Malaria steigt wieder – auch in Urlaubsgebieten
Überträger der Malaria ist die Anopheles-Mücke.
Trotz jahrzehntelanger Bekämpfung ist die Malaria noch immer eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Jedes Jahr erkranken Hunderte Millionen Menschen, und vor allem in Afrika südlich der Sahara sterben viele Menschen, besonders Kinder unter 5 Jahren. Laut dem World Malaria Report 2025 der WHO gab es im Jahr 2024 rund 282 Millionen Erkrankungen und etwa 610.000 Todesfälle. Nach Jahren des Rückgangs steigen die Fallzahlen zuletzt wieder an. Auch in einigen Urlaubsgebieten ist die Malaria verbreitet – wer in diese Regionen fährt, sollte Vorkehrungen treffen und sich schützen.
Der KURIER beantwortet anlässlich des Welt-Malaria-Tages am 25. April die wichtigsten Fragen.
Was ist Malaria, wie wird sie übertragen?
Malaria ist eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die durch Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht wird. Sie wird durch den Stich infizierter Anopheles-Mücken verursacht. Die Mücke ist dämmerungs- und nachtaktiv und kommt in vielen Teilen der Welt vor, etwa in Subsahara-Afrika, Süd- und Südostasien, Mittel- und Südamerika sowie Teilen des Nahen Ostens. Auch in Europa gibt es Anopheles-Arten, allerdings übertragen diese dort in der Regel keine Malaria. Die Mücken brauchen warme Temperaturen und stehendes Gewässer (z. B. Sümpfe, Pfützen), um sich zu vermehren. Solche Bedingungen sind in tropischen Regionen besonders häufig. Nicht jede Anopheles-Mücke ist automatisch infektiös. Sie kann Malaria nur übertragen, wenn sie zuvor einen infizierten Menschen gestochen hat.
Welche Symptome deuten auf eine Infektion hin?
Eine Infektion mit Malaria kann sich unterschiedlich äußern, beginnt aber oft unspezifisch – ähnlich wie eine Grippe. Typisch ist, dass die Symptome einige Tage bis Wochen nach einem Mückenstich auftreten, manchmal auch später. Häufige Symptome sind Fieber, das oft plötzlich kommt und hoch ist, Schüttelfrost und ein starkes Krankheitsgefühl. Häufig sind auch Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Schwäche sowie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Bei schweren Verläufen kann es zu Bewusstseinsstörungen oder Verwirrtheit, Atemnot, Krampfanfällen, Gelbsucht oder starker Blutarmut kommen. Solche schweren Symptome sind ein medizinischer Notfall.
Tritt nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet Fieber auf, auch Wochen später, sollte ärztliche Hilfe aufgesucht werden und auf den Aufenthalt in einem Malaria-Gebiet hingewiesen werden. Die frühe Behandlung ist für den Verlauf der Erkrankung entscheidend.
Sind Urlauber gefährdet? In welchen Ländern?
Ja, auch Reisende können sich infizieren, vor allem bei unzureichendem Mückenschutz. Das Risiko einer Erkrankung lässt sich durch entsprechende Vorsorgemaßnahmen jedoch deutlich senken. Reisemedizinische Beratung vor der Abreise ist empfehlenswert.
Besonders häufig tritt Malaria in Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo, Uganda, Mosambik und Ghana sowie den zunehmend bei Urlaubern beliebten Ländern Tansania und Kenia auf. Auch in manchen Regionen von Indien, Pakistan, Thailand, Indonesien und Vietnam kann es zu Malaria-Infektionen kommen. In Mittel- und Südamerika zählen Brasilien, Kolumbien, Peru und Bolivien zu Ländern mit Malaria-Vorkommen. In vielen Ländern gibt es kein Risiko in Großstädten oder höher gelegenen Regionen. Das Infektionsrisiko kann sich nach Saison, etwa in einer Regenzeit, stark verändern.
Wie kann man sich schützen?
Ein vollständiger Schutz ist nicht möglich, aber das Risiko einer Infektion lässt sich durch Mückenschutz stark reduzieren. Dazu zählen etwa lange Kleidung, Repellents, also Mittel zur Abwehr von Insekten, und Moskitonetze zum Schlafen. Je nach Reiseregion ist eine medikamentöse Prophylaxe empfohlen. Dazu nimmt man vorbeugend Medikamente ein, um das Infektionsrisiko zu senken. Empfohlen ist eine Kombination aus Mückenschutz und ggf. Medikamenten, um das Infektionsrisiko deutlich zu senken.
Warum nimmt Malaria wieder zu?
Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Einerseits nehmen Resistenzen gegen Medikamente sowie Insektenschutzmittel zu. Andererseits sind Präventions- und Kontrollprogramme in vielen Ländern mit Malaria unterfinanziert. Auch schwache Gesundheitssysteme in betroffenen Ländern tragen zur Malaria-Verbreitung bei. Der Klimawandel ist ebenfalls relevant: Durch steigende Temperaturen eröffnen sich neue Lebensräume für die Anopheles-Mücke. Die WHO warnt davor, dass ohne verstärkte internationale Anstrengungen weitere Rückschläge bei der Bekämpfung der Malaria drohen.
Gibt es eine Impfung gegen Malaria?
Für Urlauber gibt es derzeit keinen vorbeugenden Impfschutz. Bestehende Impfstoffe werden hauptsächlich bei Kindern in Hochrisikogebieten in Afrika eingesetzt. Sie bieten keinen vollständigen Schutz, sondern reduzieren vor allem schwere Krankheitsverläufe. Für Reisende bleiben Mückenschutz und ggf. Medikamente weiterhin entscheidend.
Woran wird aktuell geforscht?
Forschungsinstitute wie das Bernhard‑Nocht‑Institut für Tropenmedizin (BNITM) untersuchen seit Jahrzehnten, wie der Parasit funktioniert. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und moderner Datenanalyse werden große genetische Datenmengen ausgewertet, um besser zu verstehen, warum manche Infektionen mild verlaufen und andere lebensbedrohlich sind. Ziel ist es, schwere Verläufe früher zu erkennen und neue Ansatzpunkte für Therapien zu finden.
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