Blutwäsche bei Präeklampsie: Neue Hoffnung für Schwangere
Blutwäsche könnte bei Präeklampsie helfen.
Eine neue Studie gibt Hoffnung für Frauen mit schwerer Präeklampsie in der Spätschwangerschaft. US‑amerikanische Forschende berichten, dass die gezielte Entfernung des Proteins sFlt‑1 aus dem Blut der Mutter den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen und die Schwangerschaft verlängern könnte. Die Ergebnisse wurden in Nature Medicine veröffentlicht.
Die Präeklampsie, auch als Schwangerschaftsvergiftung bekannt, tritt bei etwa zwei bis fünf von 100 Schwangerschaften auf und ist durch Bluthochdruck, Eiweißausscheidung im Urin und Wassereinlagerungen gekennzeichnet. Sie stellt insbesondere im dritten Trimester eine lebensbedrohliche Komplikation für Mutter und Kind dar. „Bisher ist die einzige etablierte Therapie die vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft, oft per Kaiserschnitt, was bei sehr frühen Stadien ein hohes Risiko für das Kind bedeutet“, erklärt Karl Winkler vom Universitätsklinikum Freiburg gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.
Spezielles Blutwäsche-Verfahren entfernt schädigendes Protein
Im Zentrum der Erkrankung steht das von der Plazenta freigesetzte Protein sFlt‑1, das bei Präeklampsie in großen Mengen ins mütterliche Blut gelangt. Das Forschungsteam um Ravi Thadhani vom Cedars‑Sinai Medical Center in Los Angeles entwickelte nun ein spezielles Apherese‑Verfahren, bei dem sFlt‑1 gezielt aus dem Blut entfernt wird - ohne zusätzliche Medikamente. Apherese ist ein medizinisches Verfahren, bei dem Blut außerhalb des Körpers gefiltert wird, um gezielt bestimmte Bestandteile wie Proteine, Antikörper oder Fette zu entfernen. Das gereinigte Blut wird anschließend wieder in den Körper zurückgeführt und kommt unter anderem bei Autoimmunerkrankungen und Stoffwechselstörungen zum Einsatz.
Nach erfolgreichen Tests im Tiermodell und bei gesunden Freiwilligen wurde das Verfahren bei 16 Schwangeren mit sehr früher Präeklampsie angewendet. Die Apherese senkte die sFlt‑1‑Spiegel pro Behandlung um rund 17 Prozent, zugleich ging der Blutdruck leicht zurück. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf.
Im Median konnte die Schwangerschaft um etwa zehn Tage verlängert werden. Das ist ein Zeitraum, der für die Entwicklung des ungeborenen Kindes medizinisch bedeutsam sein kann. Die Geburtsgewichte blieben dabei stabil oder nahmen sogar zu.
Gut verträglich, aber weitere Studien nötig
Von einem Durchbruch möchte Experte Winkler dennoch nicht sprechen. Zwar sei die Verlängerung der Schwangerschaft durch Apherese bereits aus früheren Studien bekannt, die aktuellen Ergebnisse lieferten jedoch wichtige Hinweise auf die zugrunde liegenden Mechanismen. Einzelne Nebenwirkungen wie vorübergehender Kalziummangel, Hautblutungen an der Einstichstelle oder vorzeitige Wehen wurden berichtet.
Das Fazit der Forschenden: Die selektive Entfernung von sFlt‑1 scheint für Mutter und Kind gut verträglich zu sein und könnte einen krankheitsverstärkenden Kreislauf in der Plazenta zumindest vorübergehend unterbrechen. Weitere Studien müssen nun zeigen, welchen Stellenwert das Verfahren künftig in der Behandlung der Präeklampsie haben kann.
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