Hitzewelle im Spital: Maßnahmen für Patienten und Personal
Zusammenfassung
- Hitze belastet Österreichs Spitäler zunehmend, besonders vulnerable PatientInnen und das Personal, während eine flächendeckende Vollklimatisierung aus baulichen, hygienischen und energetischen Gründen kaum umsetzbar ist.
- Kurzfristig setzen die Häuser auf organisatorische Maßnahmen wie Lüften, Beschattung, Flüssigkeitsversorgung und Schulungen, um die Belastung in Hitzeperioden zu reduzieren.
- Langfristig investieren die Bundesländer in Modernisierung, energieeffiziente Kühlsysteme und systematische Hitzeschutzpläne, damit Hitzeschutz Teil der Versorgungsqualität wird.
Hitze belastet auch Österreichs Spitäler zunehmend. Die Temperaturen steigen teilweise auf über 30 Grad – eine erhebliche Belastung für Patientinnen, Patienten und Personal gleichermaßen. Das AKH Wien verfügt zwar über eine flächendeckende Klimatisierung, doch dies entspricht dem Baustandard der 1970er und 1980er Jahre. Heute würde man eine solche Vollklimatisierung ganzer Spitalskomplexe aus Gründen des Energieverbrauchs und des Klimaschutzes nicht mehr in dieser Form umsetzen, betont Birgit Wachet vom Wiener Gesundheitsverbund.
In der Klinik Landstraße sind das Haupthaus und das Haus 22 voll klimatisiert, während das älteste Gebäudeteil, Haus 13, in den letzten Jahren sukzessive mit Kühl- und Klimasystemen ausgestattet wurde. Das Prinzip ist klar: Wo technisch und baulich möglich, wird laufend nachgerüstet – allerdings sind viele Spitäler teils mehr als 100 Jahre alt. Die Klinik Floridsdorf etwa verfügt über gute Kühlungssysteme.
Gesundheitliche Risiken wachsen dramatisch
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Säuglinge und Kinder, Menschen mit Nieren-, Herz-Kreislauf- oder psychischen Erkrankungen sowie nicht mobile Patientinnen und Patienten. „Für einen jungen Menschen ist das eine normale Hitzebelastung, für vulnerable Personen aber schon sehr hoch", erklärt Andrea Schmidt, Gesundheitsökonomin bei der Gesundheit Österreich und am Nationalen Hitzeschutzplan beteiligt.
Gleichzeitig arbeiten Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal unter erheblich erschwerten Bedingungen. Dr. Eduardo Maldonado-González, Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, sieht Hitzeschutz als Grundvoraussetzung für Patientensicherheit und gute medizinische Versorgung: „Investition in wirksame Kühlung ist auch eine Investition in schnellere Genesung und gute Arbeitsbedingungen."
Warum die Vollklimatisierung so kompliziert ist
Eine komplette Klimatisierung aller Spitalbereiche scheitert an mehreren Hürden – bauliche, energie- und hygienetechnische Gründe spielen eine Rolle. Spitalsgebäude bestehen aus vielen großen, teilweise offenen Räumen mit häufig geöffneten Eingängen. „Klassische Klimaanlagen werden im Spitalsbereich nicht in ganzen Gebäudekomplexen eingesetzt", erklärt Birgit Wachet. Neben Anforderungen der Krankenhaushygiene sind auch der Energieverbrauch und der Klimaschutz entscheidend.
Eine Vollklimatisierung wird daher nur dort umgesetzt, wo sie notwendig ist oder normative Vorgaben dies erfordern – in OP-Sälen, Intensivstationen, Untersuchungs- und Behandlungsräumen, Laboren, im Röntgenbereich, in der Apotheke und in der Zentralküche.
Mobile Klimageräte in Patientenzimmern sind aus Hygienegründen problematisch: Aus Sicht der Krankenhaushygiene könnte dadurch ein Infektionsrisiko entstehen.
Maßnahmen: Kurzfristig und langfristig
Kurzfristig setzen Spitäler auf bewährte, organisatorische Strategien: nächtliches und frühmorgens Lüften, tagsüber Fenster geschlossen halten, konsequente Nutzung von Jalousien und außenliegendem Sonnenschutz. Das Personal achtet auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und hitzegerechte Ernährung bei Patientinnen und Patienten. Regelmäßige Getränkerunden und leichte, wasserreiche Speisen sind Standard in Hitzeperioden.
Das Klinikpersonal wird im Umgang mit Hitzeperioden sensibilisiert und im Rahmen des Wiener Hitzeaktionsplans entsprechend geschult. Besonders wichtig ist es, dass Empfehlungen zur Gebäudenutzung konsequent eingehalten werden. Niederösterreich unterstützt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mittels Checklisten dabei, die richtigen Maßnahmen umzusetzen. Durch angepasstes Nutzerverhalten kann bereits eine deutliche Verbesserung erzielt werden.
Oberösterreich setzt auf ein umfassendes Bündel an organisatorischen, baulichen und technischen Maßnahmen: konzernweite Informationen und Anweisungen zum richtigen Verhalten bei Hitze, ein Hitzeschutzfolder mit Empfehlungen und praktischen Tipps für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Patientinnen und Patienten.
Langfristige Investitionen und Innovation
Langfristig investieren die Bundesländer massiv in Hitzeschutz. Wien plant bis 2040 sein größtes Modernisierungsprogramm in der Geschichte des Wiener Gesundheitsverbundes: Die gesamte Gebäudeinfrastruktur wird erneuert, die Pavillon-Spitäler Ottakring, Hietzing und Favoriten werden bei laufendem Betrieb als Zentralgebäude neu errichtet. Gebäudekühlung und Hitzeschutz spielen dabei eine zentrale Rolle.
Innovative Lösungen kommen bereits zum Einsatz. Die Bauteilaktivierung in Neubauten der Klinik Ottakring nutzt in Decken und Böden verlegte Rohrsysteme gemeinsam mit Geothermie für energieeffiziente Temperaturregulierung. Der Wiener Gesundheitsverbund setzt zudem auf Fernkälte, intelligente Beschattungssysteme, vorgekühlte Zuluft sowie begrünte Dächer und Fassaden.
Oberösterreich kombiniert außenliegende Beschattungssysteme, Begrünungen und Wärmedämmung mit modernen Klima- und Kühlsystemen je nach Standort und Modernisierungsgrad. Bei denkmalgeschützten Gebäuden, bei denen ein Vollwärmeschutz nicht möglich ist, wirkt die massive Bauweise mit dicken Wänden zusätzlich als natürlicher Hitzepuffer.
Niederösterreich setzt auf verschiedene bauliche Maßnahmen – von Folierung großer Fensterflächen bis hin zu außenliegenden Beschattungssystemen, die die größte Wirkung erzielen. ken.“
„Hitzeschutzpläne sollten nicht erst in einer Hitzewelle passieren.“
Andrea Schmidt, Gesundheitsökonomin
Systematische Vorbereitung statt Reaktion
Schmidt betont ein zentrales Prinzip: „Hitzeschutzpläne sollten nicht erst in einer Hitzewelle passieren." Im Idealfall gehe es um langfristige Vorbereitung – baulich, organisatorisch, fachlich. Im Nationalen Hitzeschutzplan gibt es ein eigenes Kapitel zu Gesundheitseinrichtungen und Sozialorganisationen mit konkreten Schritten: Zuständigkeiten klären, gefährdete Patientinnen und Patienten identifizieren, Raumtemperaturen überwachen, kühle Räume festlegen, Trinkmöglichkeiten bereitstellen und die sichere Lagerung von Medikamenten und Lebensmitteln gewährleisten.
„Es sollte grundsätzlich klar sein, wer für das Hitzethema verantwortlich ist", sagt Schmidt. Schon vor einer akuten Hitzewelle müsse eine Einrichtung wissen, wo besonders gefährdete Patientinnen und Patienten liegen, ob Thermometer angebracht sind und welche Räume im Haus kühler bleiben. Bei steigenden Warnstufen müssten Raumtemperaturen kontrolliert, gefährdete Gruppen enger beobachtet und ambulante Termine möglichst in kühlere Tageszeiten verlegt werden.
Hitze- und Klimakompetenz als Schlüssel
Schmidt betont weiters, dass es beim Hitzeschutz nicht nur um bauliche Maßnahmen, Klimatisierung oder Beschattung geht. Ebenso wichtig seien organisatorische Maßnahmen und die Stärkung der Hitze- und Klimakompetenz in den Gesundheitsberufen. Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte müssten wissen, welche Risiken Hitze für unterschiedliche Patientengruppen bedeutet, wie Medikamente bei hohen Temperaturen gelagert werden müssen und wann hitzebedingte Beschwerden medizinisch relevant werden.
Dafür bietet die Gesundheit Österreich Schulungen und Materialien für die Aus- und Fortbildung an. „Das Thema Hitze und Klimakompetenz muss in Lehre, Ausbildung und Fortbildung der Gesundheitsberufe systematisch verankert werden", betont Schmidt.
Dokumentation und Qualitätssicherung
Einen vollständigen Überblick darüber, wie heiß es in Österreichs Spitälern tatsächlich wird, gibt es derzeit noch nicht. Hier setzt ein neues Vorgehen an: Im „Netzwerk Gesundheitsfördernder Krankenhäuser“ wurden Thermometer an Mitgliedseinrichtungen ausgegeben, damit Temperaturen systematischer dokumentiert werden können. Künftig solle besser nachvollziehbar werden, in welchen Bereichen von Spitälern Hitze tatsächlich zum Problem wird.
Langfristig muss Hitzeschutz Teil der Qualitätssicherung in der Gesundheitsversorgung werden. „Versorgungsqualität bezieht sich eben auch auf Hitzeschutzmaßnahmen", sagt Schmidt. Es gehe darum, Hitze in Gesundheitseinrichtungen „systematisch mitzuden
Kommentare