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Drei Minuten Sprinten wirken stärker als 90 Minuten Joggen

Eine neue Studie zeigt erstmals, wie unterschiedlich der Körper auf Intensität reagiert.
Eine Person kniet und bindet ihre türkisfarbenen Schnürsenkel an einem dunklen Turnschuh.

Nur wenige Minuten intensives Training können offenbar mehr bewirken als anderthalb Stunden moderates Laufen. Das zeigt eine neue Studie der Rockefeller University in New York (USA). Schon drei Minuten Sprinten können demnach mehr leisten als 90 Minuten moderates Training: Sie verändern die molekulare Zusammensetzung des Blutes dramatisch.

Die Forschenden verglichen verschiedene Trainingsintensitäten und stellten fest: Sechs Durchgänge à 30 Sekunden Sprint veränderten unmittelbar danach fast ein Viertel der gemessenen Proteine. 90 Minuten moderates Radfahren veränderten dagegen weniger als ein Viertel von einem Prozent. Auch moderates Laufbandtraining veränderte deutlich weniger Proteine als ein kurzer Sprint.

Umfangreiche Veränderungen beim Sprinten

Sprinten löste Veränderungen bei mehr als 200 Stoffwechselprodukten aus. Es führte auch zu einem sofortigen Anstieg von Proteinen, die an Gefäßwachstum, Gewebeumbau und Hormonsignalen beteiligt sind. Einige dieser Proteine gelangen offenbar durch einen beschleunigten Zellsignalprozess ins Blut – Teile von Proteinen, die bereits an der Zelloberfläche sitzen, werden abgespalten und rasch freigesetzt, statt neu produziert zu werden. Die Forscher fanden zudem heraus, dass menschliche Fettzellen, die Blut nach dem Sprinten ausgesetzt wurden, umfangreiche Veränderungen in der Genaktivität zeigten – sie verarbeiteten Brennstoffe anders, reagierten auf Hormone und nahmen Nährstoffe anders wahr.

Bei moderatem Training war die Reaktion deutlich schwächer. Erst drei Stunden nach dem Training waren im Blut nennenswerte Mengen jener Fettsäuren und Leberproteine nachweisbar, die typischerweise bei Ausdauerbelastung auftreten. Fettzellen, die Blut nach moderatem Radfahren ausgesetzt wurden, zeigten nur geringe Veränderungen.

Geringeres Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen

Als die Forscher die trainingsreaktiven Proteine mit Gesundheitsdaten von mehr als 53.000 Menschen aus der UK Biobank verglichen, stellten sie fest: Viele dieser Proteine waren mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen verbunden. Besonders stark war der Zusammenhang bei Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes und anderen Stoffwechselstörungen: Von 33 Proteinen, die mit geringerem Risiko assoziiert waren, wurden 32 durch Sprinten verändert – aber nur drei durch moderates Training. Mehr als ein Viertel dieser Proteine war zudem mit langsamerem biologischen Altern verbunden.

„Das Aufregende daran ist, dass nur wenige Minuten intensives Training eine bedeutende molekulare Reaktion auslösen können“, sagt Studienleiter Cohen. „Und wir sehen sie auch nach acht Wochen Training noch, was uns zeigt, dass diese Reaktion nicht einfach das Ergebnis eines Körpers ist, der mit ungewohntem Stress zu kämpfen hat. Es könnte sein, dass die von uns beobachteten Reaktionen dem intensiven Training innewohnen.“

„Es ist allgemein anerkannt, dass verschiedene Trainingsintensitäten unterschiedliche körperweite Anpassungen stimulieren“, erklärt Luke Olsen, der Postdoktorand, der die Studien durchführte. „Die molekularen Mechanismen, die diese intensitätsabhängigen Anpassungen verbinden, sind jedoch weitgehend ungeklärt geblieben. Unsere Arbeit legt nahe, dass Exerkine – Proteine und Stoffwechselprodukte, die nach dem Training in den Blutkreislauf freigesetzt werden – sehr empfindlich auf die Trainingsintensität reagieren und möglicherweise die wichtigsten Vermittler der gesundheitsfördernden Effekte kurzer, intensiver Trainingseinheiten sind.“

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