur für junge Leute spannend, sondern auch für Ältere; denn im Alter führen Veränderungen im Hippocampus dazu, dass die Gedächtnisleistung nachlässt. Vielleicht könnte man das in Zukunft mit Videospielen therapieren."

( kurier.at , ub ) Erstellt am 12.04.2018