Neuer Kinderschuh wächst mit: Was eine Wiener Orthopädin dazu sagt

Kölner Studierende entwickelten einen größenverstellbaren Schuh für Vorschulkinder. Die Wiener Orthopädin Karin Riedl ist skeptisch.
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Kinderfüße wachsen schnell – oft passen neue Schuhe schon nach kurzer Zeit nicht mehr. Innerhalb weniger Monate sind Familien mit teils hohen Kosten für neue Schuhe konfrontiert. „Ein Kind braucht im Schnitt zwölf Paar Schuhe, bis es in die Schule kommt. Das ist teuer, aufwändig und auch aus ökologischer Sicht problematisch. Wir wollten herausfinden, ob es dafür eine bessere Lösung geben kann“, sagt Alexander Schemel.

Schemel ist Mitbegründer des Start-ups „Sizeless“. Gemeinsam mit Studienkollegen der Deutschen Sporthochschule Köln entwickelte er einen Kinderbarfußschuh, dessen Größe flexibel angepasst werden kann. In Gesprächen mit Eltern wurde den Gründern rasch deutlich, wie häufig neue Schuhe angeschafft werden müssen.

8 Millimeter verstellbar

Im Umfeld des Instituts für Biomechanik und Orthopädie entstanden erste Prototypen eines verstellbaren Kinderschuhs. Das Herzstück bildet ein Mechanismus, mit dem sich die Schuhgröße von außen um insgesamt 8 Millimeter verändern lässt. Dieser ist in der Sohle integriert und hat keinen direkten Kontakt zum Fuß.

Über seitliche Laschen kann die passende Größe eingestellt und mithilfe eines Klettsystems fixiert werden. Auf diese Weise sollen Tragekomfort, Fußgesundheit und eine längere Nutzungsdauer miteinander vereint werden. Die Technologie wurde bereits zum Patent angemeldet. Zwar existieren ähnliche Konzepte bereits bei Roll- oder Eislaufschuhen, doch alltagstaugliche Schuhe, die mit Kinderfüßen mitwachsen, gibt es bisher nicht. 

Noch ist der verstellbare Kinderschuh nicht erhältlich, derzeit läuft eine Crowdfunding-Kampagne. Über die Plattform Kickstarter kann investiert und der Schuh vorbestellt werden (ab 89 Euro pro Paar). Der Schuh soll dann in den Größen 24 bis 34 in drei Farbvarianten erhältlich sein.

Verschleiß und Hygiene fraglich?

Die Wiener Kinderorthopädin Karin Riedl sieht den größenverstellbaren Kinderschuh allerdings kritisch. „Um den Schuh gut beurteilen zu können, fehlen mir einige Informationen, insbesondere, was den Aufbau von Sohle, Fersenkappe und Material angeht. Ich bin skeptisch, wie es sich mit dem Verschleiß des Schuhs und der Hygiene verhält, wenn er von Kleinkindern oder Schulkindern neun Monate lang durchgetragen wird“, sagt Riedl. Den grundsätzlichen Ansatz, einen mitwachsenden Schuh zu entwickeln, kann die Medizinerin aber nachvollziehen. „Der Fuß wächst im Kindergartenalter pro Monat 1 bis 1,5 mm. Das ist relativ viel. Gleichzeitig muss die Größe stimmen, das ist für einen Kinderschuh sehr wichtig“, betont die Expertin.

Beachtet man beim Kauf von Kinderschuhen die empfohlenen 12 bis 17 mm Zuwachs- und Schubraum – also den Platz vor der längsten Zehe –, komme man in der Regel fünf bis sechs Monate mit einem Paar aus, so Riedl. „Fraglich bleibt für mich, inwiefern durch das Verstellen der Länge des Schuhs auch die Breite beeinflusst wird und wie sich dies auf die Sohle auswirkt. Zudem müsste man verhindern, dass das Kind sich selbst die Schuhe zu eng oder zu klein einstellt“, gibt Riedl zu bedenken. Die Sizeless-Gründer sind hingegen überzeugt, dass ihre Idee den Kinderschuhmarkt revolutionieren wird. Die ersten Schuhe sollen im Juli 2026 geliefert werden.

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