Neue Plattform: Kostenlose Kassenplätze für psychologische Behandlung

Eine weibliche Hand schreibt in ein leeres Notizbuch, gegenüber sitzt eine andere Frau, die erzählt. Eine Szene aus der Psychothterapie
Unter psyhelp.at werden Betroffene rasch und einfach mit Psychologinnen und Psychologen verbunden. 120.700 Behandlungseinheiten stehen pro Jahr zur Verfügung.

Psychologische Hilfe wird kostenlos zugänglich: Ab sofort können sich Versicherte der ÖGK, SVS oder BVAEB für einen kassenfinanzierten klinisch-psychologischen Behandlungsplatz anmelden. Dies erfolgt über die Serviceplattform psyhelp.at, die seit Montag online ist. Betroffene aus ganz Österreich können sich in drei Schritten registrieren und werden einem passenden Psychologen oder einer passenden Psychologin zugewiesen.

„Heute ist ein wichtiger Start für die psychische Versorgung in Österreich. Nach 40 Jahren Bemühungen des Berufsverbands Österreichischer PsychologInnen (BÖP) ist es erstmals gelungen, dass wir innovativ, rasch, schnell, fair und qualitätsgesichert klinisch-psychologische Behandlung vermitteln können. Wir wollen für alle Menschen da sein, vor allem für jene, die sich sonst keine klinisch-psychologische Behandlung leisten können“, zeigte sich BÖP-Präsidentin Beate Wimmer-Puchinger bei einer Pressekonferenz am Mittwoch erfreut. 

Vorbild "Gesund aus der Krise"

Insgesamt 120.700 Behandlungseinheiten stehen bis 2029 jedes Jahr zur Verfügung. Dabei handelt es sich um vollfinanzierte Kassenplätze, die über die Online-Plattform vermittelt werden. Vorbild ist das Projekt "Gesund aus der Krise", das ebenfalls eine Online-Vermittlung kostenloser Behandlungsplätze für Kinder und Jugendliche von 0 bis 21 Jahren bietet und seit 2022 im Einsatz ist. „Wir haben aus dem Beispiel von ,Gesund aus der Krise' gelernt - die Behandlung kommt dort an, wo sie benötigt wird. Die Wartezeiten konnten auf zehn Tage reduziert werden. Dieses Modell haben wir übernommen und darauf sind wir sehr stolz“, so Wimmer-Puchinger. 

Bei psyhelp melden sich Betroffene über ein Anmeldeformular an, benötigt wird eine ärztliche Bestätigung, dass für die psychische Erkrankung keine körperliche Erkrankung die Ursache ist. Zudem füllt man einen Fragebogen zu Symptomen aus und kann Präferenzen zur Behandlung angeben, etwa, dass man eine weibliche Behandlerin bevorzugt. Per E-Mail erhält man Kontaktdaten für ein Erstgespräch, sobald ein Platz frei ist. Im Hintergrund werde der Bedarf nach Dringlichkeit priorisiert. Berücksichtigt wird zudem die Wohnortnähe. 

Da auch die Abrechnung über psyhelp erfolgt, ist erstmals keine Vorleistung durch Versicherte nötig. Die ersten zehn Einheiten sind bewilligungsfrei. Wie viele Personen insgesamt einen Kassenplatz in Anspruch nehmen können, hängt vom individuellen Bedarf und der Anzahl der benötigten Einheiten ab.

500 Psychologinnen und Psychologen sind bisher verfügbar

„Kassenleistung ist ein Zeichen für Qualitätssicherung. Wir sind sehr dankbar, dass wir über die Plattform mehr Menschen niederschwellig erreichen können. 500 Kolleginnen und Kollegen haben sich bereits akkreditiert“, berichtete Psychologin Doris Malischnig. Dazu brauche es Nachweise für die Ausbildung zu angegebenen Störungsbildern, Berufspraxis und Fortbildungsnachweise. Seit 1.1.2024 konnte zwar bereits um Zuschüsse angesucht werden, über die neue Plattform sei dies jedoch deutlich einfacher. 

Die ersten Anmeldungen erfolgten bereits, in den nächsten drei bis vier Wochen sollen erste Termine stattfinden. Etwa ein Viertel der Menschen in Österreich hat im Laufe ihres Lebens mit psychischen Symptomen oder Erkrankungen zu kämpfen. Neben psychischen Erkrankungen wie Angst- oder Zwangsstörungen sind auch psychische Belastungen nach Krebserkrankungen, bei Diabetes, schwerer Adipositas und ähnlichen schweren physischen Erkrankungen mögliche Anwendungsgebiete. 

Auch der Kostenzuschuss für klinisch-psychologische Behandlung / Psychologische Therapie wird neben den kostenfreien Kassenplätzen weiterhin bestehen.

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