Sex, Nähe und Sinn: Qualität ist wichtiger als Häufigkeit
Sex, Nähe und Sinn: Qualität ist wichtiger als Häufigkeit
Kurier Abonnenten erhalten 30 Prozent Rabatt auf das Sinnmacher-Abo!
So geht´s:
- Sinnmacher-App im App Store oder Google Play downloaden (QR-Code), über sinnmacher.eu gelangen Sie zu den App-Stores
- kostenloses Profil erstellen
- im Dashboard auf „Profil“ > Abos > bei „Gutscheincode“ KURIER30 (Jahresabo) oder KURIER30m (Monatsabo) eingeben
Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens. Sie kann körperlich wohltuend sein und zugleich das seelische Wohlbefinden stärken. Eine groß angelegte US-Studie, die im Vorjahr im Journal of Affective Disorders, erschienen ist, hat bei fast 16.000 Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 59 Jahren untersucht, ob die Häufigkeit sexueller Kontakte mit der Wahrscheinlichkeit für depressive Symptome zusammenhängt. Die Teilnehmenden gaben an, wie oft sie Geschlechtsverkehr hatten, und beantworteten den Patient Health Questionnaire-9 (PHQ-9), ein standardisiertes Instrument zur Erfassung depressiver Symptome.
Seltener depressiv
Die Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang: Personen, die regelmäßig Sex haben, berichten seltener von depressiven Symptomen. Besonders günstig erwies sich eine Häufigkeit von etwa ein- bis zweimal pro Woche. Häufigerer Sex brachte keinen zusätzlichen Vorteil, während geringere Frequenzen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Depressionen verbunden waren.
Die statistischen Analysen deuten zudem auf einen „Sättigungseffekt“ hin: Zwischen 52 und 103 Sexualkontakten pro Jahr – also im Durchschnitt ein- bis zweimal pro Woche – lag der Bereich, in dem die positiven Effekte auf das psychische Wohlbefinden am deutlichsten ausfielen.
Die Forschenden warnen jedoch davor, diese Zahlen als feste Richtlinie zu verstehen. Aufgrund des Querschnittdesigns lässt sich nicht klären, ob häufiger Sex tatsächlich vor Depression schützt – oder ob Menschen mit besserer psychischer Verfassung schlicht mehr sexuelles Verlangen haben. Um Ursache und Wirkung eindeutig zu bestimmen, sind weitere Langzeitstudien notwendig.
Nicht nur Frequenz entscheidend
Unabhängig davon liefern die Daten Hinweise darauf, dass Sexualität ein messbarer Bestandteil von Wohlbefinden sein kann und möglicherweise auch in Präventions- oder Therapieansätzen stärker berücksichtigt werden sollte.Die Sinnforscherin Tatjana Schnell relativiert jedoch den Fokus auf reine Häufigkeit: „Frequenz ist nicht alles.“ Einige Studien deuteten darauf hin, dass nicht die Anzahl sexueller Begegnungen entscheidend sei, sondern die Qualität der Beziehung. „Wenn intime sexuelle Erfahrungen mit Genuss und emotionaler Nähe einhergehen, dann stehen sie mit mehr Lebenssinn in Verbindung und beeinflussen ganz konkret auch Wohlbefinden und Sinnempfinden am nächsten Tag.“
Paare können Sinn in ihrer Sexualität demnach eher durch Vertrauen und emotionale Nähe entwickeln – und durch das gemeinsame Erkunden dessen, welche Formen der Intimität der Partner oder die Partnerin besonders genießt.
Nähe auch ohne Sexualität
Intimität spielt zudem auch dann eine wichtige Rolle für die individuelle Sinnsuche, wenn Sexualität aus unterschiedlichen Gründen weniger präsent ist – etwa durch gesundheitliche Einschränkungen, emotionale Belastungen oder äußere Umstände. „Ein zentrales Element von Sinnerfüllung ist das Erleben von Zugehörigkeit. Sexualität kann ein Kontext sein, in dem Zugehörigkeit erlebt wird. Aber auch andere Formen von Nähe und Verbundenheit können diese Funktion erfüllen“, so Schnell.
Lebenssinn bei Frauen
In diesem Zusammenhang verweist Schnell auf eine Studie mit Frauen im mittleren Alter zwischen 40 und 65 Jahren: Diese zeigte, dass sich sexuell aktive und nicht aktive Teilnehmerinnen nicht im empfundenen Lebenssinn unterschieden. Nähe und Zugehörigkeit lassen sich demnach durchaus auch außerhalb sexueller Begegnungen erleben.
Kommentare