Experte: Gleitzeitmodelle für Schüler wären sinnvoll
Zusammenfassung
- Zeitumstellung auf Sommerzeit belastet besonders Spättypen und Jugendliche, da deren innere Uhr später läuft.
- Frühe Schul- und Arbeitszeiten widersprechen oft dem natürlichen Schlafrhythmus und beeinträchtigen Leistung und Wohlbefinden.
- Experte empfiehlt flexiblere Schul- und Arbeitszeiten, um biologische Unterschiede besser zu berücksichtigen.
Die Zeitumstellung ist für viele lästig, für manche aber ein echtes Problem. Arbeitsmediziner Helmut Stadlbauer (IBG) erklärt, warum nicht alle Menschen gleich auf den kleinen Zeigersprung reagieren und Schulzeiten aus chronobiologischer Sicht oft an der Realität vorbeigehen. Gerade Jugendliche, deren innere Uhr noch später läuft, geraten dadurch ins Hintertreffen.
KURIER: Ist die Zeitumstellung gesundheitlich wirklich so relevant?
Helmut Stadlbauer: Die eine Stunde Umstellung verkraften die meisten Menschen grundsätzlich recht gut. Aber nicht alle gleich. Im Frühjahr ist das Vorstellen der Uhr für Frühtypen meist leichter, weil es ihrem Rhythmus eher entgegenkommt. Spättypen trifft es stärker – sie leiden ohnehin oft unter zu frühen Arbeits- und Schulzeiten und schlafen durch die Sommerzeit nicht selten noch einmal kürzer. Sie werden abends später müde und sind morgens später wirklich leistungsfähig, obwohl sie trotzdem früh rausmüssen. Das kann dazu führen, dass sie über einen langen Zeitraum zu wenig schlafen – nicht nur ein paar Tage nach der Umstellung, sondern mitunter den ganzen Sommer lang.
Nicht alle sind Lerche oder Eule – was sind eigentlich „Normaltypen“?
Normaltypen sind jene, die ungefähr in der Mitte liegen. Ihr natürlicher Schlafrhythmus wäre grob gesagt Mitternacht bis acht Uhr. Frühtypen liegen davor, Spättypen danach. Daran sieht man schon, dass viele Arbeits- und Schulanfänge selbst für den Durchschnitt eigentlich zu früh sind – und für Jugendliche oder ausgeprägte Spättypen erst recht.
Kann die Zeitumstellung im Arbeitsalltag das Fehler- oder Unfallrisiko erhöhen?
Ja, zumindest leicht. Wer unausgeschlafen ist, ist weniger konzentriert, macht mehr Fehler und reagiert langsamer. Studien zeigen, dass rund um die Zeitumstellung manche Risiken etwas ansteigen können, so steigt etwa das Herzinfarktrisiko leicht. Kein Grund zur Panik, aber es ist auch nicht nur Einbildung. Müdigkeit bedeutet Stress für den Organismus – und wie stark jemand darauf reagiert, ist individuell sehr verschieden.
Arbeitsmediziner Helmut Stadlbauer, IBG
Gerade Jugendliche sind biologisch oft noch später getaktet als Erwachsene. Frühe Schulbeginnzeiten sind da ein Nachteil: Sie sind am Vormittag müder, weniger konzentriert und oft auch schlechter in der Leistung.
Sie sprechen die Schule an. Wären Gleitzeitmodelle für Schüler sinnvoll?
Ja. Gerade Jugendliche sind biologisch oft noch später getaktet als Erwachsene. Frühe Schulbeginnzeiten sind da ein Nachteil: Sie sind am Vormittag müder, weniger konzentriert und oft auch schlechter in der Leistung. Modelle wie eine Ankommenszeit ohne Unterricht oder ein späterer Schulbeginn wären daher keine Spielerei, sondern ein sinnvoller Schritt. Man weiß aus Studien, dass eine Verlegung nach hinten positive Effekte auf Leistung, Wohlbefinden und Fehlzeiten haben kann.
Was wäre hier sinnvoll für Arbeit und Schule?
Es wäre zu kurz gegriffen, Tipps zu geben, wie man trotz unpassender Zeiten halbwegs funktioniert. Sinnvoller wäre es, die Strukturen zu hinterfragen: zu frühe Arbeitszeiten, zu frühe Schulanfänge. Kurzfristig hilft rund um die Zeitumstellung Tageslicht, weil es die innere Uhr stabilisiert. Doch grundsätzlich sollte man sich fragen, warum wir Arbeits- und Schulzeiten so oft gegen die Biologie organisieren.
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