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Demenz-Hinweis? Was die Handschrift verraten kann

Eine neue Studie zeigt: Speziell beim Schreiben nach Diktat unterscheiden sich ältere Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung deutlich von geistig gesunden Gleichaltrigen.
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Zusammenfassung

  • Studie zeigt: Beim Schreiben nach Diktat unterscheiden sich ältere Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung deutlich von geistig gesunden Gleichaltrigen.
  • Auffällige Merkmale sind vor allem zeitliche Effizienz und Organisation der Schreibbewegungen, besonders bei komplexen Aufgaben.
  • Digitale Handschriftanalyse könnte künftig helfen, kognitive Veränderungen frühzeitig und alltagsnah zu erkennen, ersetzt aber keine Demenzdiagnose.

Die eigene Handschrift verändert sich mit den Jahren. Sie wird oft langsamer, weniger flüssig, manchmal zittriger oder unregelmäßiger. Das wurde bisher meist als normale Alterserscheinung verstanden. Eine neue Studie legt nun nahe: Bestimmte Veränderungen beim Schreiben könnten auch Hinweise auf kognitive Beeinträchtigungen geben.

Veröffentlicht wurde die Arbeit im Fachjournal Frontiers in Human Neuroscience. Untersucht wurde, ob sich ältere Menschen mit und ohne kognitive Beeinträchtigung anhand ihrer Handschrift unterscheiden lassen. 

Dafür testeten die Forschenden 58 Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen: 38 mit kognitiver Beeinträchtigung, 20 ohne. Die Einteilung erfolgte unter anderem über den Mini-Mental-Status-Test, angepasst an den Bildungsgrad.

Wichtiger Punkt: Es ging nicht nur darum, wie das Geschriebene am Ende aussah. Die Teilnehmenden schrieben auf einem digitalen Tablet, das Bewegungen des Stifts exakt aufzeichnete. 

Analysiert wurden:  Dauer, Startzeit, Druck, Größe der Bewegungen, Anzahl der Striche und die Flüssigkeit der Bewegung. Damit wird Handschrift nicht nur als fertiges Produkt bewertet, sondern als Prozess.

Besonders interessant: Einfache motorische Aufgaben reichten nicht aus, um die Gruppen klar zu unterscheiden. Wer nur Punkte setzen oder Linien ziehen musste, zeigte keine aussagekräftigen Unterschiede. Auffällig wurde es erst bei komplexeren Schreibaufgaben – vor allem beim Schreiben nach Diktat.

Diese Art des Schreibens verlangt mehr als Handbewegungen. Man muss Gehörtes aufnehmen, Laute in Buchstaben übersetzen, Wörter im Arbeitsgedächtnis halten, die richtige Schreibweise abrufen und gleichzeitig die Hand steuern. 

Dieser Mix aus Sprache, Gedächtnis, Planung und Motorik scheint empfindlicher auf kognitive Veränderungen zu reagieren als eine reine Stiftbewegung.

In der Studie waren vor allem zwei Merkmale auffällig: die zeitliche Effizienz und die Organisation der einzelnen Schreibstriche. Bei Aufgaben mit höherer geistig-motorischer Belastung trugen insbesondere die Dauer des Schreibvorgangs und die Zahl der Striche dazu bei, kognitive Beeinträchtigungen vorherzusagen. 

Die Forschenden interpretieren das so: Geistig gesunde ältere Menschen können altersbedingte motorische Veränderungen offenbar besser ausgleichen, bei kognitiver Beeinträchtigung ist dieser Ausgleich schwächer. Dann schlägt sich die Belastung direkter im Schreibprozess nieder – etwa in längeren Pausen, veränderter Bewegungsorganisation oder weniger effizientem Schreiben.

Die Studie zeigt allerdings keinen einfachen Handschrift-Test, mit dem sich Demenz diagnostizieren ließe. Außerdem könnten Medikamente, Gebrechlichkeit oder andere altersbedingte Faktoren die Schreibbewegungen beeinflussen. Es sind weitere Untersuchungen nötig.

Der Ansatz ist trotzdem interessant: Eine digitale Handschriftanalyse wäre günstig, nicht-invasiv und alltagsnah. Sie könnte helfen, kognitive Veränderungen früher zu bemerken oder ihren Verlauf zu beobachten – vor allem dann, wenn Schreibaufgaben so gestaltet sind, dass sie nicht nur die Hand, sondern auch das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit fordern.

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