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Was der Ruhepuls über das Schlaganfallrisiko verraten kann

Studie: Bei einem Ruhepuls unter 50 oder über 90 Schlägen pro Minute könnte das Schlaganfallrisiko erhöht sein.
Ein Arzt hält ein rotes Herz in seinen Händen.

Zusammenfassung

  • Eine große britische Studie zeigt, dass sowohl sehr niedriger als auch hoher Ruhepuls mit erhöhtem Schlaganfallrisiko verbunden sind, besonders bei Menschen ohne Vorhofflimmern.
  • Das geringste Risiko wurde bei einer Ruheherzfrequenz von 60 bis 69 Schlägen pro Minute festgestellt; Werte unter 50 oder über 90 erhöhen das Risiko deutlich.
  • Die Forschenden betonen, dass der Ruhepuls ein einfaches Instrument zur Risikoeinschätzung sein kann, aber weitere Studien zur Klärung der Ursachen nötig sind.

Ein Ruhepuls zwischen 60 und 69 Schlägen pro Minute dürfte mit dem geringsten Schlaganfallrisiko verbunden sein. Deutlich niedrigere oder höhere Werte könnten dagegen ein Warnsignal sein. Das zeigt eine große epidemiologische Studie des Imperial College London, die bei der Jahreskonferenz der Europäischen Schlaganfallorganisation in Maastricht vorgestellt wurde.

Für die Untersuchung wurden Daten von rund 460.000 Menschen aus der britischen Biobank ausgewertet. Die Teilnehmenden wurden im Schnitt 14 Jahre lang beobachtet. In diesem Zeitraum traten 12.290 Schlaganfälle auf. Laut Aussendung der Europäischen Schlaganfallorganisation handelt es sich um die bisher größte Studie dieser Art.

Risiko bei sehr niedrigem und sehr hohem Puls erhöht

Das Schlaganfallrisiko war laut Studie bei einer Ruheherzfrequenz von 60 bis 69 Schlägen pro Minute am niedrigsten. Bei Werten unter 50 Schlägen pro Minute war das Risiko um 25 Prozent erhöht. Bei einer Ruheherzfrequenz von mehr als 90 Schlägen pro Minute lag es um 45 Prozent höher.

Wichtig dabei: Der Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem bekannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Vorhofflimmern berücksichtigt worden waren. Die Forschenden sehen darin einen Hinweis, dass es sich nicht nur um einen Zufallsbefund handeln dürfte.

Unterschiedliche Schlaganfallformen betroffen

Sehr niedrige Herzfrequenzen waren vor allem mit ischämischen Schlaganfällen verbunden. Dabei wird ein Blutgefäß im Gehirn durch ein Gerinnsel verschlossen. Eine mögliche Erklärung: Bei sehr langsamem Herzschlag verlängert sich die Entspannungsphase zwischen den Schlägen, was die Durchblutung des Gehirns beeinflussen könnte.

Ein hoher Ruhepuls war hingegen sowohl mit ischämischen als auch mit hämorrhagischen Schlaganfällen verbunden. Letztere entstehen durch Blutungen im Gehirn. Eine erhöhte Herzfrequenz könnte auf eine stärkere Belastung der Gefäßwände hinweisen und damit verschiedene Formen von Gefäßschäden begünstigen.ahmen.

Besonders relevant ohne Vorhofflimmern

Die Aussagekraft des Ruhepulses zeigte sich vor allem bei Menschen ohne Vorhofflimmern. Bei Personen mit dieser Rhythmusstörung war der Zusammenhang nicht klar erkennbar. Der Grund dürfte sein, dass Vorhofflimmern selbst ein sehr starker Risikofaktor für Schlaganfälle ist und das Risiko etwa verfünffachen kann.

Dexter Penn, Hauptautor der Untersuchung, erklärte, die Herzfrequenz sei daher besonders bei Menschen ohne Vorhofflimmern ein mögliches zusätzliches Instrument, um das Schlaganfallrisiko besser einzuschätzen.

Auch Alastair Webb, außerordentlicher Professor für Schlaganfallmedizin am Imperial College London und Mitautor der Studie, betonte die praktische Bedeutung des Befunds: Die Ruheherzfrequenz sei ein einfacher Wert, der bei der Beurteilung des Herz-Kreislauf-Risikos mehr Beachtung verdienen könne – besonders bei Menschen ohne Vorhofflimmern.

Selbstdiagnose - und wann zum Arzt?

Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass jeder Mensch mit niedrigem oder hohem Ruhepuls automatisch ein hohes Schlaganfallrisiko hat. Entscheidend ist der medizinische Gesamtzusammenhang. Ein niedriger Ruhepuls ist nicht automatisch ein Warnzeichen – bei gut trainierten Menschen kann er normal sein. Auch ein hoher Ruhepuls kann viele Ursachen haben, etwa Stress, Infekte, Schlafmangel oder Medikamente. 

Abklären lassen sollte man den Ruhepuls, wenn Werte unter 50 oder über 90 Schlägen pro Minute wiederholt auftreten und nicht erklärbar sind – etwa durch Sportlichkeit, Medikamente, Fieber, Stress oder akute Belastung. Besonders wichtig ist eine ärztliche Kontrolle bei Schwindel, Atemnot, Brustschmerzen, Herzstolpern, Ohnmachtsgefühl oder deutlichem Leistungsknick.

Die Forschenden betonen, dass weitere Studien nötig sind, um die biologischen Mechanismen besser zu verstehen und mögliche Konsequenzen für die Behandlung abzuleiten. Sehr niedrige oder sehr hohe Ruhepulswerte sollten Ärztinnen und Ärzte aber dazu veranlassen, das individuelle Herz-Kreislauf-Risiko genauer zu prüfen – inklusive Lebensstil, Blutdruck, Diabetesrisiko und üblicher Präventionsmaßnahmen.

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