"Typ-2-Diabetes ist durch vegane Ernährung heilbar"

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Foto: /Commercial Image Photography Neal Barnard, Präsident des Physicians Committee for responsible medicine, und sein Team.

Ein Forschungsteam in Washington will nationale Ernährungsrichtlinien reformieren. Eine Umstellung der Essensgewohnheiten soll zur konventionellen Therapieform werden.

Mehr als 30 Millionen Amerikaner leben mit Diabetes, davon 90 Prozent mit Typ-2. Diese Art der Stoffwechselerkrankung wird meist verursacht durch einen Mix aus schlechter Ernährung und mangelnder Bewegung. Mediziner und Ernährungswissenschaftler Neal Barnard will den Aufwärtstrend verhindern: "Wir müssen uns darauf fokussieren, was Menschen essen", so der Präsident des Physicians Committee for responsible medicine im Gespräch mit KURIER. Man könne Typ-2-Diabetes durch Ernährung nicht nur verhindern, sondern auch rückgängig machen. In Forschungsarbeiten – gesponsert durch das Nationale Gesundheitsinstitut – zeigen Barnard und sein Team, dass eine fettarme vegane Ernährung genauso effektiv bei der Stabilisierung des Blutzuckers sein kann, wie Diabetes-Medikamente. Eine pflanzliche Ernährung senkte den HbA1c-Wert um 1,2, führte zu Gewichtsverlust, zu einer Verringerung des Blutdrucks und zu einer Verbesserungen des Cholesterinspiegels.

Amerikaner und Europäer haben Tierprodukte zwar schon lange auf ihrem Speiseplan stehen, aber die Menge steigerte sich. "Wir glauben, dass das der Grund ist, wieso auch die Anzahl an Diabetikern steigt. Der übermäßige Konsum von Fleisch, Käse und Eiern und anderen fettigen Produkten verursacht Insulinresistenz. Denn kleine Fettpartikel bauen sich in den Muskel- und Leberzellen auf. Sie hindern das Insulin daran, die Zelle für die Aufnahme von Glukose zu öffnen", so Barnard. Hoher Blutzucker ist die Folge. Problematisch sind demnach also nicht nur zu viele Kohlenhydrate, sondern auch das Fett in den Zellen. Die Lösung? "Eine vegane Ernährung reinigt die Zellen vom Fett", ist Barnard überzeugt.

Powerfood

Das beste Power-Food seien Gemüse, Früchte, Vollkorn und Bohnen. Auch heimische Experten sind dem nicht völlig abgeneigt: "Prinzipiell kann man einer pflanzenbasierten Mischkost viel abgewinnen, denn vollwertig hält gesund und fördert die Leistung. Das heißt nicht, dass kein Fleisch gegessen werden darf, aber in Maßen. Pro Woche maximal drei Portionen an fettarmen Fleisch. Rotes Fleisch – also Wurstwaren oder Rind, Schwein und Lamm – eher selten. Es kann das Risiko für Diabetes erhöhen und es gibt Daten dafür, dass zu viel davon das Risiko für gewisse Krebsarten ansteigen lässt", so Friedrich Hoppichler, ärztlicher Direktor im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Salzburg, zum KURIER. Barnard plädiert für eine Speiseplanumstellung als konventionelle Therapie. Erst wenn die nicht zur Gänze hilft, sollen Medikamente als alternative Therapie herangezogen werden. Bisher würden viele US-Ärzte den Aspekt Ernährung noch ignorieren.

- Magdalena Meergraf

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(kurier) Erstellt am