Depression: Smartwatch könnte Rückfall frühzeitig erkennen

Daten zu Schlaf und Aktivitätsmuster können Hinweise auf eine wiederkehrende Depression geben.
Eine Person tippt auf eine Smartwatch, die eine Herzfrequenz von 75 bpm anzeigt.

Könnten Smartwatches künftig als Frühwarnsystem für depressive Rückfälle dienen? Eine neue Studie der kanadischen McMaster University liefert Hinweise darauf, dass Veränderungen im Schlaf‑ und Aktivitätsrhythmus, erfasst durch ein einfaches tragbares Gerät am Handgelenk, ein erhöhtes Risiko für einen Rückfall in eine schwere Depression anzeigen können.

Menschen mit einer Major Depression (MDD) könnten über die Smartwatch Hinweise auf Rückfälle oft Wochen oder sogar Monate im Voraus erkennen. Rund 60 Prozent der Betroffenen erkranken innerhalb von fünf Jahren erneut an einer depressiven Episode – selbst trotz Behandlung.

„Fortschritte in der digitalen Technologie und bei KI-Algorithmen bergen ein großes Potenzial für die Rückfallprävention bei psychischen Erkrankungen. Stellen Sie sich eine Zukunft vor, in der eine Smartwatch Menschen mit Depressionen warnen kann: ‚Eine neue depressive Episode tritt sehr wahrscheinlich innerhalb der nächsten vier Wochen auf. Wie wäre es mit einem Arztbesuch?‘“, sagt Benicio Frey, Professor am Institut für Psychiatrie und Verhaltensneurowissenschaften der McMaster University.

Langzeitdaten aus dem Alltag

Für die Studie wurden 93 Erwachsene begleitet, die eine Depression überwunden hatten. Sie trugen ein Gerät, das ihre Aktivitäten erfasst, vergleichbar mit einer Fitbit oder Apple Watch, über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren. Insgesamt flossen mehr als 32.000 Tage an Schlaf‑ und Bewegungsdaten in die Analyse ein.

Die Auswertung ergab mehrere deutliche Zusammenhänge:

  • Personen mit unregelmäßigen Schlafmustern hatten ein nahezu doppelt so hohes Rückfallrisiko.
  • Der stärkste Risikofaktor war ein geringer Unterschied zwischen Tagesaktivität und nächtlicher Ruhe.
  • Längere Wachphasen nach dem Einschlafen waren ebenfalls ein Hinweis auf ein erhöhtes Rückfallrisiko.
  • In den Wochen vor einem Rückfall wurden die Schlafgewohnheiten zunehmend unregelmäßiger.

Anders als klassische Verlaufsbeurteilungen, die sich stark auf subjektiv berichtete Symptome stützen, können Wearables kontinuierlich und unauffällig Veränderungen erfassen – auch zwischen Arztterminen.

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