Neue Herz-Empfehlung: Kardiologen warnen vor diesen Lebensmitteln
Zusammenfassung
- Kardiologen warnen, dass ein hoher Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöht.
- Hochverarbeitete Produkte enthalten oft viele Zusatzstoffe, Zucker, Salz und ungünstige Fette und stehen mit Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck in Verbindung.
- Die Experten empfehlen, Fertigprodukte möglichst durch einfache, wenig verarbeitete Lebensmittel zu ersetzen und auf die Zutatenliste zu achten.
Frühstücksflocken aus der Packung, ein Proteinriegel zwischendurch, ein Fertiggericht am Abend, dazu Softdrinks, Chips, Wurstwaren, süßes Joghurt, Tiefkühlpizza oder ein Snack aus dem Automaten. All das fällt häufig unter den Begriff „ultra-processed food“, kurz UPF: hochverarbeitete Lebensmittel.
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie hat dazu nun eine neue Expertenstellungnahme im European Heart Journal veröffentlicht. Darin kommt eine Gruppe europäischer Kardiologie- und Präventionsexperten zu dem Schluss: Menschen, die besonders viele hochverarbeitete Lebensmittel essen, haben ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einen früheren Tod durch Herzkrankheiten. Die Stellungnahme fasst die bisherige Forschung zu diesem Thema zusammen.
„Hochverarbeitete Lebensmittel, die aus industriellen Zutaten und Zusatzstoffen hergestellt werden, haben traditionelle Ernährungsweisen weitgehend ersetzt“, sagt Professor Luigina Guasti von der Universität Insubrien in Varese, Italien, eine der Leiterinnen der Expertenstellungnahme. Die bisherige Forschung lege nahe, dass diese Lebensmittel mit mehreren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden seien – etwa Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck.
Niemand muss seinen Speiseplan über Nacht umkrempeln. Aber je öfter Fertigprodukte durch einfache Lebensmittel ersetzt werden, desto besser dürfte das fürs Herz sein. Praktikable Tipps:
1. Zutatenliste lesen
Je länger die Liste, je mehr Aromen, Emulgatoren, Süßstoffe, Stabilisatoren oder schwer erkennbare Zusätze darin vorkommen, desto eher handelt es sich um ein stark verarbeitetes Produkt.
2. Getränke zuerst ändern
Softdrinks, Energydrinks und gesüßte Getränke sind ein guter erster Hebel. Wasser, ungesüßter Tee oder stark verdünnte Fruchtsäfte sind meist die bessere Wahl.
3. Joghurt natur statt Dessert im Becher
Naturjoghurt mit Obst ist oft die einfachere Alternative zu aromatisierten, gesüßten Varianten.
4. Fertiggerichte nicht verbieten, aber seltener konsumieren
Niemand muss nach einem langen Arbeitstag ein Küchenideal erfüllen. Aber wer zwei oder drei Standardgerichte aus einfachen Zutaten parat hat, braucht seltener Tiefkühlpizza, Instantnudeln oder Fertigmenüs.
5. Snacks austauschen
Nüsse, Obst, Käsebrot, Gemüsesticks, Hummus oder ein gekochtes Ei sind n vielen Fällen besser als Chips, Kekse oder Riegel.
6. Vorsicht bei Gesundheitsversprechen
„Protein“, „vegan“, „zuckerfrei“ oder „light“ heißt nicht automatisch herzgesund. Auch solche Produkte können hochverarbeitet sein.
7. Wurst und verarbeitetes Fleisch reduzieren
Verarbeitete Fleischprodukte gehören zu jenen Gruppen, bei denen viele Ernährungsempfehlungen ohnehin zur Zurückhaltung raten.
Was heißt „hochverarbeitet“?
Nicht jedes verarbeitete Lebensmittel ist automatisch problematisch. Tiefgekühltes Gemüse, pasteurisierte Milch oder Brot sind ebenfalls verarbeitet. Gemeint sind vor allem industriell hergestellte Produkte, die oft aus isolierten Bestandteilen bestehen: Stärke, Zucker, Fette, Eiweißkonzentrate, Aromen, Farbstoffe, Emulgatoren, Süßstoffe und andere Zusatzstoffe. Sie sind meist lange haltbar, sofort essbar oder schnell aufzuwärmen.
Typische Beispiele sind viele Softdrinks, Süßigkeiten, Chips, Fertiggerichte, Instantnudeln, stark verarbeitete Fleischprodukte, süße Frühstücksprodukte, manche Riegel, Desserts, aromatisierte Joghurts oder abgepackte Snacks. Tückisch ist: Auch Produkte, die auf den ersten Blick „fit“, „leicht“ oder „proteinreich“ wirken, können hochverarbeitet sein.
Das zeigt die neue Stellungnahme
Laut den ESC-Experten haben Erwachsene mit dem höchsten Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel im Vergleich zu jenen mit dem niedrigsten Konsum ein bis zu 19 Prozent höheres Risiko für Herzerkrankungen. Für Vorhofflimmern wird ein um 13 Prozent erhöhtes Risiko genannt, für kardiovaskulären Tod sogar ein bis zu 65 Prozent höheres Risiko. Außerdem werden hochverarbeitete Lebensmittel mit Risikofaktoren wie Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, ungünstigen Blutfetten und chronischer Nierenerkrankung in Verbindung gebracht.
Wichtig: Der Großteil der bisherigen Forschung sind Beobachtungsstudien. Das heißt: Man sieht Zusammenhänge, kann aber nicht in jedem einzelnen Punkt beweisen, dass allein die Verarbeitung die Ursache ist.
Die Expertinnen und Experten halten die Befunde dennoch für konsistent und biologisch plausibel. Sie fordern deshalb, dass Ärztinnen und Ärzte das Thema Ernährung nicht nur über Zucker, Fett und Salz besprechen, sondern auch über den Grad der Verarbeitung.
Warum könnten diese Produkte dem Herzen schaden?
Hochverarbeitete Lebensmittel haben mehrere Nachteile zugleich. Viele enthalten viel Salz, Zucker, ungünstige Fette und Kalorien. Sie sind oft so zusammengesetzt, dass man leicht mehr davon isst, als man eigentlich wollte.
Dazu kommen Zusatzstoffe, veränderte Lebensmittelstrukturen und mögliche Effekte auf Entzündungsprozesse, Stoffwechsel und Darmmikrobiom.
Dr. Marialaura Bonaccio, eine der Autorinnen der Stellungnahme, verweist auf diese möglichen Mechanismen: Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und ungünstige Blutfette seien zentrale Wege, über die das Herz-Kreislauf-Risiko steigen könne.
Je näher ein Lebensmittel an seiner ursprünglichen Form bleibt, desto besser. Die ESC-Experten sprechen sich deshalb auch für bessere Kennzeichnung, angepasste Ernährungsempfehlungen und mehr Aufklärung aus.
Ärztinnen und Ärzte sollen Patientinnen und Patienten künftig gezielter nach hochverarbeiteten Lebensmitteln fragen – besonders dann, wenn bereits Herzprobleme oder Risikofaktoren bestehen.
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