Warum Hautkrankheiten oft ein Nährstoffproblem sind

Rötungen und mehrere Pickel auf der Wange einer Person.
Nahrungsergänzungsmittel können bei vielen Hautproblemen helfen, sagt Dermatologin Yael Adler. Harmlos sind Supplemente aber nicht.

Die Haut ist das größte Organ des Menschen – und macht vielfach Probleme: Stimmt etwas nicht, erscheint sie fahl oder Entzündungen dringen an die Oberfläche. 

Oftmals werden die Auswirkungen mit Cremes oder Medikamenten behandelt. Die wahre Ursache liegt aber häufig im Inneren. Yael Adler ist Dermatologin, Ernährungsmedizinerin und Autorin des Bestsellers „Genial ernährt!“. Sie erklärt, wie Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel wesentlich zur Hautgesundheit beitragen und wann sie helfen oder aber schaden können.

Wer Adler nach den Auswirkungen von Nährstoffmängeln auf die Haut fragt, bekommt eine ganze Palette an Hauterscheinungen genannt. Fahle, trockene oder schuppige Haut, eingerissene Mundwinkel, brennende Zunge oder Entzündungen – all das können Anzeichen für einen Mikronährstoffmangel sein, der durch die Haut zum Vorschein kommt.

Hautbild nicht isoliert betrachten

„Es gibt zahlreiche Hautkrankheiten, bei denen Mikronährstoffe eine spürbare Rolle spielen“, so Adler. So kann bei Akne der Ausgleich eines Eisenmangels zur Besserung führen und auch Zink, Selen, Vitamin D (mit K2) und Omega-3-Fettsäuren können sich anti-entzündlich auswirken und das Akne-Erscheinungsbild positiv beeinflussen. „Wer Kuhmilch, Zucker, Weißmehl, Fast Food oder auch Cannabis meidet, gibt seiner Haut zusätzlich eine Chance auf Besserung.“

Zudem kann Eisenmangel zu fahler Haut führen, Omega-3-Mangel eine Rolle bei Neurodermitis spielen, Selen-Mangel das Immunsystem der Haut beeinflussen und Jodmangel mit Schilddrüsenunterfunktion die Haut teigig erscheinen lassen. Rosazea-Patienten profitieren von Mikronährstoffen wie Omega-3-Fettsäuren, Selen, Vitamin D und Zink zur Entzündungseindämmung und sollten mit Ballaststoffen sowie probiotischen Lebensmitteln das Darm- und Hautmikrobiom stärken, rät Adler.

Das Hautbild sollte jedenfalls nicht isoliert betrachtet werden. „Die Haut steht im Austausch mit unserem Stoffwechsel, den inneren Organen und ganz besonders mit der Darmflora. Alles, was wir essen, wirkt sich also auch auf die Haut aus – im Positiven wie im Negativen. Man spricht deshalb auch von einer Darm-Haut-Achse.“

Neben Makronährstoffen wie Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen, die für Hautzellen, Bindegewebe, Immunsystem, Hormone, Enzyme und Botenstoffe wichtig sind, müssen auch Mikronährstoffe – also Vitamine, Spurenelemente, Mineralien, Omega-3-Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe – in ausreichendem Maße vorhanden sein, um reibungslos zu funktionieren. „Fehlt ein Baustein, kann der gesamte Reparatur- und Schutzmechanismus der Haut ins Stocken geraten.“

Die Haut steht im in besonderem Maße im Austausch mit der Darmflora.

von Yael Adler

Dermatologin

Keine „Bonbons“

Wer an Hautirritationen leidet, kann meist ohne Bedenken in angemessener Dosis Vitamin D3 – je nach Ausgangswert meist täglich rund 2000 IE plus minus – mit K2, Selen und Omega-3-Fettsäuren selbstständig einnehmen, so Adler. Aber: „Nahrungsergänzungsmittel sind keine harmlosen Bonbons. Es gibt sinnvolle Richtwerte, aber die optimale Dosierung hängt von den individuellen Blutwerten und der Gesamtsituation ab – deshalb sollte man wichtige Mikronährstoffe im Labor bestimmen und sich ärztlich beraten lassen.“

Denn es können auch unschöne Nebenwirkungen bei falscher Einnahme auftreten. „In hohen Dosen kann Vitamin B12 Akne auslösen oder bestehende Akne verschlechtern. Auch Vitamin A kann bei Überdosierung Probleme machen – trockene, rissige Haut, Kopfschuppen und sogar Haarausfall sind typische Folgen. Bei Vitamin D gilt: Ein gesunder Spiegel ist wichtig, aber zu viel kann zu Kalziumablagerungen in Haut und Organen führen und den Nieren schaden.“

Auch Eisenpräparate sind nicht harmlos. „Wer sie ohne Mangel einnimmt, riskiert oxidative Prozesse, die Entzündungen und Hautalterung fördern können.“ Yael Adlers Ratschlag: „Am besten immer messen, auffüllen, erneut kontrollieren – und individuell begleiten lassen.“ So könnten Nahrungsergänzungsmittel ihre positive, oft heilende Wirkung entfalten, ohne Schaden anzurichten.

Patienten, die in der Praxis von Adler mit Mikronährstoffen behandelt werden, berichten, dass sie neben dem verbesserten Hautbild auch ganzheitlich positive Effekte spüren. „Es profitieren das Immunsystem, der Schlaf, der Stoffwechsel, die Fitness, die Verdauung und die Psyche.“

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