┬ę APA/HELMUT FOHRINGER

Wissen Gesundheit
08/06/2021

Krammer: Situation im Herbst "schwierig vorherzusagen"

Vor einigen Wochen noch dachte Virologe Florian Krammer, "dass ab Sommer Ruhe ist. Doch dann ist die Delta-Variante gekommen.

"Schwierig vorherzusagen" ist die Covid-19-Situation in Richtung Herbst f├╝r den ├Âsterreichischen Virologen Florian Krammer. Er habe sich noch vor einigen Wochen gedacht, "dass ab Sommer Ruhe ist. Dann ist die Delta-Variante gekommen und ich traue mich nicht wirklich eine Vorhersage zu treffen", sagte er zur APA. Es sehe eher danach aus, dass sich mehr Infektionen und anteilig weniger Hospitalisierungen einstellen werden. Klar sei, "die Durchimpfungsraten m├╝ssen h├Âher werden".

Man habe in Gro├čbritannien oder den Niederlanden gesehen, wie schnell dort vor wenigen Wochen die Fallzahlen in die H├Âhe geschossen sind, und mittlerweile aber ebenso rasch wieder zur├╝ckgehen. Die Anzahl der Toten sei zum Gl├╝ck im Vergleich zu den Infektionszahlen "minimal. Das hat mit den Impfungen insgesamt zu tun und dass die Hochrisikogruppen im Prinzip stark durchgeimpft sind. Trotzdem ist das aber nicht toll, weil Leute im Krankenhaus landen und nat├╝rlich vor allem auch j├╝ngere Leute erwischt werden", sagte der Forscher von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York (USA). Auch die Wellen in Frankreich oder Spanien scheinen eine Art Plateau erreicht zu haben. Hier m├╝sse man die Entwicklung sehr genau beobachten.

"Bisschen Alarmismus"

Klar sei, dass in der Diskussion um die Delta-Variante auch "ein bisschen Alarmismus" dabei ist, so der Wissenschafter: "Aber das Virus ist viel infekti├Âser. Wir sehen Ansteckungen bei Geimpften in h├Âheren Raten. Auch wenn die Leute geimpft sind, haben sie am Anfang sehr hohe Virustiter." Trotzdem diese Konzentrationen bei geimpften Menschen wieder deutlich rascher absinken als bei Ungeimpften, k├Ânne es in einem bestimmten Zeitfenster leichter zu ├ťbertragungen kommen. Die Impfungen "wirken nach wie vor recht gut", was sich in den niedrigen Raten an schweren Erkrankungen zeige.

Trotz gro├čer ├ľffnungsschritte ist in ├ľsterreich bisher ein gro├čer Anstieg der Fallzahlen wie etwa in Gro├čbritannien zum Gl├╝ck ausgeblieben: "Es klettert, aber es klettert langsam." F├╝r Krammer ist es daher sehr schwer abzusch├Ątzen, wie sich die kommenden Wochen gestalten werden. Man sehe, dass die Delta-Variante auch in Kindern eher Infektionen ausl├Âsen kann. "Wenn dann die Schule wieder beginnt und die ungeimpften Kinder wieder in den Klassen zusammensitzen, k├Ânnte das nat├╝rlich zu einem Problem f├╝hren", sagte der Virologe.

Das SARS-CoV-2-Virus wirklich loszuwerden sei mittlerweile unm├Âglich: "Es wird ein saisonales Coronavirus werden, das man managen kann." Wann sich dieser Punkt aber einstellt, sei noch offen, in L├Ąndern mit hohen Impfraten - und voraussichtlich entsprechend wenigen schweren Verl├Ąufen - aber einigerma├čen abzusehen. Die aktuelle Rate an zumindest Erstgeimpften von um die 60 Prozent hierzulande sei ein Erfolg eher mittleren Ausma├čes. "Das muss man weiter hinauf bringen. Ich w├╝rde mir w├╝nschen, dass das gegen 70, 80 Prozent geht."

Letztlich m├╝sse jeder Ungeimpfte damit rechnen, dass er sich in den kommenden Jahren mit allen potenziellen Konsequenzen infizieren wird. Es gelte daher, weiter Anreize zu schaffen, zur Impfung zu gehen - selbst wenn man in manchen F├Ąllen mit einer Bratwurst lockt. Der zur Zeit von einer st├Ąrkeren Welle erfasste S├╝den der USA zeige vielen in Nordamerika wieder die m├Âgliche Dramatik. Das habe die Impfraten auch in anderen Landesteilen wieder etwas erh├Âht.

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