Kann ein sinnvolles Leben auch leicht und lustvoll sein?
Etwas zur Gesellschaft beitragen, gesund leben, seine Arbeit gut machen, fürsorglich sein… Sinnvolle Aktivitäten scheinen oft ernst oder anstrengend. Das heißt jedoch nicht, dass Spontaneität und Leichtigkeit keinen Raum haben – eher im Gegenteil.
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Was kann man tun?
Ein sinnvolles Leben ist ein vielfältiges, lebendiges Leben. Es ist in sich stimmig,
konsequent, übernimmt Verantwortung und erfährt Resonanz. Das sind keine Qualitäten, die automatisch entstehen. Sie verlangen ein Heraustreten (lat. existere) aus Routinen und Gewohnheiten. Dafür braucht es eine Klarheit: Was ist mir wichtig, was finde ich richtig? Bin ich bereit, dafür einzustehen, auch wenn es unangenehm ist? Bin ich mir selbst und meinen Werten treu?
Bei diesen Fragen geht es um etwas. Ernsthaftigkeit ist somit wohl eine gute Art, ihnen zu begegnen. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass das Leben um vieles leichter wird, wenn diese existenziellen Eckpfeiler bewusst sind. Dann muss ich nicht in jeder Entscheidungssituation von neuem alle Pros und Kontras durchdenken, lasse mich nicht so leicht vereinnahmen, bin eher fähig, Nein zu sagen. All das schafft Raum – für das Leichte und Spontane. Für Unsinn und Spaß an der Freude.
Und überhaupt: Während einige Aktivitäten, die Menschen als sinnvoll erleben, eher weniger angenehm sind – und andere angenehm, aber sinnlos – sollte es doch auch solche geben, die beides in sich vereinen! Eine Aktivität, für die das in besonderem Maße angenommen wurde, ist künstlerische Betätigung. Die „Kunst-Hypothese“ geht davon aus, dass bei kreativen Tätigkeiten zwei neuronale Systeme aktiv sind, die mit Lust und Sinnhaftigkeit in Verbindung stehen: Das Belohnungssystem des Gehirns ist für die Maximierung des Gefühls unmittelbarer Befriedigung verantwortlich. Bei der Entstehung von Sinnerfahrungen sind Bewertungsprozesse, übergeordnete Gedächtnisprozesse und bewusste Erfahrung beteiligt.
Ist es der Fall, dass wir kreative Aktivitäten als sinnvoll und gleichzeitig lustvoll erleben? Das haben Christoph Kreiss und ich in einer sogenannten Experience Sampling Studie untersucht. Wir haben die Teilnehmenden fünfmal am Tag zu verschiedenen Zeiten digital „angeklingelt“. Sie wählten aus einer Liste von Tätigkeiten aus, was sie gerade taten, und gaben dann an, wie sinnvoll und wie angenehm sie dies erlebten.
Zwei Dinge wurden als weder sinnvoll noch angenehm bewertet: Hausarbeit und auf dem Weg sein. Studieren und Arbeiten wurden als sinnvoll, aber nicht so lustig erlebt. Essen, Entspannen, Lesen und Fernsehen/digitale Unterhaltung waren für die meisten das Gegenteil: angenehm, aber nicht sehr sinnvoll. Und im vierten Quadranten fanden sich tatsächlich – Kunst, Kultur und Musik. Allerdings nicht allein. Auch Intimität, Kommunikation und Sport wurden als gleichzeitig sinnvoll und angenehm erlebt. Was haben diese Aktivitäten gemeinsam?
Sie fordern eine besondere Präsenz oder gar Hingabe. Ob beim Musizieren, beim Sport, im Gespräch oder der intimen Nähe – wir sind aktiv beteiligt, lassen uns ein. Dabei entsteht Verbindung: All dies geschieht oft für oder mit anderen, schafft Gemeinschaft und Resonanz. Das stärkt unsere Lebendigkeit, weil wir uns dadurch ausdrücken; körperlich oder emotional, durch Worte oder Werke. So treten wir – wenn es gelingt – bewusst aus der Gewohnheit heraus und erleben Freude am Sinn.
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