Krebs im Alter: Krebsreport mahnt bessere Versorgung für Senioren ein

Eine ältere Frau hält liebevoll die Hand eines Mannes im Krankenhausbett und legt ihre Stirn an seine.
Immer mehr Menschen erkranken im Alter an Krebs – und brauchen besondere Betreuung. Der neue Krebsreport zeigt, wo Österreich gut aufgestellt ist und wo Handlungsbedarf besteht.

Die absolute Zahl älterer Krebspatienten wird sich bis 2040 mehr als verdoppeln – von rund 60.000 auf etwa 130.000 Betroffene. Diese Entwicklung habe weitreichende Folgen für das Gesundheitssystem, hieß es im Rahmen der Präsentation des Österreichischen Krebsreports am Dienstag. 

Insbesondere Früherkennungsprogramme, Diagnostik und Versorgung stellen neue Herausforderungen dar: Gängige Therapieleitlinien seien bislang auf eine jüngere, vergleichsweise gesündere Bevölkerungsgruppe zugeschnitten. Bei älteren Patienten greifen diese Ansätze nur eingeschränkt. Alterungsprozesse, chronische Erkrankungen, funktionelle Einschränkungen und eine geringere körperliche Belastbarkeit beeinflussen Krankheitsverlauf und Therapie.

Individuelle Versorgung fördern

Fachleute fordern deshalb ein Umdenken: Medizinische Entscheidungen sollten nicht allein am Alter festgemacht werden, sondern an der gesamten gesundheitlichen Situation. 

Anzustreben seien eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und angepasste Versorgungsstrukturen. Dazu zählt auch die Berücksichtigung von Begleiterkrankungen, psychischen und sozialen Faktoren sowie der persönlichen Präferenzen der Betroffenen. Mit dem Ziel, Wirksamkeit, Lebensqualität und Belastung in Balance zu halten.

Der Krebsreport zeigt dennoch, dass Österreich ältere Menschen bisher gut versorgt: Innovative Krebsmedikamente werden auch bei Hochbetagten eingesetzt, teils mit deutlichen Überlebensgewinnen. 

Doch angesichts steigender Fallzahlen warnen die Herausgeber, dass die Qualität nur gehalten werden kann, wenn die besonderen Bedürfnisse älterer Patienten in der Gesundheitsplanung stärker berücksichtigt werden.

"Die Versorgung älterer Krebspatienten ist oft besonders anspruchsvoll, weil neben der Tumorerkrankung weitere internistische Diagnosen und Medikamenteneinnahmen berücksichtigt werden müssen", erklärt Ewald Wöll, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie (OeGHO). 

Mehr Aufklärung notwendig

Neben der medizinischen Versorgung braucht es auch verstärkte Prävention. Österreich liegt mit durchschnittlich 8,1 gesunden Jahren ab dem 60. Lebensjahr deutlich unter dem EU-Schnitt. 

Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda fordert deshalb mehr Aufklärung über einen gesunden Lebensstil und alltagsnahe Unterstützungsangebote – von Bewegung über Nichtrauchen bis zur Gewichtskontrolle. Auch bei der Krebsfrüherkennung müsse stärker individuell abgewogen werden, welche Untersuchungen im Alter tatsächlich sinnvoll sind. 

Standardisierte Verfahren zur ganzheitlichen Erfassung der gesundheitlichen Situation könnten helfen, Übertherapien und riskante Wechselwirkungen zu vermeiden. Zudem sollten ältere Patientinnen und Patienten vermehrt in klinische Studien einbezogen werden.

Faktenbasis für Politik und Forschung

Für den Österreichischen Seniorenrat ist der Krebsreport eine wichtige Grundlage für eine vorausschauende Gesundheitspolitik. Die Analyse liefere "wertvolle Daten, um den Herausforderungen von Krebs im Alter effizient und menschlich zu begegnen".

Der Österreichische Krebsreport 2025 wurde von der Österreichischen Krebshilfe und der OeGHO herausgegeben und entstand in Zusammenarbeit mit der Statistik Austria und der Gesundheit Österreich GmbH.

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