Breakfast with spinach, arugula, avocado, seeds, sprouts. Square crop

Fleischverzicht könnte verhindern, dass bestimmte Varianten von E. coli-Bakterien in den Darm gelangen, sich dort vermehren und die Harnwege infizieren.

© Getty Images/iStockphoto / Foxys forest manufacture/IStockphoto.com

Wissen Gesundheit
02/18/2020

Kann Fleischverzicht Harnwegsinfekte verhindern?

Eine neue Studie legt den Zusammenhang zwischen pflanzlicher Kost und einem geringeren Risiko für Harnwegsinfekte nahe.

Pro Jahr erkranken weltweit rund 150 Millionen Menschen an einem Harnwegsinfekt. Fleisch vom Speiseplan zu streichen könnte das Risiko für diese durch Bakterien verursachte Entzündung senken, schreiben taiwanesische Forscher nun in einer neuen Studie im Fachblatt Scientific Reports.

Akute Harnwegsinfekte werden meist von Bakterien der Art Escherichia coli (E. coli) verursacht. Diese erreichen in der Regel über den After die Harnröhre. E. coli-Bakterien kommen im Darm natürlich vor, lösen dort aber keine Krankheiten aus. Gelangen sie allerdings in die Harnröhre – oder in die Harnblase –, können sie sich vermehren und eine Entzündung des Gewebes bewirken.

Enthalten sind E. coli-Bakterien unter anderem in rohem Fleisch. Daraus leiteten Wissenschafterinnen und Wissenschafter um den Internisten Chin-Lon Lin von der Tzu Chi University in Taiwan die Annahme ab, dass Vegetarier diesen Erregern seltener ausgesetzt sind. Und sie daher auch ein geringeres Risiko für Harnwegsinfekte aufweisen.

Studie mit taiwanesischen Buddhisten

Um diesen vermuteten Zusammenhang zu überprüfen, führten die Forscher zwischen 2005 und 2014 eine Langzeitstudie mit 9.724 taiwanesischen Buddhisten und Buddhistinnen durch. Keiner der Teilnehmerinnen oder Teilnehmer litt zu Beginn an einem Harnwegsinfekt.

In den Folgejahren erkrankten in Summe 661 Probanden daran. Die Ernährungsgewohnheiten der Probandinnen und Probanden wurden mittels Fragebogen erhoben. In der Analyse und unter Berücksichtigung beeinflussender Faktoren (sexuelle Aktivität, Alter, Bildung, Bluthochdruck, Diabetes, Alkoholkonsum, Rauchen, etc.) zeigte sich, dass Vegetarierinnen und Vegetarier im Schnitt ein um 16 Prozent geringeres Risiko aufwiesen.

Von den 3.040 untersuchten vegetarisch lebenden Personen erkrankten 217 an einem Harnwegsinfekt; von den 6.684 Fleischessern und Fleischesserinnen entwickelten 444 eine derartige Erkrankung. Bei Frauen, Nichtrauchern und unkomplizierten Harnwegsinfektionen zeigte sich der stärkste Zusammenhang.

"Wirkt besonders bei Frauen schützend"

"Zusammenfassend", schreiben die Autoren der Studie, "wirkt die vegetarische Ernährung besonders bei Frauen schützend". Weitere Studien seien erforderlich, "um den genauen Zusammenhang zwischen Harnwegsinfekten, Krankheitserregern und vegetarischer Ernährung zu klären". Erforscht werden müsse auch, ob ein Wechsel zu vegetarischer Kost einer Harnwegsinfektion vorbeugen oder die Behandlung unterstützen könne.

Frauen sind deutlich häufiger von Harnwegsinfekten betroffen als Männer. Das hat anatomische Gründe: Bei Frauen ist die Harnröhre wesentlich kürzer als beim Mann. Zudem mündet die Harnröhre in unmittelbarer Nähe zum Darmausgang. Dadurch können Bakterien aus dem Darm schneller in die Harnwege gelangen und sich dort vermehren.

Milieu im Mikrobiom

Im Zuge der Studie konnte keine Kausalität bestimmt werden. Die Autorinnen und Autoren halten es aber für denkbar, dass das Mikrobiom der Vegetarier an den hohen Gehalt an pflanzlichen Ballaststoffen angepasst ist. Es gibt mehr Bakterien im Darm, die Pflanzenfasern zu kurzkettigen Fettsäuren wie Essig-, Propion- und Buttersäure abbauen und dadurch den pH-Wert im Darm senken. Das sorgt unter anderem für eine im Vergleich zu Fleischessern geringere Keimzahl an E. coli-Bakterien.

Außerdem haben einige Inhaltsstoffe pflanzlicher Nahrungsmittel – darunter Polyphenole, Terpenoide und Alkaloide – eine antibakterielle Wirkung, was das Infektionsrisiko durch eingedrungene Krankheitserreger mindern könnte.

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