Nickerchen am Vormittag: Warum sie ein Warnzeichen sein können

Ein Schläfchen zwischendurch gilt als gesund. Doch eine neue Studie zeigt: Häufiger oder früher Tagschlaf kann auf gesundheitliche Probleme hinweisen.
Mittagsschlaf

Zusammenfassung

  • Kurze Mittagsschläfchen können erholsam sein, aber häufiges und langes Schlafen am Tag bei älteren Menschen kann ein Warnsignal für gesundheitliche Probleme sein.
  • Eine Studie zeigt, dass jede zusätzliche Stunde Tagschlaf das Sterberisiko um 13 Prozent und jedes zusätzliche Nickerchen um 7 Prozent erhöht, besonders wenn am Vormittag geschlafen wird.
  • Starke Tagesmüdigkeit kann auf Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme, Stoffwechselstörungen oder Schlafapnoe hinweisen und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Prinzipiell haben Schläfchen untertags, speziell der Mittagsschlaf, Vorteile. Ein kurzes Nickerchen kann guttun, Müdigkeit minimieren und die Konzentration verbessern. Aber das gilt offenbar nicht immer. Bei älteren Menschen könnte häufiges Schlafen am Tag nämlich ein Hinweis darauf sein, dass gesundheitlich etwas nicht stimmt.

Eine neue Studie im Fachjournal JAMA Network Open zeigt: Ältere Menschen, die tagsüber häufiger schlafen, haben ein höheres Sterberisiko. Vor allem das regelmäßige Dösen bereits in den Morgenstunden könnte ein Hinweis auf erhöhte gesundheitliche Verwundbarkeit sein.

Ein Forschungsteam von Mass General Brigham, der Harvard Medical School und dem Rush University Medical Center hat Daten von 1338 Erwachsenen ab 56 Jahren ausgewertet, die in der Gemeinde lebten und über mehrere Tage hinweg ein Aktivitätsmessgerät am Handgelenk trugen.

Anschließend wurden sie teils über viele Jahre nachverfolgt – im Schnitt gut acht Jahre, maximal fast 19 Jahre. Das Ergebnis: Längere Nickerchen, häufigere Nickerchen und Schlafepisoden am Vormittag waren mit einem höheren Risiko verbunden, im Beobachtungszeitraum zu sterben.

Die Forscher schauten sich dabei mehrere Dinge an: Wie lange jemand tagsüber schlief, wie oft das passierte, ob die Dauer stark schwankte und zu welcher Tageszeit diese Schlafphasen hauptsächlich auftraten.

Als Tagschlaf galt Schlaf zwischen 9 und 19 Uhr. Besonders auffällig war:

  • Jede zusätzliche Stunde Tagschlaf pro Tag war mit einem 13 Prozent höheren Sterberisiko verbunden.
  • Jedes zusätzliche tägliche Nickerchen ging mit einem 7 Prozent höheren Risiko einher. Menschen, die eher am Vormittag schliefen, waren zudem stärker gefährdet als jene, die vor allem früh am Nachmittag schliefen.

Gründe für starke Tagesmüdigkeit

Wichtig: Die Studie zeigt nicht, dass Nickerchen krank machen oder das Leben verkürzen, sie zeigt nur einen Zusammenhang. Nämlich, dass ausgeprägter Tagschlaf ein Warnsignal sein kann. Wer sehr oft oder sehr früh am Tag schläft, könnte gesundheitliche Probleme haben, die sich zunächst durch Müdigkeit bemerkbar machen.

Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Hinter starker Tagesmüdigkeit können etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselprobleme, chronische Schmerzen, Depressionen, Schlafstörungen wie Schlafapnoe oder auch neurodegenerative Erkrankungen stecken. Tagschlaf wäre dann nicht die Ursache, sondern eher ein Hinweis darauf, dass etwas im Körper nicht stimmt.

Ebenfalls interessant: Selbst als die Forscher andere wichtige Faktoren herausrechneten – etwa nächtlichen Schlaf, Schlafqualität, Vorerkrankungen, Medikamente, Bewegung und Einschränkungen im Alltag –, blieb der Zusammenhang bestehen. Tagschlaf scheint also nicht nur ein Ausgleich für schlechten Nachtschlaf zu sein.

Für den Alltag heißt das nicht, dass ältere Menschen auf den Mittagsschlaf verzichten sollten. Ein Schläfchen nach dem Essen kann völlig harmlos und wohltuend sein. Auffällig wird es eher dann, wenn jemand plötzlich viel mehr tagsüber schläft als früher, schon am Vormittag regelmäßig einschläft oder ohne mehrere Nickerchen kaum mehr durch den Tag kommt.

Kommentare