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Frau Doktor? Bedaure - nein!

Mein Hobby? Diagnosen raten. Andere scheitern an Logik-Rätseln, ich auch an Röntgenbildern. Dafür kann ich jetzt bei Partys „Rapunzel-Syndrom“ sagen, ohne zu lachen.
++ THEMENBILD ++ ARZT / ÄRZTE / KRANKHEIT / GESUNDHEIT / MEDIZIN / UNTERSUCHUNG / ÜBERWEISUNG / DIAGNOSE / BEHANDLUNG / PATIENTEN / ÖGK

Ich kenne Menschen, die lösen Sudokus oder so seltsame Logikaufgaben, bei denen ein Herr Müller neben einer Frau Huber wohnt, aber keinen grünen Pullover trägt und man den Namen ihres Dackels erraten soll. 

So sehr ich mir dabei auch den Kopf zerbreche: Da wird nichts daraus. Das Sudoku ist dann eine Kritzel-Halde, bei der sich keiner mehr auskennt, am wenigsten ich. Und die Kopfnuss führt mich direkt in einen Wutanfall, weil ich das Gefühl habe, mein Gehirn verwandelt sich in einen gigantischen Knopf.

Aber natürlich ist es wichtig, seine mentalen Fähigkeiten etwas zu fördern, wo es doch heißt: Wer rastet, der rostet. Nicht mit mir! Also rate ich Diagnosen. Genauer gesagt folge ich in den sozialen Medien Accounts, auf denen Röntgenbilder, Hauterscheinungen oder rätselhafte Symptomgeschichten zu sehen oder nachzulesen sind. Und dann darf ich raten. Was ich sehr gerne mache – mit dem Selbstbewusstsein einer leitenden Oberärztin kurz vor der Visite. Schließlich habe ich schon in der Kindheit das Buch „Wunder Mensch“ mehrmals gelesen und wusste bereits mit elf Jahren, wie „rote Blutkörperchen“ in der Fachsprache heißen.

Ich denke mir dann: „Ah ja. Glasklarer Fall.“ Das Problem: Meist ist gar nix klar. Ich tippe auf eine Lungenentzündung, doch es ist ein verschluckter Fremdkörper. Ich vermute eine simple Zyste, doch diese entpuppt sich als Syndrom, das klingt, als hätte es sich irgendein melancholischer Medizinalrat nach zu viel Rotwein ausgedacht. 

Vor Kurzem lernte ich das Rapunzel-Syndrom kennen: Nein, es handelt sich nicht um die Neuauflage des Märchens, sondern um einen Haarballen im Magen, der sich bis in den Dünndarm verknödeln kann. Aufregend. Die Abenteuer sind also im Darm.

Und dann darf ich raten. Was ich sehr gerne mache – mit dem Selbstbewusstsein einer leitenden Oberärztin kurz vor der Visite. Schließlich habe ich schon in der Kindheit das Buch „Wunder Mensch“ mehrmals gelesen und wusste bereits mit elf Jahren, wie „rote Blutkörperchen“ in der Fachsprache heißen.

Warum tut die das nur?

Viele denken, ich habe einen Vogel und fragen: Warum tut die das nur?

Hm, schwer zu sagen. Vielleicht, weil andere Leute gerne Krimis schauen und ich lieber rate, ob das Böse ein ektoper Nasenzahn ist. Ja, auch das gibt es: ein Zahn in der Nebenhöhle. Genial! Ich lerne dabei sogar einiges, nämlich nicht nur G’schichteln, mit denen man bei Partys auffallen kann, sondern Demut. Je mehr ich davon sehe, desto deutlicher wird, wie komplex die Medizin ist. 

Trotzdem gebe ich manchmal mit meinem Laienwissen an. „Das erinnert mich an einen Fall von Rapunzel-Syndrom“, sage ich dann en passant. Manche haben mich deshalb sogar schon „Frau Doktor“ genannt, mein früherer Chef etwa. 

In Wahrheit bin ich aber nur eine Frau, die viel liest, extrem neugierig ist und gewiss auch an einer komischen Berufskrankheit leidet. Zu meiner Trefferquote sollte man aber besser keine Studie machen. 

Trotzdem werde ich oft gefragt: „Duhu, was könnte das sein?“ Ich sage dann nur: „Interessant. Sehr interessant.“ Dann folgt der einzig seriöse Satz, den ich aus der Rätselei mitgenommen habe: „Bitte geh’ zu jemandem, der sich auskennt. Also nicht zu mir oder Dr. Google.“

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