Stillen könnte das Risiko für Depressionen langfristig senken
Forschende fanden nun Hinweise, dass es Mütter bis zu zehn Jahre vor Depressionen bewahren kann.
Wenn Frauen ihre Kinder stillen, haben sie statistisch betrachtet ein geringeres Brustkrebsrisiko als Frauen, die nicht stillen. Je länger die Stillzeit, desto stärker der Schutz. Eine neue Studie deutet an: Stillen könnte auch die Psyche langfristig stärken.
Demnach könnte Stillen das Risiko für Depressionen und Angstzustände bis zu zehn Jahre nach der Geburt senken. Dass Stillen mit einem geringeren Risiko für postnatale Depressionen und Angstzustände einhergeht, ist bereits seit Längerem bekannt. Unklar war bislang, ob der Effekt langfristig anhält.
Um der Frage auf den Grund zu gehen, begleitete ein irisches Forschungsteam des University College Dublin über einen Zeitraum von zehn Jahren das Stillverhalten und die Gesundheit von Müttern. Untersuchungen fanden nach drei und sechs Monaten sowie nach zwei, fünf und zehn Jahren statt. Am Ende waren die Mütter im Schnitt 42 Jahre alt.
Bei jedem Termin füllten die Frauen einen ausführlichen Fragebogen aus. Darin wurden sie gefragt, ob bei ihnen Depressionen oder Angstzustände diagnostiziert und behandelt worden waren. Außerdem gaben die Frauen Auskunft über potenzielle Einflussfaktoren wie Ernährung und Bewegung. Auch über ihr Stillverhalten berichteten sie detailliert.
Fast drei Viertel der Frauen gaben an, irgendwann gestillt zu haben. Ausschließliches Stillen dauerte im Schnitt etwas über fünf Wochen. Insgesamt stillten die Frauen rund 30 Wochen. Über ein Drittel stillte insgesamt mindestens ein Jahr.
13 Prozent berichteten bei der 10-Jahres-Untersuchung über Depressionen und/oder Angstzustände. Weitere 21 Prozent meldeten solche Belastungen zu einem anderen Zeitpunkt.
Frauen mit Depressionen hatten seltener und insgesamt kürzer gestillt
Die Daten zeigen: Frauen mit Depressionen oder Angstzuständen zehn Jahre nach der Geburt hatten seltener und insgesamt kürzer gestillt.
Jede Woche, in der ausschließlich gestillt wurde, war mit einer um zwei Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit für Depressionen und Angstzustände verbunden. Mögliche Einflussfaktoren wurden dabei berücksichtigt.
Diejenigen, die bei der Abschlussuntersuchung über Depressionen oder Angstzustände berichteten, waren außerdem jünger, körperlich weniger aktiv und schon zu Beginn der Studie stärker belastet. Frauen, die zu irgendeinem Zeitpunkt über Depressionen und Angstzustände berichteten, unterschieden sich nur hinsichtlich ihres Alters.
Stillen gilt als optimale Ernährung für Neugeborene, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt ausschließliches Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten.
Fast alle Mütter in Österreich stillen zumindest in der ersten Phase nach der Geburt, wie eine Studie der AGES und der Universität Wien im Auftrag des Gesundheitsministeriums vor einigen Jahren zeigte. In der ersten Lebenswoche sind es 96,7 Prozent, mit vier Monaten werden 77,4 Prozent der Kinder zumindest teilweise gestillt und mit sechs Monaten 64,1 Prozent.
Mitte des sechsten Lebensmonats werden noch neun Prozent der Kinder ausschließlich gestillt, gegen Ende des sechsten Monats sinkt dieser Anteil auf 1,9 Prozent und 61,5 Prozent der Kinder werden in diesem Alter nach Beikosteinführung teilgestillt.
Die Entscheidung für das Stillen und das Stillverhalten können von vielen Faktoren beeinflusst werden. Soziale Normen, das soziale Umfeld, gesundheitliche Gründe, sowie das Marketing für industriell hergestellte Säuglingsnahrung können dabei genauso eine Rolle spielen wie Medienberichte, hieß es kürzlich in einer Studie der MedUni Wien und der Yale School of Public Health.
Kausale Schlüsse schwierig
Kausale Schlüsse – ob das Stillen tatsächlich psychisch gesünder macht, oder psychisch stabile Frauen eher stillen – lassen sich aus den Daten nicht ziehen. Auch die Stichprobe – in Summe wurden nur 168 Frauen mit relativ ähnlichen sozialen Hintergründen untersucht – schmälert die Aussagekraft der Untersuchung, wie die Forschenden selbst betonen.
Dennoch vermuten die Fachleute, dass der schützende Effekt des Stillens auf die Psyche unmittelbar nach der Geburt Mütter auch langfristig vor Depressionen bewahren könnte, wie sie im Fachblatt BMJ Open schreiben. Bei Frauen mit früheren Depressionen oder Angstzuständen sei der Stillerfolg oft geringer – das verstärke den Zusammenhang in umgekehrter Richtung.
Eine Verbesserung der Stillraten und der Stilldauer könnte jedenfalls die Krankheitslast der Bevölkerung verringern und so erhebliche Einsparungen im Gesundheitswesen ermöglichen, sind die Fachleute überzeugt. Sie fordern mehr Unterstützungsmaßnahmen für Frauen und Familien.
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