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23.05.2018

Prognose: Jeder Fünfte fettleibig, jeder Achte Diabetiker

Bis 2045 könnten weltweit 22 Prozent der Menschen adipös sein und zwölf Prozent an Diabetes Typ 2 leiden.

Krankhaft übergewichtig und zuckerkrank – so wird die Bevölkerung in knapp 27 Jahren aussehen. Bereits jetzt ist die Zahl der fettleibigen oder an Diabetes erkrankten Menschen weltweit besorgniserregend: Bezogen auf die Weltbevölkerung waren schon 2017 14 Prozent der Menschen adipös und neun Prozent hatten Diabetes Typ 2.

Als übergewichtig gilt man bereits mit einem Body-Mass-Index ( BMI) von 25 bis 30, als fettleibig erst ab Werten über 30. Diabetes Typ 2 ist eine chronische Krankheit, die beeinflusst, wie der Körper Zucker verstoffwechselt. Obwohl mehr Erwachsene Diabetes Typ 2 haben, erkranken immer öfter Kinder daran, weil auch der Anteil von adipösen Kindern und Jugendlichen steigt. Es gibt zwar noch kein Heilmittel, die Krankheit kann aber durch einen Lebensstilwandel – etwa gesündere Essgewohnheiten und mehr Bewegung –, sowie Medikamente, um den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, gehandhabt werden.

Die dänischen und englischen Wissenschaftler der aktuellen Studie analysierten Bevölkerungsdaten einer WHO (Weltgesundheitsorganisation). In Kombination mit Faktoren wie Lebensweise, Ernährung und genetischer Neigung zu Diabetes, führten die Analyse zu ihren Prognosen.

Doch so weit muss es gar nicht kommen: 2014 starteten Institutionen aus Dänemark und Großbritannien ein Projekt, das die steigenden Diabetes-Werte in Städten bekämpfen sollte. Ihr Programm wurde in 15 Städten realisiert – unter anderem in Rom, Johannesburg, Vancouver und Buenos Aires – und war ein Erfolg: Es zeigte die verschiedenen Herausforderungen der jeweiligen Städte bezüglich der Bekämpfung von Diabetes-Ursachen auf.

327 Milliarden Dollar für Diabetes ausgegeben

Laut den Wissenschaftlern wird es bis 2045 einen Anstieg von Menschen mit Adipositas von aktuell 14 auf 22 Prozent geben. Dadurch werden auch mehr Menschen an Diabetes Typ 2 erkranken. Doch damit nicht genug: Auch die Gesundheitssysteme geben riesige Summen aus, um dieser Krankheit Herr zu werden. Die American Diabetes Association gab im März 2018 neue Werte bekannt: 2012 wurden in den USA 245 Milliarden Dollar für Diabetes ausgegeben. Fünf Jahre später hat sich diese Summe auf 327 Milliarden Dollar erhöht. Sofern die Anzahl der Diabetiker in den nächsten Jahren nicht zurückgeht, werden die globalen Gesundheitssysteme noch weiter belastet werden, wodurch weniger Ressourcen für andere Krankheiten zur Verfügung stünden.

Obwohl sofortige Bemühungen die Fettleibigkeits-Epidemie nicht gleich umkehren werden, ist es essenziell, Diabetes und Adipositas vorzubeugen. Um den Anstieg von Diabetes Typ 2 bei zehn Prozent zu stoppen, müssten die Adipositas-Werte bis 2045 um rund ein Viertel (von 14 auf zehn Prozent) fallen. Die Autoren betonen aber auch, dass diese Werte nur für das globale Szenario zutreffen. Für jedes Land wurden in der Studie eigene Werte berechnet. Wie sich zeigte sind die USA bezüglich der Vorherrschaft von Adipositas und Diabetes Spitzenreiter: Bis 2045 könnte  jeder zweite Amerikaner krankhaft übergewichtig sein. Damit ginge auch ein Anstieg des Diabetes Typ 2 einher: In 27 Jahren wäre davon jeder Sechste betroffen.

Es braucht individuelle Lösungen

Alan Moses, Studienautor und Wissenschaftler am Novo Nordisk Research and Development Institut in Søborg, Dänemark, merkt an: "Diese Zahlen sind Vorboten der Herausforderungen, denen unsere Welt in der Zukunft gegenüberstehen wird. Es wird mehr fettleibige Menschen geben, folglich auch mehr Diabetiker. Abgesehen von den medizinischen Aufgaben, die auf die Menschheit zukommen, werden die Kosten für die Gesundheitssysteme enorm sein." Er fügt hinzu, dass effektive globale Programme zur Verringerung von Adipositas derzeit die beste Möglichkeit darstellen würden, um den Anstieg von Diabetes zu verlangsamen oder zu stabilisieren. Der Autor betont: "Jedes Land ist anders, auf Grund von einzigartigen genetischen, sozialen und umweltbedingten Umständen." Aus diesem Grund gäbe es keine Herangehensweise, die für alle Länder gleichermaßen passen würde. Die Nationen müssten selbst an ihrer jeweiligen Strategie arbeiten.