Stillen: 2 neue Empfehlungen für Mutter und Kind
Eine neue Leitlinie gibt klare Orientierung für das Stillen.
Eine neue medizinische Leitlinie gibt Eltern und Fachpersonal aktualisierte Empfehlungen zum Stillen. In der S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“ haben 26 wissenschaftliche Fachgesellschaften, Berufsgruppen sowie Vertreterinnen stillender Mütter zwei neue Empfehlungen zur Stilldauer festgehalten.
Koordiniert wurde das Projekt von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi).
Konkret empfiehlt die Leitlinie, reifgeborene Kinder
- in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend zu stillen.
- Darüber hinaus wird eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten angeraten.
Individuelle Situation maßgeblich
Grundlage der Empfehlungen ist eine umfassende systematische Literaturrecherche. Analysiert wurden 30 gesundheitsrelevante Endpunkte bei Mutter und Kind, darunter Infektions- und Stoffwechselerkrankungen im Kindesalter sowie Aspekte der mütterlichen Gesundheit. Als Vollstillen gelten sowohl ausschließliches Stillen – also Ernährung nur mit Muttermilch – als auch überwiegendes Stillen, bei dem zusätzlich lediglich Wasser oder Tee gegeben wird. Beim Teilstillen kommen Säuglingsanfangsnahrung oder Beikost hinzu.
„Ziel dieser Leitlinie ist es, Eltern und Gesundheitsfachpersonen eine klare, wissenschaftlich fundierte Orientierung zu geben. Trotz aller Empfehlungen: Es ist die individuelle Situation von Mutter und Kind, die maßgeblich ist! Zugleich befindet sich dieser Themenbereich in intensiver internationaler Forschung, sodass kontinuierlich mit neuen, wissenschaftlich spannenden Erkenntnissen zu rechnen ist“, wird Regina Ensenauer, DGKJ-Leitlinienkoordinatorin in einer Aussendung zitiert.
Längeres Stillen bringt gesundheitliche Vorteile
Der interdisziplinäre Konsens der 26 beteiligten Fachgesellschaften soll künftig eine einheitliche Kommunikation der Still-Empfehlungen ermöglichen und damit die Beratung von Familien erleichtern. Die aktuelle Veröffentlichung befasst sich ausschließlich mit der Stilldauer. Empfehlungen zu konkreten Interventionen zur Stillförderung sollen in einem weiteren Schritt folgen.
„Mit den Empfehlungen dieser Leitlinie konnte die bisherige Diskrepanz zwischen den WHO-Guidelines und den deutschen Handlungsempfehlungen zur Stilldauer nun aufgelöst werden. Sie schaffen Transparenz und ermöglichen eine einheitliche Beratungsgrundlage. Künftig ist klar: Längeres Stillen bringt gesundheitliche Vorteile für Mütter und ihre Kinder“, sagt Susanne Grylka, DGHWi-Leitlinienkoordinatorin.
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