2,5 Jahre "jünger"? Forscher entdecken den Effekt dieser Diät

Die MIND-Diät war in einer neuen Studie mit rund 2,5 Jahren weniger Hirnalterung verbunden. Eine Expertin über die Hintergründe.
Healthy Eating Concept with Fresh Vegetables

Zusammenfassung

  • Eine neue Studie zeigt, dass die MIND-Diät mit rund 2,5 Jahren weniger Hirnalterung verbunden ist.
  • Die MIND-Diät kombiniert mediterrane und DASH-Ernährung und setzt auf viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch und wenig rotes Fleisch oder Zucker.
  • Die Studie ist beobachtend und beweist keine Kausalität, betont aber die Bedeutung eines langfristig gesunden Ernährungsmusters für das Gehirn.

Was wir täglich essen, beeinflusst nicht nur Gewicht, Blutzucker und Herz. Offenbar spielt Ernährung auch für das Gehirn eine größere Rolle, als lange angenommen. Darauf weist eine neue Studie im renommierten Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry hin: Menschen, die sich über Jahre stärker an die sogenannte MIND-Diät hielten, zeigten in Hirnscans per MRT weniger ungünstige Veränderungen im Gehirn.

Langsamere Hirnalterung

Das Besondere: Die Forschenden schauten nicht nur auf Essgewohnheiten, sondern auf die Entwicklung des Gehirns über viele Jahre hinweg. Analysiert wurden 1.647 Erwachsene mittleren und höheren Alters. Ihre Ernährung war zuvor wiederholt erfasst worden, dazu kam der Blick ins Gehirn. 

Die Studie zeigt also nicht nur eine Momentaufnahme, sondern Veränderungen im Lauf der Zeit.

Das zentrale Ergebnis: Wer sich stärker an die MIND-Diät hielt, verlor langsamer graue Substanz – also jenen Teil des Gehirns, der für Gedächtnis, Lernen und Denken wichtig ist. Auch andere Veränderungen, die als Zeichen von Hirnalterung gelten, entwickelten sich langsamer.

Die Zahlen dahinter sind bemerkenswert: Ein um drei Punkte höherer MIND-Score war mit einer um 20,1 Prozent abgeschwächten altersbedingten Abnahme der grauen Substanz verbunden. Umgerechnet entsprach das über die rund zwölf Jahre Beobachtungszeit etwa 2,5 Jahren weniger Hirnalterung. 

Wichtig: Die Studie spricht nicht davon, dass das Gehirn „verjüngt“ wurde, sondern davon, dass bestimmte Alterungsprozesse langsamer verliefen.

Das ist die MIND-Diät

Die MIND-Diät (Abkürzung für: Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay) kombiniert Elemente der Mittelmeerdiät und der DASH-Diät, einer Ernährungsweise, die ursprünglich der Blutdrucksenkung dienen sollte. 

Frühere Arbeiten brachten sie bereits mit einem langsamere geistigem Abbau in Verbindung. Entwickelt wurde das gesamte Konzept mit Blick auf die Hirngesundheit.

Im Zentrum stehen Lebensmittel, die in früheren Studien immer wieder mit besserer Herz-, Gefäß- und Hirngesundheit in Verbindung gebracht wurden.

Dazu gehören: grünes Blattgemüse, weitere Gemüsesorten, Beeren, Bohnen und diverse Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkorn, Fisch, Geflügel und Olivenöl. Seltener gegessen werden sollten rotes Fleisch, Butter oder Margarine, viel Käse, Süßigkeiten, Gebäck, Fast Food und Frittiertes.

Expertin ordnet ein

Barbara Prüller-Strasser, Professorin für Ernährungswissenschaften an der Medizinischen Fakultät der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, hält die neue Arbeit für methodisch stark. „Ein großer Vorteil dieser Studie ist der Langzeitverlauf. Der zweite ist, dass sie auf klaren Messdaten beruht – also auf wiederholten MRT-Untersuchungen über viele Jahre hinweg.“

Ein wichtiger Punkt: Denn viele Ernährungsstudien arbeiten mit Fragebögen und testen Gedächtnis oder Aufmerksamkeit. Hier wurde zusätzlich direkt ins Gehirn geschaut. 

Die Ergebnisse seien spannend, die Untersuchung beweist allerdings nicht, dass die MIND-Diät allein das Gehirn schützt. Es handelt sich laut Prüller-Strasser um eine Beobachtungsstudie. Diese zeige keine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung. „Man kann daraus keine Kausalität ableiten, sondern nur Zusammenhänge.“

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Barbara Prüller-Strasser: "Nicht die Handvoll Heidelbeeren allein macht den Unterschied, sondern das, was über Jahre regelmäßig gegessen wird."

Superfood fürs Hirn?

Die Forschenden berücksichtigten in ihrer Analyse unter anderem Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Rauchen, Bewegung, Körpergewicht, Depressionen, Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Eine These: Möglicherweise leben Menschen mit gesünderer Ernährung auch in anderen Bereichen gesünder. 

Prüller-Strasser warnt außerdem davor, die Ergebnisse auf einzelne „Superfoods“ zu reduzieren: „Man kann den möglichen positiven Effekt nicht auf bestimmte Nahrungsmittel herunterbrechen. Es geht vielmehr um das gesamte Ernährungsmuster, um das Gesamtwerk einer gesunden Ernährungsform.“

Heißt: Nicht die Handvoll Heidelbeeren allein macht den Unterschied, sondern das, was über Jahre regelmäßig gegessen wird.

Rolle von Gemüse

Und warum könnte das dem Gehirn helfen? Ganz geklärt ist das nicht, nachvollziehbar ist aber einiges.

Eine pflanzenbetonte Ernährung mit guten Fetten kann die Gefäßgesundheit verbessern, Entzündungen dämpfen und den Stoffwechsel entlasten. Davon könnte auch das Gehirn profitieren. Prüller-Strasser nennt mehrere mögliche Wege: „Plausibel ist, dass so eine Ernährung über ein günstigeres kardiovaskuläres Profil, über Omega-3-Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe und möglicherweise auch über die Darm-Hirn-Achse wirkt.“

Kein Wundermittel

Wichtig ist dabei: Die MIND-Diät ist kein Wundermittel und kein sicherer Schutz vor Demenz. Aber sie passt sehr gut zu dem, was Ernährungsmediziner seit Jahren empfiehlt: viel Gemüse, regelmäßig Hülsenfrüchte und Nüsse, gute Pflanzenöle, Fisch statt oft rotem Fleisch, wenig Zucker, wenig Frittiertes und wenig stark verarbeitete Lebensmittel. 

Oder, wie es Prüller-Strasser zusammenfasst: „Hier geht es nicht um eine Diät für drei Wochen, sondern um eine langfristige Ernährungsumstellung als Teil eines gesunden Lebensstils.“

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