Sauna: Dieser 30-Minuten-Effekt überrascht Forscher
Zusammenfassung
- Eine finnische Studie zeigt, dass ein 30-minütiger Saunagang kurzfristig die Zahl weißer Blutkörperchen im Blut erhöht.
- Der Effekt klingt aber nach etwa 30 Minuten wieder ab.
- Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Saunieren das Immunsystem kurzfristig aktiviert, ohne jedoch einen dauerhaften Schutz nachzuweisen.
Irgendwie logisch, dass so eine Studie aus Finnland kommt. Dort gehört Saunieren zum Alltag. Spannend ist der Befund der neuen Arbeit trotzdem auch für alle anderen, die daran glauben, dass diese Form des Schwitzens fit hält: Bereits ein einzelner Saunagang zeigte in der Studie eine messbare Reaktion im Immunsystem.
Fakt ist: Sauna gilt seit Langem als wohltuend. Sie entspannt, bringt den Kreislauf in Schwung und gehört in Finnland fast zur Grundausstattung des Lebens. Sie ist per se zwar nicht ausschließlich finnisch, aber mit kaum einem Land so stark verbunden.
Frühe Formen waren einfache Rauchsaunen, beheizte Holzhäuschen, in denen man schwitzte, sich wusch und zur Ruhe kam. In Finnland gilt die Sauna traditionell nicht nur als Wellnessritual, sondern als fester Bestandteil des Alltags — als Ort der Reinigung, Ruhe, des Rückzugs.
Weiße Blutkörperchen werden mobilisiert
Nun liefert eine neue Studie einen vertieften Hinweis darauf, was im Körper dabei passiert: Ein einzelner Saunagang in der Länge von 30 Minuten mobilisierte Leukozyten ins Blut, genau jene Zellen, die für die Abwehr von Krankheitserregern wichtig sind und eine wichtige Rolle in der Immunabwehr spielen.
Untersucht wurden 51 Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren. Es nahmen 27 Frauen und 24 Männer teil, ihnen wurde mehrmals Blut abgenommen.
Die Probandinnen und Probanden verbrachten 30 Minuten in einer finnischen Sauna bei 73 Grad Celsius, mit einer kurzen kalten Dusche nach der Hälfte der Zeit. Danach war die Zahl aller zirkulierenden weißen Blutkörperchen erhöht.
Besonders relevant: Auch Neutrophile und Lymphozyten nahmen zu. Beide Zelltypen sind wichtige Bestandteile der Immunabwehr. Der Effekt war allerdings nicht dauerhaft: Rund 30 Minuten nach der Sitzung lagen diese Werte wieder auf dem Ausgangsniveau.
Bessere Überwachung
Ilkka Heinonen von der Universität Turku dazu: „Das könnte darauf hindeuten, dass Saunieren zusätzliche weiße Blutkörperchen aus dem Gewebe in den Blutkreislauf mobilisiert, wo sie nach der Sitzung wieder dorthin zurückkehren. Eine solche regelmäßige Freisetzung weißer Blutkörperchen ins Blut ist vorteilhaft, weil sie den Körper, sobald sie ihre Speicherorte verlassen haben, besser überwachen und auf Krankheitserreger reagieren können.“
Die Freisetzung von Leukozyten in den Blutkreislauf, wie sie zum Beispiel auch bei körperlicher Bewegung auftritt, sei eine Strategie des Organismus, die Immunüberwachung im gesamten Organismus zu verstärken und seine Abwehr zu verbessern.
Neben den Immunzellen untersuchte das Team auch zahlreiche Zytokine, also Botenstoffe des Immunsystems. Im Durchschnitt zeigte Saunieren hier nur geringe Veränderungen.
Interessant war aber: Mehrere Zytokinwerte veränderten sich in Abhängigkeit davon, wie stark die Körpertemperatur während des Saunierens anstieg. Einen vergleichbaren Zusammenhang fanden die Forschenden bei den weißen Blutkörperchen nicht.
Die Studie wurde im Fachjournal Temperature veröffentlicht. Untersucht wurde nur eine einzelne Saunasitzung und nur der unmittelbare Effekt danach. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Sauna kurzfristig vor Infekten schützt oder langfristig automatisch das Immunsystem „boostet“.
Trotzdem ist der Befund interessant. Denn regelmäßige Saunabesuche wurde in früheren Beobachtungsstudien bereits mit verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht. Die neue Arbeit zeigt nun einen möglichen biologischen Baustein dazu: Der Körper reagiert auf die Hitze offenbar mit einer kurzfristigen Mobilisierung von Immunzellen.
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