Punkte und Fäden im Blickfeld? Wann sie ein Warnsignal sind
Sie sehen aus wie kleine Punkte, Fäden oder Schatten, die im Auge durchs Blickfeld treiben: So genannte Mouches volantes sind oft lästig, aber meist nicht gefährlich.
Eine aktuelle retrospektive Kohortenstudie aus sieben Hausarztpraxen in den Niederlanden zeigt allerdings, dass neu auftretende oder deutlich veränderte Mouches volantes ernst genommen werden sollten.
In der Auswertung ging es um Erwachsene, die wegen Mouches volantes, Lichtblitzen oder beidem ärztlich vorstellig wurden.
Die Forschenden analysierten 1.181 Behandlungsanlässe aus den Jahren 2012 bis 2021. In 77 Fällen wurde eine Netzhautablösung festgestellt. Das absolute Risiko dafür lag bei 6,1 Prozent, wenn nur Mouches volantes angegeben wurden, bei 4,7 Prozent bei Lichtblitzen allein und bei 8,4 Prozent, wenn beides gemeinsam auftrat.
Mouches volantes – mit oder ohne Lichtblitze – können ein Warnsignal sein.
Vieles harmlos, manches nicht
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn die Beschwerden neu sind, sich vor kurzem verändert haben oder wenn viele solcher Punkte plötzlich auftreten. In der Studie war das Risiko höher, wenn mehr als zehn Mouches volantes beschrieben wurden oder wenn Betroffene ihre Symptome als Wolke, Schleier oder Vorhang schilderten.
Das heißt nicht, dass hinter Mouches volantes automatisch etwas Gefährliches steckt. Zu den häufigsten abschließenden Diagnosen gehörten in der Studie Glaskörpertrübungen ohne spezifische Erkrankungsdiagnose, eine hintere Glaskörperabhebung und Migräne. Gerade deshalb ist das Thema so tückisch: Vieles ist harmlos, manches aber nicht.
Die hintere Glaskörperabhebung ist die häufigste Ursache für akut auftretende Mouches volantes oder Lichtblitze. Dabei zieht sich der Glaskörper zusammen und löst sich von der Netzhaut. Das ist oft eine altersbedingte Veränderung.
Problematisch wird es, wenn dabei Zugkräfte an der Netzhaut entstehen: Dann kann ein Netzhautriss entstehen, aus dem sich wiederum eine Netzhautablösung entwickeln kann.
Für die Praxis ist deshalb weniger die Frage entscheidend, ob jemand Mouches volantes hat, sondern wie sie auftreten.
Und wann zum Augenarzt?
Beschwerden rasch abklären lassen, wenn eines oder mehrere dieser Zeichen dazukommen:
- plötzlicher Beginn (neu aufgetreten)
- rasche Zunahme der Punkte/Fäden, vor allem wenn es „wie eine Wolke“ wirkt
- Lichtblitze
- ein dunkler Schatten oder ein „Vorhang“ im Gesichtsfeld
- das Gefühl, schlechter zu sehen
- Gesichtsfeldausfall (ein Teil des Blickfelds fehlt).
- Solche Beschwerden können zu einer hinteren Glaskörperabhebung passen, in manchen Fällen aber auch auf einen Netzhautriss oder eine beginnende Netzhautablösung hinweisen.
Eine klinische Übersichtsarbeit im Fachjournal CMAJ empfiehlt bei akut aufgetretenen Beschwerden mit Gesichtsfeldausfall sogar eine taggleiche augenärztliche Abklärung; ohne Gesichtsfeldausfall sollte die Untersuchung innerhalb einer Woche erfolgen.
Wichtig ist auch: Mit einer einfachen Untersuchung mit dem direkten Ophthalmoskop allein lässt sich das Problem nicht sicher ausschließen, weil Netzhautrisse oft in der Peripherie liegen. Entscheidend ist eine augenärztliche Untersuchung mit erweiterter Pupille.
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