Machen Fisch, Olivenöl und Gemüse glücklich?
Zusammenfassung
- Eine Auswertung mit 3296 Menschen ab 50 Jahren in England zeigt: Je stärker die Ernährung mediterran war, desto höher war das psychische Wohlbefinden – auch während der frühen Corona-Pandemie.
- Mediterran bedeutete in der Studie vor allem mehr Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Getreide, Fisch und Olivenöl sowie weniger Fleisch und Milchprodukte.
- Die Studie belegt keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang, verweist aber auf mögliche biologische Mechanismen wie Entzündungshemmung, Darmmikrobiom und Hirnfunktionen.
Wer an mediterrane Ernährung denkt, denkt meistens an das Herz, die Gefäße und ein insgesamt längeres Leben. Eine neue Studie in BMJ Open richtet den Blick nun auf einen ganz anderen Bereich: die Psyche.
Demnach war eine stärkere Orientierung an der Mittelmeerkost vor allem bei älteren Erwachsenen mit höherem psychischem Wohlbefinden verbunden, unabhängig von Faktoren wie Einkommen, Bildung, Bewegung, Rauchen, Gesundheitszustand und depressiven Symptomen.
Untersucht wurden 3296 Menschen ab 50 Jahren in England, im Durchschnitt waren sie rund 68 Jahre alt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten in den Jahren 2018/2019 Angaben zu ihrer Ernährung. Bewertet wurde, wie stark diese einem mediterranen Muster entsprach. Später wurde analysiert, wie es um ihr psychisches Wohlbefinden stand, auch während der frühen Phase der COVID-19-Pandemie im Sommer 2020.
Dabei zeigte sich: Je stärker die Ernährung mediterran war, desto besser war das psychische Wohlbefinden. Und: Menschen mit höherer mediterraner Ernährungstreue zeigten während der frühen Pandemie einen geringeren Rückgang ihres seelischen Wohlbefindens. Die Studie beweist damit nicht, dass Olivenöl und Fisch direkt glücklicher machen, sondern einen stabilen Zusammenhang – auch in einer belastenden gesellschaftlichen Ausnahmesituation.
Was heißt mediterran essen konkret?
Die Studie verwendete den sogenannten rMED-Index. Höhere Werte gab es für eine Ernährung mit mehr:
- Obst
- Gemüse
- Hülsenfrüchten wie Bohnen, Linsen oder Kichererbsen
- Getreideprodukten
- Fisch
- Olivenöl
Niedrigere Werte gab es bei höherem Konsum von:
- Fleisch
- Milchprodukten
Auch Alkohol wurde im Index berücksichtigt: Moderate Mengen wurden positiv bewertet, eine Empfehlung leitet sich daraus aber nicht ab. Für den Ernährungsalltag wichtig: mehr pflanzliche Lebensmittel, mehr Fisch, Olivenöl als bevorzugtes Fett – und weniger Fleisch.
Warum das der Psyche helfen könnte
Die Forschenden verweisen auf mögliche biologische Mechanismen, ohne diese in der Studie direkt zu beweisen. Bestandteile der mediterranen Ernährung, etwa Ballaststoffe, Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Polyphenole und eine geringere Menge entzündungsfördernder Lebensmittel, könnten mit Entzündungsprozessen, oxidativem Stress, Stressreaktionen, dem Darmmikrobiom und Hirnfunktionen zusammenhängen.
Der Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem depressive Symptome berücksichtigt wurden. Es ging also nicht nur darum, dass Menschen mit besserer Ernährung weniger depressiv waren, gemessen wurde positives Wohlbefinden – etwa Sinn, Freude und Lebensqualität.
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