Was bringt ein Kurztrip ins Warme wirklich?

Ein Flugzeug fliegt von einer verschneiten Winterlandschaft mit Tannen zu einem sonnigen Strand mit blauem Meer.
Ein Kurzurlaub in der Sonne kann wohltuend sein, birgt jedoch auch gesundheitliche Herausforderungen. Was zu beachten ist, sagt Reisemediziner Dr. Marton Szell.

Sonne, Wärme und Sand zwischen den Zehen statt Schneematsch unter den Schuhen? Ein verlockender Gedanke, vor allem wenn die letzten Sonnenstrahlen gefühlte Lichtjahre entfernt scheinen. Dann zieht es viele für einen schnellen Trip in wärmere Gefilde. Doch bringt ein derartiger Kurzurlaub im Winter wirklich den erhofften Stimmungsumschwung? Oder steckt im schnellen Klimawechsel auch eine Portion Stress?

„Es gibt Menschen, die brauchen nur einen langen Spaziergang im Wald, um sich zu erholen“, sagt Reisemediziner Dr. Marton Szell von der Tropenordination Wien Mitte. „Andere brauchen mehrere Tage, um den Alltag hinter sich zu lassen.“ Wer Sonne und Wärme sucht, spürt oft schon nach wenigen Tagen eine bessere Stimmung – vorausgesetzt, die Reise ist nicht zu lang. Lange Flüge Richtung Osten oder Westen bedeuten nicht nur eine Zeitverschiebung, sondern auch Stress: enge Sitze, lange Wartezeiten, vielleicht sogar Flugangst. „Für einen Kurztrip empfehle ich Ziele ohne große Zeitverschiebung, etwa im Nahen Osten, Nordafrika oder auf den Kanaren“, so der Experte.

Achtung auf Herz-Kreislauf

Der Wechsel von Winterkälte zu sommerlicher Wärme ist für die meisten unproblematisch. Aber Szell warnt: „Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck sollten bedenken, dass Reisen immer auch eine gewisse Belastung mit sich bringt.“ Notwendige Medikamente müssen mitreisen und Kühlketten sollten nicht unterbrochen werden. Und dann ist da noch die Sache mit der Sonne. Sie macht sicher gute Laune, kann aber auch gnadenlos sein. Gerade bei ungewohnter UV-Strahlung ist der Sonnenbrand schneller da, als man denkt. „Sonnenschutz ist Pflicht, egal ob Sie am Strand urlauben oder in den Alpen Ski fahren“, betont der Reisemediziner.

Wer hofft, in wenigen Tagen seinen Vitamin-D-Spiegel deutlich zu steigern, wird enttäuscht. „Ein Kurzurlaub reicht dafür nicht aus, und der Zusammenhang zwischen Vitamin D und Stimmung ist wissenschaftlich umstritten“, erklärt Szell. Was sich allerdings sehr wohl verändert, ist der Flüssigkeitshaushalt: Höhere Temperaturen und mehr Bewegung bedeuten mehr Schwitzen. „Trinken Sie ausreichend – das ist eine einfache aber wichtige Urlaubsregel.“

Eine oft unterschätzte Gefahr lauert nicht im Klima, sondern auf dem Weg, besser gesagt auf dem Rückweg. Grippeviren gehören zu den häufigsten Souvenirs aus dem Urlaub. „Flugzeuge und Flughäfen sind ideale Orte für Ansteckungen“, sagt Szell. Enge Sitzreihen, recycelte Luft und viele Menschen auf engem Raum, das schafft perfekte Bedingungen für Viren.

Und die Stimmung nach der Rückkehr? Sonne und Wärme können schon kleine Wunder wirken, aber nicht bei allen. Manche Menschen fühlen sich nach einem Skiwochenende im Winter wohler als nach einem Strandtrip. „Oft ist es weniger die Temperatur, die nach der Rückkehr für den Blues sorgt, sondern der abrupte Wiedereinstieg in den Alltag“, so Szell.

Fazit des Reisemediziners: Ein Kurzurlaub ins Warme kann eine herrliche Winterflucht sein, vorausgesetzt er ist gut geplant. Wichtig sind: wenige Flugstunden, keine extreme Zeitverschiebung, Sonnenschutz ins Gepäck und das eigene Wohlbefinden im Blick haben. Dann können ein paar Tage Sommer mitten im Jänner tatsächlich Wunder wirken.

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