Was Ostern für Familien bedeutet
Familie auf Ostereiersuche
Ein unsichtbarer Hase, bunte Eier, geheimnisvolle Verstecke – für Kinder ist Ostern ein Fest voller Magie. Im religiösen Sinn erinnert es an den Tod und die Auferstehung Jesu und damit an die Hoffnung auf ein Leben „danach“. Für Familien ist es zugleich eine Gelegenheit, zusammenzukommen und ein gemeinsames Ritual zu pflegen.
Schaut man genauer hin, wirkt die Tradition des Osterhasen fast skurril: Ein Hase mit aufrechtem Gang bemalt Eier und versteckt sie, samt Süßigkeiten und oft sogar größeren Geschenken, in den Gärten der Welt. Warum? Psychologin Constanze Volkmann, Fachsektion Kinder, Jugend und Familie des BÖP, erklärt: „Pragmatisch betrachtet und ohne religiösen Impact kann man es so sehen: Hasen vermehren sich sehr schnell, Eier sind seit Jahrhunderten ein Symbol für neues Leben. Diese Kombination passt perfekt zum Frühling, wenn alles erwacht.“
Magische Anziehung
Die Verbindung ist logisch: Der Hase steht für Lebendigkeit und Schnelligkeit, das Ei für den Beginn neuen Lebens. Zusammen ergibt das etwas, was den Frühling und die Freude des Neubeginns verkörpert.
„Kinder lieben diese magische Geschichte“, sagt Volkmann. Die Ostereiersuche ist dabei meist der Höhepunkt – und auch Erwachsene verspüren die Freude am Finden. „Das ist evolutionspsychologisch verankert. Schon unsere Vorfahren mussten Nahrung finden, und das wurde als befriedigend erlebt“, so Volkmann. Man erlebt dabei zusätzlich den Reiz der sogenannten Objektpermanenz: Etwas ist da, auch wenn man es gerade nicht sieht. Die Spannung, etwas Verstecktes zu entdecken, macht die Besonderheit, egal ob beim Osternest, im Wühltisch oder sogar beim Surfen im Internet.
Abschied vom Glauben
Manche Kinder halten dabei selbst mit elf oder zwölf Jahren noch am Glauben fest, auch wenn sie innerlich längst wissen, wie die Eier ins Nest kommen. Als Elternteil fragt man sich: Soll man die Wahrheit sagen oder den Zauber bewahren? „Das hängt vom Entwicklungsstand des Kindes ab und von dessen Bedürfnissen“, meint Volkmann. Wenn Eltern Sorge haben, dass sich ihr bald jugendliches Kind in der Schule blamiert, lohnt es sich, genauer hinzusehen: „Manchmal halten Kinder am Glauben fest, weil sie wissen, dass sie dann Geschenke bekommen. Das kann auch ein Stück weit instrumentalisiert werden“, erklärt Volkmann. Ihr Rat: „Solange Kinder das genießen, würde ich das unterstützen.“ Der Abschied kommt von selbst – und auch ohne den Hasen kann das gemeinsame Suchen zu einem festen Familienritual werden, das noch verbindet, wenn die Kinder längst ausgezogen sind.
Rituale sind nicht nur zu Ostern wichtig. Sie geben Orientierung, Struktur und Stabilität, gerade in einer Zeit, in der das Jahr oft nur als Linie und nicht mehr als Kreislauf erlebt wird, so Volkmann. „Wiederkehrende Momente im Jahresverlauf sind hilfreich und stabilisierend. Sie können auch später, wenn Kinder erwachsen sind, als Grundstein für Zusammenhalt dienen – selbst wenn Familientreffen manchmal mit Spannungen verbunden sind.“
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